Ein Traum?

Nachdem mein Vater abgereist ist und es ist nicht ohne grosses Tränenvergiessen abgelaufen, obwohl ich meine Mutter oft weinend vorgefunden hatte weil ihr irgend jemand erzählt hatte, er habe meinen Vater gesehen, Hand in Hand mit irgend so einer Schönheit die die Gestade des Titicacasees bewohnen, hat sie ihren Gefühlen in allen Arten Luft verschafft und ich war natürlich aufgebracht, dass mein Vater uns so verlassen hat. Er hat uns versprochen, er würde bald wieder zurückkehren, doch ich glaubte ihm schon damals nicht richtig. Und er ist tatsächlich nie mehr zurückgekehrt. Und naja, ich habe aus Wut meinen Namen geändert, von Giovanni in Manuelo, denn mich hat‘s ja schon getroffen, dass er uns Kinder so im Stich gelassen hat. Viel später mal, in Europa am englischen Königshof habe ich ihn getroffen, mit geschrumpelter Greisenhaut und er hat mich nicht erkannt und ich ihn auch nicht, wenn er mir nicht vorgestellt worden wäre mit allen seinen Titeln und da war dann noch so ein weiterer Titel hinzugekommen, nämlich Graf von Savoyen und seinen peruanischen Titel haben sie arg falsch ausgesproche, diejenigen vom Elisabethischen Königshof. Aber ich war schon einiges älter und erwachsen und war auch über das hinweggekommen, dass er uns Kinder und seine Frau, eine Prinzessin die, wie sie mir sagte, sich trotz den Vorbehalten ihrer Eltern in ihn verliebt hatte und darauf beharrt hatte, ihn zu heiraten, was ihr Vater, wohl ein weiter vorwärtsgekommen als die anderen Potentaten unserer Zeit, akzeptierte! Nun ja, meine Mutter ist ja auch darüber hinweggekommen und hat dann den Eroberer unseres Landes selbst geheiratet, obwohl dieser, der immer auch in der grössten Hitzen mit wollenen Kleidern und wollenen Socken herumlief und deshalb immer stank, mich immer als unkultiviert und Mann ohne Sitten vorgekommen ist. Aber es scheint, dass meine Mutter diesen Ruffian mit den stinkenden Kleidern aufrichtig geliebt hat und mein Stiefvater hat sich aufrichtig Mühe gegeben, uns, meine Schwester und mich, zu akzeptieren. Wie ich meinen Vater ansprach, wieso er uns verlassen hat, hat er nur so mit den Schultern gezuckt, er behauptete, er habe seinen Weg zurück nicht mehr gefunden, wollte offensichtlich nicht sagen, dass er eine ihm viel sympathischere savoyer Gräfin die in Männerkleidern herumlief, anschliessend gefunden hat und naja, er ist dann mit dem erstbesten englischen Schiff nach Kanada gereist istund hat seinen Lebensabend unter den Indianern Nordamerikas als Häuptling Kühner Adler, glaube ich, ausgehaucht. Nun ja, an diesem besagten Abend habe ich mich in mein Zimmer zurückgezogen, denn Tränen wollte ich nicht vergiessen vor allen anderen, habe das Tagebuch meines Vater aufgeschlagen und las einige Seiten darin, bis ich einschlief. Nun, wenn es vielen so erscheinen möchte, dass mein Vater sich nicht viel mit uns Kindern beschäftigt hat, mag es richtig sein, Vater beschäftigte sich intensiv mit den Regierungsgeschäften seines Bezirks, der Region ¨der Ketschua- und Aymaraindianer, musste viel reisen und war daneben auch viel in Quito wo der Inca Huayna Capac, mein Grossvater, Hof hielt und leitete daneben auch immer noch die staatliche Waffenfabrik weil er ja, wie er es uns gerne erzählt hatte, für den Inka das Schiesspulver erfunden hatte und dabei die Hälfte des Königspalastes in die Luft gejagt hatte! Und bin dann kurze Zeit später schweissgebadet wieder aufgewacht. Denn es erschien mir ein Gespenst bestehend aus einem Körper aus Stahlfedern und einem viereckigen Kopf der vorne zwei grosse Zangen aufwies. Er packte mich mit diesen Zangen, denn mit seinen kurzen Armstummel hätte er mich kaum packen können und ich flog mit ihm durch die Luft über‘s unendliche Meer den auch mein Vater wird durchqueren müssen, wenn er zurück in seine ursprüngliche Heimat kehren will, die ich nicht kenne. Und dies alles in Windeseile und jetzt plötzlich sass ich auf dem Rand einer Couch umarmt von einer wunderhübschen Frau die darauf lag und neben der Couch sass auf einem Fauteuil ein Krieger. Die beiden schienen über mich zu reden, ich aber verstand nichts davon. „Ja, Paris,“ sagte sie, „der Troilos ist mein Bruder und mein Vater hat ihn gerade erst zum Hauptmann in deiner Mannschaft ernannt, offensichtlich hat ihn Hector erwischt, wie er der Chriseis einen Kuss gab!“ Ich schaute an mich herab. Ich, ein Hauptmann? Kaum möglich. Ich war einige Jahre jünger als ich eben gerade im Hof unseres Palastes in Cuzco gewesen war, ein Kind noch und Troilos, nein, das hiess ich nicht. Der andere Mann, den die Frau gerade Paris genannt hatte, trug einen Helm mit einem roten Kamm und hinten, ich sah es nicht, offensichtlich einen Köcher mit Pfeilen. Er lachte. „Liebe Ehefrau, oder eher nicht, Helena ist kaum dazu fähig, eine keusche Ehefrau zu sein, die dem zweitältesten Sohns des Königs Ehre macht, was soll ich mit einem Hauptmann, der kaum fähig ist, einen Speer zu tragen, geschweige denn, ihn zu werfen damit er im Kampf gegnerische Soldaten wirklich tötet!“ „Du sollst nichts, lieber Ehegatte, nicht du bist ja tatsächlich im Krieg beschäftigt, die Arbeit des Krieges wird fast ganz allein von deinem Bruder getan. Ja natürlich, ganz am Anfang, als unsere Krieger das erste Mal dem Heer der Achaier entgegenstanden, hast du gekämpft, konntest dich wohl nicht drücken, weil dich Menelaus herausforderte und deine Brüder und dein Vater zusahen. Lange hast du nicht gekämpft, allerdings. Bald hatte dir mein ehemaliger Gatte eine kleinen Boxhieb auf deine schöne entblösste Brust gegeben und du bist in Ohnmacht gefallen, bevor du das erste Mal richtig etwas gespürt hast was ein richtiger Kampf Krieger gegen Krieger ist und dann hat dich deine Schutzgöttin, die schaumgeborene Aphrodite bald in Sicherheit in mein Gemach gebracht. Von diesem Moment an, mein Lieber, habe ich gemerkt, dass hinter deiner schönen Fassade nichts richtiges vorhanden ist, dass du mich seinerzeit, als du uns besuchtest in Sparta wohl nur mit Hilfe deiner Göttin bezirzt hast und ob du ein richtiger treuer Ehegatte bist, mein lieber, „zischte sie ihn nun an,“ bezweifle ich, denn im Bett mit mir warst du kaum je, sonst hättest du wohl gemerkt, dass ich“. Abrupt hörte sie auf. Jetzt weinte sie, während sie mich streichelte, eine Träne benetzte meine Backe auf der sie mich küsste. Ich fuhr zurück, zu aufdringlich schien mir diese Helena. Wenn es denn wirklich eine Helena ist! Denn ich habe ja, wie sie es zum anderen sagte, eine Freundin. Und plötzlich erinnere ich mich daran, wie wir uns letzte Nacht umarmten in der Gasse, diese Chriseis, oder eben Chriseide! Aber letzte Nacht war ich ja ganz woanders, ganz sicher Meere oder Kontinente und Jahrhunderte entfernt. Aber irgendwie erinnere ich mich doch an die Chriseide, jetzt plötzlich, seitdem diese Person, die sich Helena nennt auf die Backe geküsst hat. Und das Parfum, dass Chriseide ausgeströmt hat, war ganz anders als das Parfüm dieser Helena, irgendwie riecht diese Helena viel eher nach einem Helenus. Und jetzt neigt sich diese Helena meinem Ohr zu und flüstert mir: „Helenus? Meinst Du, heisse ich. Da aber täuscht du dich, das ist dein älterer Bruder und wie mir scheint, ist er daran zu uns ins Zimmer zu stossen, nein, steht bereits an der Schwelle.“ Und dann geht die Türe auf und ein anderer Krieger angetan mit einem Helm wie dem des Paris tritt ein. Paris allerdings hat schon lange zuvor den Raum verlassen. Als Helena begann, über ihn zu schnöden, hat er vorerst Anzeichen gemacht, sich dagegen zu wehren. Doch da es sowieso fast unmöglich ist, sich einzumischen, wenn Frauen anfangen, einen sich zu streiten, hat auch der frauengewandte Paris, der eigentlich mit Taufnamen Alexander heisst, aufgegeben. Nur eben, wie mir scheint ist diese Helena eigentlich keine Frau, doch ich weiss es nicht. Der Helenus scheint es besser zu wissen, denn schon wie er eintritt, gibt‘s eine intime Begrüssung und Beküssung. Der Helenus, der sich gleichzeitig mit dem Deiphobus, einem anderen meiner Brüder sehr in Helena verliebt hat, hat hier offensichtlich gegenüber seinem Rivalen sehr an Terrain gewonnen. Aber mein Bruder Deiphobus ist ganz eindeutig der bessere Krieger. Schon viele achaische Krieger hat er, wenn schon nicht alle getötet, schon einige Male in Flucht versetzt, obwohl diese dies wohl nie zugeben würden. Ich, als Kind, habe diesen Kampfhandlungen immer mit den Frauen auf der Mauerbrünstung zugeschaut und weiss deshalb schon ein bisschen Bescheid. Weiss ich das? Gestern Nacht war ich noch, ich weiss, auf einem anderen Kontinent und das weiss ich, weil mein Vater einige Male davon erzählt hat, wie er seine Jugend auf einem anderen Kontinent zugebracht hat und das sei Europa und dort liege Griechenland, die Wiege Europas, wie es ihm der berühmte Leonardo de Vinci persönlich erzählt habe. Wer dieser „berühmte Leonardo de Vinci“ wirklich war, das wusste ich noch bis gestern Nacht nicht, doch ich habe in seinem Tagebuch Skizzen gesehen die mir eine nie geahnte künstlerische Dimension meines Vaters zeigte und gelesen, dass er mit dem Hofmaler und Hofingenieur des Herzogs von Mailand im Dachgeschoss seines Ateliers in Mailand Versuche für Dampfschiffkonstruktionen unternommen hat. Doch wieso ich mich jetzt plötzlich daran erinnern kann, dass ich, der ich eigentlich bis gestern Nacht nur auf dem amerikanischen Kontinent lebte, vorhin schon einige der berühmten Schlachten der Achaier gegen die Trojaner auf der Mauerbrünstung von Troja mitverfolgen konnte, zusammen mit meinen Tanten Andromache und Helena und meiner Mutter Hekate, verstehe das eigentlich nicht richtig, habe aber noch keine Zeit gehabt, richtig darüber nachzudenken, denn seit ich von der Helena verküsst und umarmt werde, ist immer viel gegangen um mich herum. Als uns Paris verliess, hat er en passant gesagt, er werde seinen Bogen holen um ins Kampfgeschehen, dass sich in diesem 10. Jahr, seitdem die Achaier unsere Stadt belagern, fast jeden Tag stattfindet, doch die Helena, und zwischen beiden herrscht wohl nicht mehr nur eitel Liebe, hat giftig geantwortet, er solle nur gehen und versuchen, wie Amor seine Liebespfeile abzugeben und Paris hat daraufhin nur schnöde gekichert. Scheint ist mein Onkel Paris als Knabe vom Hof meines Vaters weggejagt worden weil meinem Vater geweisssagt wurde, er würde von ihm vom Thron gejagt werden und auf dem Berg Ida, dessen dürre Steppen man von diesem Zimmer aus sehen kann, habe er ein Dasein als Hirte gehabt, bis dass ein goldener Apfel vom Himmel her herabfiel und, wie er diesen aufgelesen habe, plötzlich drei wunderschöne Göttinnen vor ihm gestanden seien und jede ihn gebeten habe, ihr diesen Apfel doch zu geben. „Gib ihn doch der schönsten unter uns,“ habe die älteste von ihnen gesagt, auch sie natürlich jung, aber irgendwie matronenhafter als die anderen, „und wenn du ihn mir gibst, verspreche ich dir, dass du der mächtigste König weit und breit werden wirst.“ Daraufhin sagte eine andere, die sich mit Athena vorstellte, und eine Helm mit einer Frauenfratze darauf trug, sie werde ihn zum ruhmreichsten Krieger weit und breit machen. Die dritte aber war eindeutig die schönste unter all den dreien, das bemerkte mein Onkel, wie er es mir mehrmals gesagt hatte, schon immer besonders weil die beiden anderen neidisch zu ihr hinüberblickten, wie sie sagte: „Da wollt ihr wohl selbst Scherze machen, Hera, Zeus‘s Gemahlin und Athena, die aus dem Kopf von Zeus geborene Weisheit. Ihr wisst alle beide wohl, dass ich, die vor Zypern aus dem Schaum geboren wurde, die schönste aller Frauen bin!“ Daraufhin zischte Hera böse „und vom abgeschnittenen Glied des Himmels bist du entstanden, Aphrodite, dass Kronos, der Titan der in der Unterwelt gefesselt ist, ins Meer geworfen hat!“ Die Aphrodite schaute sie nur von oben herab an. „Alte Tante,“ bemerkte sie schnippisch, „du bist nur wieder, wie immer schon, eifersüchtig und da brauch ich dich nur mal daran zu erinnern, wie oft dein treuer Gemahl schon lüsterne Blicke auf mich geworfen hat. Züchtig und hausfrauenhaft, ja, das bist du, doch schön zu sein bildest du dir nur ein. Doch dir, schönster aller Jünglinge, dem Ganymed nur wenig nachstehender, traue ich zu, dass du sofort merken wirst, dass ich die schönste aller dreien bin und ich werde dir weder Ruhm noch Macht versprechen, denn das brauchst du nicht, denn du wirst sowieso in die Geschichte eingehen als der bekannteste aller Männer, der einen grausamen zehnjährigen Krieg wird ausgelöst haben. Nein, da du so schön bist, meine ich, brauchst du die schönste aller Frauen und das ist Helena und die wirst du dir als Ehegattin heim nach Troja holen!“ Nur ja, wie mein Onkel sagt, er war so hin von dieser Aphrodite, die ja dauernd um ihn herum fliegt und ihn auch schon einige Male verwundet aus dem Kampfgeschehen gerettet hat, dass er dieser ohne überhaupt einen Gedanken daran zu verlieren den goldenen Apfel, auf dem, wie man so sagt, ein Fluch lastet schenkte und sich damit den Zorn der beiden anderen Damen, der Hera und der Athena auflud! Ja, der goldene Apfel der vom Himmel herabgefallen war, war ein Hochzeitsgeschenk der Göttin der Zwietracht, die man an die Hochzeit der Meeresgöttin Thetis mit dem König Peleus nicht eingeladen hatte, die aber trotzdem mitten im schönsten Festrummel erschien und das Fest zerstörte! Der, der am meisten Angst, Schrecken, Mord, Vergewaltigung und Plünderung rings um Troja verbreitet hat, seitdem Menelaus und Agamemnon mit ihren schwarzen Schiffen an unseren Gestaden angelegt haben, Mauern um ihre Schiffe erbaut haben und uns erklärt haben, sie wollten die Helena zurück an den Herd des Menelaus, sei es, dass wir sie ihnen zurückgeben, sei es, dass sie sie bei uns holen und dann natürlich meine Schwestern als Beigabe dazu. Wen wundert‘s, gerade der Sohn der Thetis und des Peleus, nämlich der Achilles. Den habe ich gesehen auf einem Streifzug, als ich mal spazierte mit Cressida meinem Schatz und als wir uns mal gefährlich nahe ans griechische Lager gewagt hatten. Wir hatten einen kleinen Hügel erklommen, von dem aus wir über das Lager schauen konnten und da sass dieser blonde Muskelprotz auf einem Schemel und sprach mit einer Nymphe, die aus den Fluten getreten war.Und der Achilles, das flüstert mir die schöne Helena nun gerade ins Ohr, wird später derjenige sein, der mich in wenigen Tagen auf dem Altar des Apollotempels vergewaltigen und erwürgen wird. Sagt‘s nur so nebenbei und lächelt dabei und ich erzittere und weiss nun, dass diese Helena nicht so unschuldig und sterblich ist, wie sie so scheint. Und während ich mir das denke, zwinkert die Helena mit den Augen und ein ketzerischer Gedanke kommt mir, dass die Helena nur so ein Gebilde sei, das die Aphrodite geschaffen habe und dass die wirkliche Helena zurzeit in Ägypten im Hof des Pharao weile! Heute Nacht habe ich ja von einem komischen Menschen mit einem viereckigen Kopf und einem spindeldürren Körper und der sagte mir, er wohne auf einem der Sterne die man am Himmel sehen kann und er wolle mich zu sich holen. Und dann bin ich auf einer Terasse gestanden während Blitze und Lavabroken um mich herum wirbelten und instinktiv zog ich den Kopf ein, um nicht von so einem riesigen Gesteinsbroken getroffen zu werden, doch mirakulöserweise fiel keiner dieser Gesteinsbroken auf unsere Terrasse und wie der Federmensch mit dem viereckigen Kopf sah, wie ich überrascht war und dauernd Ausschau hielt nach einem Unterschlupf, sprach er mir zu, ich müsse keine Angst haben, ein unsichtbarer Stärkeschild sei oberhalb unserer Terrasse ausgespannt und halte jegliche Gesteinsbrocken davon frei. Ich verstand nichts von dem, das er mir sagte, nur weiss ich, dass die Gesteinsbrocken fernblieben von unserer Terrasse. Wie ich mit der Hand an mein Gesicht langen wollte, merkte ich, dass ich rings um meinen Kopf einen Helm trug und der Fremdling sagte mir, dass ich einen Helm tragen würde, weil ich in der Luft die um mich herum war, nicht überleben könnte, denn das seien nur Gase die für meine Lunge ausbrennen würde! Nun, ich nickte nur und sagte mir, dass man halt in Träumen nicht davor gefeit ist, Monstern zu begegnen und daraufhin lachte der Federmensch laut schallend und sagte mir, er sei einer meiner Ur-ur-ur-Enkel, ich sei nämlich nicht der Sohn des Priamus, die Hekabe habe mich, als mich die Cassandra vom Strand heimgebracht habe, einen nackten Jüngling der auf seiner Couch gelegen habe, sofort geliebt, sei neben mir gelegen und habe mich damit erzeugt. Wie ich es mir vorstelle, sonst, dieser Priamus sei ein uralter Mann, überhaupt nicht mehr zeugungsfähig gewesen, geschweige denn attraktiv für die junge Frau, die Hekabe gewesen sei! Da sagte ich mir nur, dass man gegen Träume wirklich nicht gefeit ist, denn ich habe keinen Sohn und kann mir nicht vorstellen, einen Enkel der aussieht wie eine Feder mit einem viel zu grossen, dazu noch vierreckigen Kopf, zu haben der noch dazu, wie könnte es auch anders sein, einiges älter ist als ich! Und diesen Alexis als Vater, der sich immer so ziert der Helena gegenüber und überhaupt sonst offensichtlich gern überall sonst unter dem Hag grase, nein, den konnte ich mir nicht als Vater vorstellen.Doch das war wie gesagt nur ein Traum! Ob einer meiner Nachfahren als eine Feder mit einem viereckigen Kopf auf einer Sonne irgendwo im Himmel leben wird, kann ich nicht sagen, will ich nicht sagen denn es eigentlich für mich wurst. Das einzige das ich sagen kann, ist, dass ich nicht so rumlaufen möchte! Und ob das der schönen Helena, die jetzt mit mir im Gemach weilt, gefallen würde, weiss ich nicht. Ich merke nur, dass die Schöne sich langweilt, sich auf‘s Sofa gelegt hat und mich auffordert, mich neben sie zu legen! Darf ich das, wird Paris, wenn er je zurückkommen würde vom Schlachtfeld, mich dann nicht mit der Mistgabel durch seine Villa jagen? Tatsache ist, das ich mich trotzdem niederlege, denn vor einem, wie es Paris ist, hat kein Mensch irgend eine Achtung, sogar die Helena nicht. Hat da nicht der Menelaus, der ehemalige Gemahl der Helena, mit seinem Speer seine Haut ein bisschen aufgeschürft und daraufhin hat ihn seine Schutzgöttin, die Aphrodite, in einen Nebel gehüllt und ihn wieder zurück in die schützenden Arme seiner Frau zurückbefördert! Jetzt ist er wieder weg, womöglich treibt er‘s mit irgendeiner Sklavin hinter den Büschen, jetzt wo die Achaier gerade um eines ihrer grossen Feuer tanzen und Wettspiele veranstalten und deshalb keine Zeit haben, zu kriegen. Doch die Helena, die blonde, göttliche ist so schön, da kann niemand unberührt bleiben, wenn sie auf der Couch liegt und dich mit ihren grossen Kolleraugen anblickt und so liege auch ich bald nackt neben ihr und so sagt, sie wolle mich einführen, in die Geheimnisse der Liebe als wisse sie nicht, dass ich bereits eine verlobte habe, nämlich die Kriseis, die ich bereits hinter den Büschen vernascht habe, geküsst und auch was zusätzlichen gemacht, wohl das, was die Helena die jetzt auch nackt neben mir liegt, meine Tante, wohlverstanden und somit für mich verbotenes Futter, mir jetzt zeigen möchte. Hier will ich nichts mehr weiteres sagen, mir wurde ja von meiner eigenen Schwester Cassandra notabene vorhergesagt, dass ich vom Achilles persönlich auf dem Altar des Apollo vergewaltigt werde und anschliessend, weil er es offensichtlich im Liebesrausch nicht anders machen kann, auch noch stranguliert werde! Dumm bloss, dass ein Gott dem zuschauen wird und der sich anschliessend beim gewöhnlichen Sterblichen dafür rächen wird, dass er so etwas sehen muss, indem er diesen abmurkst, denn sterben wird dieser Sterbliche ja eh, früher oder später. Dafür wird er ja auch mit ewigen Ruhm in die Geschichte dieser Sterblichen, worunter ja auch ich zählen werde, eingehen! Und dann natürlich meine Tante Helena, die gleiche, die ja mit meinem mir im Traume geoffenbarten richtigen Vater Alekis auch schon mehrmals zusammen gesehen wurde, nicht nur von meinem Bruder Hector und wahrscheinlich noch nie von meinem Vater Priamus, der sowieso nicht‘s sieht, was für die anderen eindeutig bemerkt wird und der sowieso nichts mehr sehen will von Alekis, dem er ja vorwirft, dass er daran schuld sei, dass meine Schwester gestorben ist während der Wehen! Aleksis, eigentlich mein Onkel aber jetzt der vermaldeimte, von der Schwelle meines Vater für immer verdammte, ist dann zu Aeneas gezogen, der ihm Gastfreundschaft gewährt hat und hat, wer weiss, sogar meinen Cousin Ascanius erzeugt, wenigstens sagt mir das meine Tante Helena, die jetzt neben mir im Bett liegt. Und womöglich hat er sogar den Astyanax gezeugt, während der Hector bei den Schiffen der Achaier kämpfte, das wäre ihm zuzutrauen! Doch die Helena, ja, die gleiche, die jetzt neben mir liegt und mir schmachtend sagt, ich sei so schön, mit meinen blauen Augen und schwarzen Haaren, ist ja auch nicht eine Frau wie die Cressida es ist, nein, sie läuft zwar in Frauenkleidern herum hat aber männliche Attribute wie ich sie habe und seufzt neben mir und mich verwundert es nicht wenn ich denke, dass ich ja der Sohn meines Ex-Onkels Aleksis sein soll. Doch jetzt ruft mich Cressida von der Strasse her und ich verabschiede mich von Helena. Das ist‘s. Helena hat mich zwar bereits mit beiden Armen umarmt wie ich neben irh lag und hat sich auf die Seite gewendet um mich mit ihren feinen Frauenhänden zwischen meine Schenkeln zu streicheln und mir schaudert! Helena, ein Mann der aussieht und spricht wie eine Frau. Helena, die wahrscheinlich bereits gestern Nacht in der gleichen Pose neben Paris lag (ich weiss ja nicht ob Paris in letzter Zeit überhaupt je heimgekommen ist, Paris mein ältester Bruder von dem meine Mutter Hekabe immer so schwärmt war offensichtlich verliebt in einen Mann der aussieht und spricht wie eine Frau! Nein, so geht‘s nicht wieder. Jetzt spüre ich, wie mich ekelt vor diesem frauenhaften Mann und impulsiv springe ich auf vom Bett und herunter und dann ohne zurückzuschauen auf diese auf der Couch liegenden Figur die weder Frau noch Mann ist und höre nur noch, wie ich die Türe öffne und aus dem Zimmer stürme, wie er mit seiner engelhaften Stimme hinter mir ruft: „Bleib doch, Schatz, so lange schon ware ich auf dich!“ Und dann höre ich ein diabolisches Lachen wie ich die Türe hinter mir zuknalle. Auf dem Flur schaut mich der Diener lange an doch ich stürme an ihm vorbei und die marmorne Treppenflucht hinab zur Eingangstüre! Es gibt ja keinen luxuriöseren Palast als der Palast von Paris in ganz Troja, er wurde erbaut vom bekannten Architekt Nephratis als eine Pyramide aufgetürmt aus Kuben mit hängenden Gärten und es wird ihn ja auch nicht lange geben, denn es wird das Erste sein, was die Achaier zerstören werden, wenn sei in einen Tagen bereits die Stadt erobern werden! Wie ich auf die Strasse komme grüsst mich Cressida überschwänglich und ich liebe sie wirklich, einiges mehr, meine ich als meine Tante Helena die uns von ihrem Fenster aus winkt und auf der Schwelle begegne ich meinem Schwager Aleksis, der meiner Tante offensichtlich auch einen Besuch abstatten will. So mitten in der Stadt, vor allen Augen, jedoch, ist es mir nicht wohl. Da alle Paläste, derjenige des verstorbenen Hektor und seiner Frau und der Hauptpalast des Paris in der Nähe eigentlich rings um den Palast meines Vaters, des König‘s Priamos liegen, ging ich zusammen mit Chriseis in die königlichen Stallungen

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