Einführung:

Ich schreibe das hier in einem geheizten Zimmer. Mit vollem Magen. In einem Land wo es alle Annehmlichkeiten gibt. Die Leute wenn sie wollen einer Tätigkeit nachgehen können wo sie genug zum gut Leben verdienen. Wo jeder eine Ausbildung hat, die Zeitung lesen kann, weiss was um ihn herum getan wird. Eigentlich geht es mir gut. Doch trotzdem die Leute sind so beschissen zueinander und eigentlich geht’s ihnen nicht gut. Denn das was sie haben wollen sie nicht und das was sie eigentlich bräuchten haben sie nicht. Was José erlebt hat kann ich mir nur in meinen schlimmsten Träumen vorstellen. Doch ich muss es nacherleben, damit ich das Schicksal der vielen unbegüterten jungen Leute verstehen kann, die in Länder leben wo Guerillas und Contraguerilla im Namen von politischen Systemen und Idealen zum morden und plündern animiert werden, von demokratisch gewählten Präsidenten die vorgeben menschlich zu sein. Die Krieger, die dort wüten sind nicht "gut", man kann es von ihnen nicht erwarten, denn Krieg ist nur der einsame Kampf machistischer Einzelindividuen die, versuchen zu überleben und in der Unsicherheit des Alltags möglichst viel Freude zu erleben. Freude ist immer relativ und kann für diese nicht bedeuten, ein gutes Buch zu lesen oder schöne Blumen anzugucken. Das ist nur für ihre Auftraggeber, die ein schönes Leben im gepflegten Rahmen führen können. Meist haben auch die bösartige Seiten, die sie nicht sehen wollen und dann im Versteckten ausleben. Doch ich bin nur ein Ketzer wie es auch der Marquis de Sade war, der trotz seinen Romanen nie jemandem was zu Leide tat, nicht auf die Jagd ging weil er nicht einmal einem Tier was zu Leide tun wollte und gegen die Todesstrafe war. Das in einem Jahrhundert wo die Jagd zum Privileg der Noblesse gehörte und in einer Epoche, wo es lebensgefährlich war wenn man nicht: "Aux poteaux les monarchos" oder so was ähnliches schrie. Doch genug der Philosophie. Ich, Cyrill Attenbourough habe so was wie ich es beschreibe nie erlebt. Doch erfühlen wollte ich es dennoch, denn wenn man mitfühlt, kann man besser verstehen. Von Männern habe ich zwar bevor ich José und Thierry traf, nie etwas Gutes erlebt. Mein Alter hat sich nie viel um mich bekümmert. Als er meine Mutter geschwängert hatte, war für ihn seine Pflicht erfüllt. Bei der Geburt war er nicht anwesend. Geld hat meine Mutter auch nie von ihm gesehen, sie musste unseren Unterhalt im Gastgewerbe sauer erwerben und die Pflicht mich aufzuziehen oblag nur ihr. Das Geld hat mein Vater, der als Kellner tätig war, mit seinen amerikanischen Flittchen allein ausgegeben bis er dann mit einer besonders babyhaften Blondine über den grossen Teich abgehauen ist. Die schrieb pikanterweise populäre Romane über gut funktionierende bürgerliche Familien und hat unsere auseinandergerissen. Meine Mutter suchte sich Unterstützung anderswo und ich hatte eine grosse Auswahl an blonden, braunen, dicken, dünnen, bärtigen und schnauzbärtigen Onkel. Doch so verschieden sie waren, sie nahmen alle an dass sie gescheit waren und mich belehren mussten. Und so kam es dass mich einer auch missbrauchte, wie man das heute so schön sagt. Oder so wenigstens hat es mir meine Mutter gesagt als  sie zu ihrer Entrüstung merkte, dass ich von meiner Veranlagung nicht dazu neigen würde, Erben von mir und ihr auf die Welt zu stellen, kleine Kopien meines grossen Vaters und Erzeugers sozusagen. Solche hat es sonst schon genug auf dieser Welt. sagte ich mir. Doch dann hat sie meinen Onkel Gerd kennen gelernt, der sie notgedrungen auch mit nach Hannover entführte. Als dann mein kleiner Bruder auf die Welt kam und ich endlich merkte dass dieser soziale, dicke und joviale Bruder auch was ungebührliches von mir wollte, bin ich dann getürmt, zurück nach Davos wo ich ja aufgewachsen bin. Ich verdiente mein Leben mit Gelegenheitsjobs und stempelte auch zwischendurch und war unglücklich weil ich noch nach meiner wahren Identität forschte. Deshalb schrieb ich so Geschichtlein im Stil wie jetzt eines folgen wird, bis ich dann durch puren Zufall Thierry und vor allem José kennen lernte und durch sie auch Ramon, David, Koja von denen ich geschrieben hatte. Jetzt höre ich bereits Ihr Lachen. Doch ich schreibe es trotzdem. Alles ist zwar erstunken und erfolgen, sagt meine Tante Hilde, die mit den Haaren nicht nur am ganzen Körper und aus der Nase quellend, sondern vor allem auf den Zähnen. Ich gehe ihr wo immer möglich aus dem Weg, was zugegebenerweise in den engen Strassen von Davos bei ihrem Leibesumfang schwierig ist. Denn sie will mir einbläuen, mein Vater sei ein rechtschaffener Mann gewesen, Doktor der Philosophie und des Lateins und habe sich nur meiner unkeuschen Mutter und mir wegen so abrackern müssen. Und dann sagt sie, was ich schreibe sei alles nur eine Wahnvorstellung. Mich stört’s nicht, denn wie viele Dichter die den grössten Teil ihres Lebens in der Klapsmühle verbrachten, werden heute als überragende Persönlichkeiten gefeiert! Wie man sieht, bin ich nicht gerade bescheiden, ich habe halt schon viel von meinem Vater (oder meiner Mutter?) geerbt.

Cyril

Ich möchte die Geschichten lesen:

Jose trifft Ramon

José’s Geschichte

Saint Tropez

Nicos’ Geschichte

Zurich

Koja’s Geschichte

Letzter Ausweg

José kann nicht mehr weiter - er versucht's mit Selbstmord

Zurück zur Homepage

Meine Meinung

  #^$`mno`ggoqji/body>