Ramon erzählt:

Zurück von St Tropez lebe ich wieder in der Grossstadt.  Ich bin seelisch in einem Tief.  Nach Ali habe ich nun Nico  getroffen, hatte mich sogar arrestieren lassen, war ins Gefängnis gegangen, um ihm zu helfen. Kaum in der Stadt zurück, habe ich Nico's Erinnerungen fertig niedergeschrieben und sie in Zusammenarbeit mit Franco publiziert.  Nico hatte bereits einen italienischen Pass erhalten. Und ist bereits in St. Tropez zusammen, mit Andy, den ich dort aufgegabelt hatte, verschwunden. Wahrscheinlich sind die beiden Jungs in irgend eine Mafia verstrickt worden. Doch hat mich die Arbeit an meinem Buch und später die  Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit meinem Ali voll in Beschlag genommen. Ich hatte keine Zeit an mich zu denken. Jetzt hat sich alles beruhigt. Meine Frau Francine ist wieder weit weg nach Neuseeland verreist, die Ferien hat sie ohne mich mit Doris in Arles verbracht und hat sich wieder entschlossen diesmal definitiv mit mir zu brechen. Sie wolle mit mir nichts mehr zu tun haben. Was sie wahrscheinlich stört, ist, dass man sogar bei den Maoris an jedem Kiosk wieder von mir liest, seitdem ich in der Kandidatenliste für den Nobelpreis figuriere und deshalb nicht wegkommt von mir. Da ist Doris halt ein mickriger Ersatz. Und heute will niemand mehr von der Glückseligkeit der Maoris hören, weil es diese gar nicht gibt.  ich habe wieder Zeit allein über mich selbst nachzudenken. Ich weiss noch nicht, wohin es mit mir geht.

Ich spaziere durch die Strassen des Stadtteils, der nicht im besten Rufe steht. Er ist bewohnt von randständigen Leuten, Ausländer, Strichern und Huren. Unbewusst hoffe ich irgendwie eine neue Beziehung anknüpfen zu können. Meine neue Wohnung habe ich bewusst  in diesem Quartier gemietet. Ali und überhaupt die leichtere und emotionalere Art wie man im Sudan mit dem Leben umging, hatte mir die Augen für die andere Seite meiner Persönlichkeit geöffnet, die immer ein bisschen im Schatten meiner Erfolgsseite blieb. Jetzt bin ich zurück im wirtschaftlich-zentrierten Milieu meiner Kultur, dort wo sich meine erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn meines Lebens abspielte. Aber quasi auf der Schattenseite dieser Sonnenstadt. Ich fühle mich nicht mehr wohl und spüre die emotionalen Kälte der nach Materiellem strebenden Genossen. Es ist Winter, überall Schneehaufen und Regen, ich friere und fühle mich elend. Nichts zieht mich an, besonders diese Sexindustrie, die der Nährboden bildete zum Wohlstand meines Vaters und von der ich jetzt als sein Erbe auch profitiere, diese sich offerierenden Körper der Huren, die nur ans Geld denken, der Freier, die nur an den schnellen nicht bindenden Sex denken. Oberflächlich lachen sie und benehmen sich gefühllos. Als ich es mit einem solchen Freudenjungen versuchte, gab es nur den Sexualakt  in der öffentlichen Toilette, schnell und gefühllos, dann Zahlen und Feilschen dazwischen. Und keine Freude dabei, eher ein schales Gefühl hinterher. Als ich versuchte, persönlichere Aspekte hineinzubringen, hat mich der Junge, der mich emotional stark anzog, abgeblockt. Es handle sich hier um einen reinen Geschäftsakt, erklärte er mir, und er wolle privates mit geschäftlichem nicht vermischen. So stelle ich es mir nicht vor, das ausgefüllte Leben. Ich suche nach einem neuen Sinn im Leben. Vielleicht nach einem Jungen den ich liebe und dem ich wieder auf die Beine helfen kann in diesem Leben, nicht nach einem Sexerlebnis. Ich komme an einem Zeitungskasten eines Boulevardblattes vorbei. "Patty sackschwach". Wie hiess es gleich noch gestern "Patty bringt uns eine Goldmedaille." Patty ist irgend so eine Sportgrösse des Landes.  Es geht hier nur um Stärke und Schwäche, eigentlich nicht anders als im Bürgerkrieg im Sudan. Nur ein bisschen anders. Und dann die vielen kleinen Gadgets in den Schaufenstern, die man sich kaufen kann um diese Gefühle der Ohnmacht, des Überlebenskampfes zu verdrängen. Ich bin wieder am äusserten Limit meiner Persönlichkeit. Brauche wieder Erholung, Ich steuere heimzu, zu meiner Wohnung, wo ich die Möglichkeit habe, in meinem heimeligen Wohnzimmer die Kantaten von Bach zu hören.  Wie könnte ich es sonst  überleben, diese Leere, unweigerlich würde ich daran denken, dem ein Ende zu setzen.

Während ich so nachdenke komme ich an einem Jungen vorbei, der auf Zehenspitzen kauert und bettelt. Ich erschrecke. Nicht alle können sich auch in diesem reichen Land diese Verdrängungsgadgets leisten. Noch so jung und bereits so resigniert. Im Sudan konnten sich die wenigsten solche teuren Gadgets leisten, aber die Leute, glaube ich, brauchten sie nicht, weil alles menschlicher, natürlicher war. Vielleicht auch nur, weil die menschlichen Regungen unverhüllter zu Tage traten? Es hat keinen Sinn weiter darüber zu sinnieren. Ich krame eine Note hervor und werfe sie dem kauernden jungen Bettler  hin. Doch kaum bin ich vorbeigelaufen, bekomme ich Gewissensbissen mich nicht eindringlicher darum zu kümmern. Ich halte, drehe ich mich um, werfe einen Blick zurück. Das Geld ist neben dem Hut auf den Boden gefallen, der Junge hat es nicht beachtet, er zittert und scheint nicht zu spüren was um ihm herum vorgeht. Die Leuten hasten vorbei und haben keine Zeit. Ich gehe zurück, kauere vor dem Jungen, um zu sehen, was los ist. Er ist blond, ganz ausgemergelt, seine schönen grünen Augen schauen an mir vorbei, scheinen mich nicht zu beachten. Schweiss perlt auf der Stirn, der Körper zittert. Er ist sicher krank, hat hoch Fieber. Ich lege die Hände auf seine Schultern, schüttle ihn, doch er reagiert fast nicht. Er kauert, in zum Teil zerrissenen Jeans, einem verknitterten und dreckigem Lumber, leichten durchlöcherten Turnschuhen mitten im Winter, auf den Zehenspitzen, wahrscheinlich wegen dem kalten Boden. Es ist unter Null, hat Schnee auf den Strassen. „Er kann nicht weiter draussen bleiben, sonst bekommt er eine Lungenentzündung, die er vielleicht schon hat“ denke ich, fahre ihm über die kurzen blonden Haare. Der Junge weicht zurück. "Du bist krank, Du musst sofort heim und Dich pflegen." Doch der Junge schaut mich bloss an aus weitgeöffneten grünen Augen. "Wo wohnst Du." Keine Antwort. Ich bin nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Ich muss ihn heimnehmen um ihn zu pflegen. fährt es mir durch den Kopf. Doch wie werden die Nachbarn reagieren. Zürich ist nicht Karthoum. Doch der Junge  schaut mich jetzt herausfordernd an, mit seinen grossen grünblauen Augen die wieder zu Leben gekommen sind, wie wenn er mich als Freier aufgabeln möchte. "Genau was Du willst, habe ich für Dich. Ich gehe, wohin Du willst. Oder kann ich übernachten bei Dir. Ich mache alles und billig? Blasen, Arschficken, nur Küssen nicht." sagt er aber letzteres eher zaghaft. Wahrscheinlich doch, wenn er unbedingt muss. Ich reagiere nicht. "Ich kann auch gut herhalten beim Bonding und gepeitscht werden." Sagt er nun.  Ich fahre zurück. Für was hält mich der Junge. Da hat man’s, wenn man hier menschliche Regungen zeigt. Der Junge schaut mich noch anmachender an, ziert sich wie eine Hure. "Gib’s doch zu. Du willst nur Deinen Frust abreagieren ohne Dich zu binden  und noch halb gratis. Deine Alte wird das Portemonnaie fest geschlossen halten." Wieder bleiben mir die Worte stecken.  "Du hast doch keinen Mumm, zuzugeben, dass Du eigentlich nur SM willst!" höhnt er, "Aber bei mir kriegst du alles, was Dein Herz begehrst." Ich schnelle zurück. Offensichtlich hat er gemerkt, dass dies ein ungelöstes Thema ist bei mir. Wie der Zahnarzt bohrt er weiter. "Wenn es wehtut, gib mir was und ich mache mit. Nur weg von hier will ich." "So nicht," sage ich mir. "Die Resignation des Jungen ist nur ein Schauspiel ist um mich anzuziehen." Doch ich  verspüre keine Lust mit einem ausgemergelten, dreckigen Jungen zu bumsen. Obwohl, wenn ich so denke, dieser attraktive Blonde Kerl zieht mich an. Doch so abgrundtief unmoralisch ist er! So war das nicht mit Ali und überhaupt im Sudan. Ich stehe auf. Und plötzlich verliert der Junge seine Arroganz, er ist wieder zusammengeklappt, er flüstert kaum hörbar: "Hörst Du. Ich mache alles für Dich. Ich brauche Geld für Stoff und muss anschaffen. Bitte lass mich nicht im Stich." Bereits sind die Passanten auf uns aufmerksam geworden, schauen neugierig zurück. Ich muss handeln. Der Ladenbesitzer vom Sexladen hinten kommt heraus. "Wird‘s bald, was glaubt ihr eigentlich Euch noch leisten zu können. Ihr vertreibt meine Kundschaft. Ihr Schwulensäue. Soll ich die Polizei rufen." Ich habe aber Erbarmen mit dem Jungen. Ich bringe es nicht übers Herz einfach zu verduften. Und der Junge  scheint ernsthaft krank sein. "Willst Du ins Spital?" "Nein. Ich habe kein Geld und Papiere. Bitte nimm mich und benütz mich wie Du willst. Lass mich irgendwo in der Wärme schlafen. Sonst werde ich bestraft heute Abend." Ich rufe aus: "Wenn‘s so weiter geht, wirst Du heute Abend tot sein. Ich bringe Dich zu mich heim." Der Ladenbesitzer wird nun endgültig eklig und nimmt sein Handy hervor. Ich fühle mich nicht wohl und unter Druck. Was soll ich tun? Mein "Freund" Joachim Rindernatz der sich mir aufdrängte als ich mal in die Beiz ging, um die Gedanken zu ändern, würde einfach woanders hin schauen um nicht hineingezogen zu werden in etwas Unangenehmes. "Denk mal." flüsterte er mir letzthin auf einer gemeinsamen Beizentour zu in seiner hohen Fistelstimme. Ich wich zurück denn es roch nach billigem Wein, Zwiebeln und Brissago. "Diese Scherereien wenn sie doch nicht 18 sind wie sie es Dir sagen. Und wenn schon, wenn sie Dir eins übers Ohr hauen und die Wohnung ausrauben..Und das Theater mit der Alten daheim wenn sie draufkommt." Er seufzte, als könne er Bände erzählen darüber. "Claro," sagte er. "Dies Problem hast Du nicht. Die Deine ist zu den Maoris getürmt. Wenns meine nur tun würde anstatt immer damit zu drohen. Ich würde gerne was zahlen für ihren geschrumpften Kopf." Er seufzte wieder und schaute zur Decke als würde er zu Gott beten dass ihr diese Eingebung kommt. Dann räusperte er sich und flüsterte fast unhörbar. Ich musste die Ohren wirklich spitzen und den Atem anhalten um etwas zu verstehen ohne zu ersticken. "Komm doch mit mir. Bei der Klappe am Häberliplatz hats haufenweise. Machen es sogar ohne Gummi. Billig. Du brauchst nichts befürchten. Kompromettierst Dich nicht. Musst nur weglaufen und von nichts wissen wenn die Schmier kommt." Doch Joachim ging allein zur Klappe am Häberliplatz, fluchend und kannte mich nicht mehr nachher. Das ist einfach nicht meine Art. Ich bin blödsinnig aufrichtig, schon mein Vater ist an mir verzweifelt. Weglaufen und von nichts wissen! Denn es könnte  eine Finte sein, damit eine kriminelle Organisation bei mir einbrechen kann. Doch ich denke keinen Moment an so etwas. Ich denke wirklich nur an den kranken Jungen der dringend Hilfe braucht. Habe auch keine Angst vor Überfällen und Ganoven, denn in der Bürgerkriegsregion Sudan musste man immer damit rechnen. Der lange starke Abdullah hat mich instruiert damit ich mir selber helfen kann. Ich fahre mit dem Arm unter die Oberschenkel des Jungen und hebe ihn  auf die Arme. Es ist ein Fliegengewicht, offensichtlich ist der Junge nicht überernährt. Und unter den bösen Blicken des Ladenbesitzers und einiger Gaffer verschwinde ich. Über Umwegen um es den allzu  Neugierigen nicht allzu leicht zu machen, dass sie erfahren wo ich wohne. Das Fieber  schüttelt den Jungen am ganzen Körper, aber sonst ist er ganz ruhig und legt seinen Kopf an meine Brust. Junge Junge. In was für ein Abenteuer habe ich mich wieder gebracht! Doch die Nervenkitzel halten mich jung und frisch. Irgendwie ist mir nicht ganz wohl dabei. Und was soll ich machen, da der Junge offensichtlich drogensüchtig ist? Natürlich habe ich im Sudan mit Drogen viel zu tun gehabt. Jedermann in dieser Kriegsregion schien darauf angewiesen. Doch ich konnte mich heraushalten. Wenigstens bin ich nicht süchtig geworden und weiss nicht wie man es hier beschaffen kann. Wenn ich  logisch überlege, verstehe ich nicht, warum ich mich in dieses Abenteuer hereinziehen liess. Doch auch mein Sudan-Abenteuer mit Ali fing so an, und das hat mich unendlich viel gebracht. Ich habe die Tendenz zuerst zu handeln und dann erst zu überlegen. Wenn ich im Nachhinein Bilanz ziehe, muss ich sagen dass dies mir mehr schöne Abenteuer gebracht hat als Scherereien, Und die Scherereien habe ich im Nachhinein alle vergessen. Doch das ist mein Leben, seitdem ich ausgerissen bin mit 12 und im Regents Park David kennengelernt habe.

Daheim

Ich lege den fast bewusstlosen Jungen auf mein Bett, denn das Bett vom Gästezimmer ist nicht angezogen und das Gästezimmer ist nicht geheizt. Gehe in die Küche und bereite einen heissen Instanttee zu und bringt ihn mit einem fieberhemmenden Medikament und einem Fiebermesser. Der Junge schläft, angezogen, zusammengekauert und mit angewinkelten Beinen auf dem Bett. Ich fahre ihm mit der Hand über die Haare und lege die Hand auf seine Stirn:  er hat sicher hoch Fieber, da muss ich nicht lange messen. Der Junge erschrickt, sofort sitzt er auf, geht vom Bett hinab, kniet und will mir eins saugen. Ich weiche zurück. Das will ich jetzt nicht, das geht mir zu schnell. Ich kauere hinab, nehme dem Jungen den Kopf in die Arme, schaue ihm in die grünen Augen. "Nicht so hastig, ich brauche Zeit und muss mich an Dich gewöhnen. Ich heisse Ramon, wie heisst Du?" "Koja." "Schöner Name, ist  das  russisch? Aber Du redest ja gut Deutsch." Wie treuherzig die schönen grünen Augen mich anblicken. Ich fühle mich angezogen von diesem schönen Jungen. "Schön bist Du und ich liebte Dich schon beim ersten Anblick. Darf ich dich küssen?" sage ich, und wie der andere nichts entgegnet, drücke ich meine Lippen auf die seinen. Doch ich fahre zurück. der Geruch, der in einm Schwall aus seinem Mund kommt ist so furchtbar. Koja putzt sich offenbar nie die Zähne. Was für Abfälle hat er in letzter Zeit gegessen.  Er erschrickt. will mit seinen Händen meinen Hosenladen öffnen. "Nein. Nein." wehre ich ab, "ich erwarte jetzt wirklich nichts von Dir. Bitte sitz aufs Bett und  trink diesen Tee und nimm dieses Medikament, und nimm den Fiebermesser unter die Achselhöhlen. Du hast, glaub ich, sehr hoch Fieber, Koja, und ich möchte zuerst, dass Du gesund wirst. Bis Du ganz gesund bist, bleibst Du bei mir und nachher werden wir weiter sehen. Ich gehe nochmals in die Küche und bereite nochmals Tee zu und einen Wickel. Bitte ziehe Dich ab und decke Dich zu, sonst wirst Du noch mehr krank." Ich gehe nochmals in die Küche, lege Wasser ob. Kurze Zeit später komme ich zurück, das Thermometer liegt auf dem Nachttisch, Koja hat sich nur gerade die Jacke abgezogen und liegt wieder auf der Seite, gekrümmt wie ein Gipfel, die Beine angezogen wie wenn er furchtbare Schmerzen hätte, auf der Bettdecke. Vor Erschöpfung ist er eingeschlafen. Ich schiebe ihm sorgfältig das Thermometer unter die Achselhöhlen  und geht zurück in die Küche, weil der Wasserkessel pfeift. Bald darauf komme ich mit einem Thermoskrug und den Wickeln zurück, ziehe das Thermometer hinaus und schaut darauf: 41°. Der Junge muss unbedingt unter die Decke. Sorgfältig lege ich ihn auf den Rücken. Ziehe ihm die Hosen ab und die ganz verschissenen Unterhosen. Dann die Socken, die einmal weiss waren. Plötzlich stellt der Junge seinen Oberkörper auf, er zittert, schaut mich ganz entgeistert an und schiebt mich mit den Armen weg. Habe ich ihn beleidigt? Ich schäme mich. "Bitte entschuldige, ich will Dir nichts machen. Nur abziehen möchte ich Dich, damit Du ein Pyjama von mir anziehen kannst und unter der Decke entspannt schlafen kannst." Doch wieder verkrampft sich sein Körper, er verzieht den Mund vor Schmerz und zieht die Beine an. "Was hast Du?" "Es tut so weh im Bauch." Ich schaue mir den abgemergelten Körper Koja‘s an. "Es gefällt mir nicht, ich muss einen Arzt kommen lassen oder Dich ins Spital bringen." "Nein, bitte nicht. Wenn die Polizei von mir hört, wird sie mich zurück nach Riga schicken." ruft Koja aus, ganz geängstigt. "Es geht vorbei, das weiss ich, das hatte ich schon öfters." Ich packe seinen rechten Arm, schaue ihn an. Alles Einstiche. Jetzt weiss ich was Koja hat. "Kiffst Du? Heroin?" "Alles, wenn es mir nur besser geht." Meistens schnüffle ich Leim, denn für das andere langt es nicht. Doch das genügt mir nicht.  Und der Junge hatte es bis jetzt offenbar nicht gut, der ganze Körper ist übersät mit Narben von Schlägen. Ich schaudere, wenn ich mir überlege, was er bis jetzt alles erlebt hat. "Bist Du denn von Lettland klandestin eingereist. "Ja, mit dem Schiff nach Lübeck und dann zu Fuss und mit der Bahn als Schwarzpassagier im Güterzug durch Deutschland. Dresden. Dann München weil mir jemand erzählte wie gut dort die Leute leben. Und dort hat mich die Polizei aufgegabelt und im Gefängnis hat mich einer von  einer Bande angeheuert um in der Schweiz, wo es ja nur von Reichen wimmelt, zu stehlen. Es war nervenzerreibend." Unbewusst werde ich defensiv. Was spielt er. Will er mich hochnehmen. So eine Bilderbuchgeschichte. Quasi wie wenn er mir aus dem Bilderbuch der SVP vorlesen würde: "Tante Emma und ihr Einsatz für die Ausländer. Kinder nehmt Euch in acht vor diesen sentimentalen Tanten die Eure Heimat verkaufen wollen!" Denkt er, ich sei so ein frommer Onkel von der Polente. Und er könne mir so ein herzerweichendes Geschichtchen auftischen damit ich mich selbst in Gefahr begebe um ihn zu retten? Er ist doch einfach von zu Hause weggerannt weil ihn sein Vater nicht verstand und sitzt jetzt in der Tinte. Doch bei mir muss er nicht herzerweichend wirken. Ich bin viel zu dumm dazu. Ich bin schon so hoffnungslos in ihn verliebt, dass ich ihm in jedem Fall helfen werde, auch wenn es mir teuer zu stehen kommt. Und sogar wenn er mich dabei übers Ohr haut. Ich denke nach: was soll ich tun um ihn dazu zu bringen, dass er mir vertraut? Koja nimmt mein Schweigen falsch auf. "Aber wenn Du Angst hast, ich könnte Dir Ungemach bereiten, gehe ich." sagt er und  nimmt die Hosen, um sie wieder anzuziehen. Ich rapple mich auf, um zu handeln obwohl ich nicht weiss wie. Flügellahm sage ich: "Sicher nicht. Wenn Du mit Deinem Fieber weiterhin herumlungerst...! Wenn ich es nicht gewollt hätte, hätte ich Dich überhaupt nicht heimgenommen. Ich habe noch Valium. Vielleicht hilft es Dir. Doch wenn das Fieber nicht nachlässt, muss ich doch einen Arzt kommen lassen. Es ist besser als es anstehen zu lassen. Jetzt, bitte, zieh Dich ganz aus. Ich gehe hinaus, wenn Du es nicht vor mir machen willst. Obwohl, ich dies kaum glaube, nach all dem, was Du gesagt hast." Doch dann aus falschem Geltungsdünkel, kann ich es nicht lassen, ihm zu zeigen, dass ich ihm nicht glaube, unnötig, da er es sicher schon gemerkt hat. "Doch höre auf mit Deinen unglaubhaften Geschichten." Er schaut mich an. "Du glaubst mir nicht. Ja, Du lächelst sogar. So ein Heuchler, sagst Du Dir. Ich gehe." Er steht auf, doch nach kaum drei Schritten fällt er um. Weint dass die Tränen nur so laufen. Vielleicht war doch ein Kern Wahrheit an dem das er gesagt hat. Doch jetzt habe ich keine Zeit darüber nachzudenken. Ich hebe ihn auf, lege ihn aufs Bett, gehe zum Kasten, nehme eines meiner sauberen Pyjamas heraus. "Das kannst Du ja mal vorläufig anziehen." Jetzt gehe ich hinaus, Wasser auf die Herdplatte zu stellen. Ich höre etwas rascheln, dann wird es wieder ganz ruhig. Nach etwa einer halben Stunde werde ich ungeduldig. Ich gehe nachschauen. Der Junge ist so müde. Er hat sich nur die Hosen abgezogen und schläft wieder, sitzend, den Oberkörper auf die Seite hinabneigend. Jetzt muss ich ihn wohl abziehen, denn so kann es nicht weitergehen. Ich sitze neben den Jungen,  umfasse seine Schultern mit den Armen. Der Junge schmiegt sich jetzt an mich. Mit einer Hand ziehe ich seine Unterhosen ab. Ich schaue genauer hin, zwischen seine Beine, denn etwas ist mir aufgefallen. Heuchler. Das war es von anbeginn, was ich schauen wollte. Sein Glied ist steif und fest erregt und auch riesig. Alles an diesem Jungen gefällt mir. Und obwohl ich mich fest zusammennehme,  bin ich erotisch ganz erregt. Dieser zierliche, schöne Junge zieht mich an.  Ich nehme mich zusammen. Ich will doch kein Profiteur sein. Der Junge schmiegt sich immer enger an mich und plötzlich ist er wach und sieht mich mit seinen grossen grünblauen Augen herausfordernd an. Ich kann nicht mehr widerstehen. Ich bin sowieso schon zu weit gegangen, das Schicksal wollte es. Ich sitze aufs Bett und umarme den Jungen, gebe ihm wieder einen Kuss. Diesmal stört mich der Mundgeruch weniger. Was hat’s für einen Sinn, viel zu reden. Für den Moment bin ich überglücklich. "Siehst Du, Du magst mich doch" ruft Koja und ich bricht in ein nervöses Lachen aus. Auch ich muss lachen und die gespannte Atmosphäre ist gelöst. Ich helfe ihm den Pullover abziehen, streiche ihm über seinen Rücken..  Auch mein Schwanz ist ganz steif und erregt. Ich kann mich nicht mehr beherrschen, gehe auf die Knie und sauge an Koja’s Schwanz bis ich seinen Samen  verschlucken kann. Jetzt liegen wir nebeneinander und streicheln und umarmen uns. Koja’s feine Finger streicheln über meine Hosen. Ich sage: "Du gefällst mir wirklich Koja. Was meintest Du, als Du sagtest, du würdest alles Dreckige tun? Und wieso hast Du solche hässliche Narben? Ich möchte nicht, dass Du weh hast, denn es muss schön sein, wenn man lieb zueinander ist. Anders könnte ich es mir gar nicht vorstellen mit Dir." Doch Koja sagt: "Jetzt hast Du Deinen Sex gehabt. Und jetzt tust Du als ob Du es bereutest. Ich bin doch nur ein Werkzeug für die Befriedigung Deiner sexuellen Not . Wieviel zahlst Du mir?" Ich fühle mich plötzlich elend, ich habe mich wie ein hundsgeöhnlicher Freier benommen und wollte es nicht ursprünglich. Ich konnte mich nicht beherrschen. Ich stehe auf, nehmte das Portemonnaie und gebe ihm Dreihundert Franken. "Ich habe es falsch gemacht. Jetzt willst Du mich nicht mehr als Freund.“

Koja denkt sich: So wollte ich es doch nicht. Ich hatte nur den Kopf verloren. Ich bekam plötzlich Angst, dass der andere jetzt genug hat von mir und mich ohne Entgelt hinauswirft. Denn so einem komischen und irresoluten Freier bin ich noch nie begegnet. Jetzt weiss ich nicht mehr wie mich benehmen, denn Ramon‘s Freundschaft ist mir wertvoll. Was soll ich sonst tun, wo soll ich übernachten. Ohne es zu wollen, weine ich lautlos. Jetzt spüre ich den Schmerz wieder besser. Ich stehe auf, will meine Kleider anziehen und weggehen. Doch Ramon steht auf und legt mir die Arme um die Schultern, trocknet mir die Tränen. "Weine nicht. Koja. Ich habe mich so schlecht benommen.  Es tut mir so leid. Aber so wie es jetzt ist, möchte ich gerne mit Dir zusammensein. Wenn Du dann gehen willst, gebe ich Dir genug Geld mit für die Geizigen Zuhälter Deiner Organisation. Aber jetzt  kannst Du nicht gehen, ich lasse Dich nicht weg mit diesem Fieber. Nimm noch ein heisses Bad und Du bist entspannter, wirst gut schlafen und Dein Fieber wird hoffentlich weggehen. Du hast offenbar schon lange kein Zuhause gehabt.. Komm mit mir." Ich verstehe nicht recht. So Jemanden habe ich noch nie erlebt. Was will dieser Lüstling eigentlich von mir. Doch nach einiger Überlegung beschliesse ich zu bleiben, immerhin habe ich hier ein warmes Bett, Essen und Unterkunft und jetzt fühle ich mich so elend und müde. Doch das Geld behalte ich. Man weiss nie, wie die ihre Meinungen ändern! Ich stecke die Noten in die Tasche meiner Jeans und die Kleider alle unter das Kopfkissen. Ramon sieht belustigt zu. "Ein heisses Bad wird Dir wohltun, trotz des Fiebers" sagt er. Er nimmt mich an der Hand und führt mich ins Badezimmer. Die Badewanne hat er, mit sehr heissem Wasser gefüllt vorhin. Er hilft mir hineinzusteigen. Es ist so heiss dass ich nur ganz langsam einsteigen kann, duscht mich ab und seift meinen ganzen Körper ein. Ich werde wieder ganz erregt, obwohl ich so müde bin, dass ich fast keine Reaktion zeige. Ramon steht vor mich, schaut mich von unten bis oben an. Beginnt wieder mit seiner Litanei dass ich schön sei.  Ich verstehe diesen komischen Kauz nicht richtig. Offensichtlich liebt er es, sich reden zu hören. Ich habe das noch nie erlebt. Alle Erwachsenen, die ich bis jetzt kannte, kamen sofort zur Sache und verliessen mich nachher, wenn sie von mir nichts mehr erwarteten. Doch irgendwie liebe ich diesen hier, oder beginne langsam ihn zu lieben. Ich möchte ihn nicht verlieren. Ich suche mit meinen Lippen Ramons Lippen, um ihm einen Kuss zu geben, um ihm zu zeigen dass ich ihn mag.  da er es nicht liebt, geblasen zu werden. Ramon küsst mich und streichelt mir die Handinnenflächen, macht aber sofort eine Grimasse, rennt zu einem Kasten, wühlt darin herum, kommt mit einer Zahnbürste zurück. "Putz Dir bitte die Zähne, denn Du stinkst aus dem Mund," ich bin enttäuscht. Wieso ist Mundgeruch wichtig, wenn man sich liebt!, meine ich,   Schon lange hatte ich es nicht mehr so schön gehabt. Im warmen Wasser zu planschen! Und so sauber zu riechen. Da folge ich ihm auch mit seinen Tücken von wegen Zähne putzen. Obwohl ich nicht weiss wie ich es tun soll. Er lacht sich den Ranzen voll bis ich die Zahnbürste empört wegwerfe. Endlich nimmt er die Bürste auf und zeigt mir wie es geht, Na ja, ich war immer auf der Strasse, habe es nie gelernt. Sollte er auch verstehen, dieser Rüppel. Doch plötzlich besinnt er sich. Steig hinaus, sagt er. "Du bist schon viel zu lange drin. Wirst Dich noch mehr erkälten. Reibt mich mit einem Badetuch bis meine Haut ganz heiss ist. Und sonst noch vieles in Bewegung kommt! Dann begleitet er mich zum Schlafzimmer. "Zieh das  Pyjama an und schlüpfe unter die Decke." Doch ich stelle mich ganz unbeholfen dass er es mir noch überziehen muss. Während ich sitze, über die Beine, und dann den Oberteil über die Brust. Dann umarmt er mich und streichelt meine Brust und Du weisst ja was. Es ist himmlisch und ich vergesse mein Fieber. Nachdem ich mich ins Bett gelegt habe, deckt er mich gut zu. Erschöpft bin ich auf die Seite gefallen, die Augen fallen mir zu. Merke aber wie er hinausgeht. Die Türe auflässt.

Schnell hole ich, Ramon, den Tee in der Küche und Essigwickel, die ich ihm auf die Stirn und um die Füsse wickle. Koja hat so heiss, hat Kopfweh. Koja zeigt mit dem Finger auf ein Photo an der Wand." "Wer ist das, Dein Schatz?" Er ist enttäuscht. Doch ich antworte. "Siehst Du das  war mein Freund Ali im Sudan. Er ist auf eine Mine getreten und ist schmerzhaft gestorben. Ich habe ihn so geliebt. ich kann immer noch an niemand anders denken. Doch ich spüre schon, wir werden miteinander gut auskommen." Doch beim letzten Satz hat Koja schon nicht mehr hingehört. Er ist endlich eingeschlafen.

Er ist ganz schlimm krank. Er schläft gottseidank, aber so unruhig, dass ich bei ihm wache. Er redet, schreit im Schlaf, "Nein bitte nicht schlagen. Ich will auch alles tun was Du willst." Dann Ruhe, einen Seufzer. "Bitte nicht so hart Papa, ich werde auseinandergerissen" Dann "Bitte, bitte lass mich heraus, ich liege wieder unter Dir" Dann wird er endlich ruhig. Endlich ist es besser. Ich gehe für einige Stunden ins Gästezimmer, dessen Bett ich schnell anziehe. Schlafe schnell ein, höre das pfeifende Schnarchen des Jungen. Am nächsten Morgen wache ich auf, alles verdächtig ruhig, es ist 3 Uhr morgens. Ich gehe sofort nachsehen. Koja ist nicht mehr da. Am Boden liegt das Pyjama. Die alten Kleider sind nicht mehr unter dem Kopfkissen. Schnell gehe ich in den Flur, die Türe ist nur angelehnt. Ich gehe die Treppe hinab. Auf der Strasse, gerade vor der Haustüre, liegt der Junge, offensichtlich ist er vor Erschöpfung zusammengebrochen. Es muss nicht lange her sein, dass er da liegt. Wie ich ihn aufhebe, kommt er wieder zu sich, versucht sich wegzuwenden. Doch ich halte fest.  Trage ihn hinauf, lege ihn wieder aufs Bett.  Schaue ihn an, wieso ist er weggelaufen, was hat er für Ängste? Aber ich will ihn nicht ausfragen. "Bitte lauf nicht mehr weg. Gefällt es Dir hier nicht oder hast Du Angst vor mir?" „Er wollte vielleicht auch mit dem Geld weg, bevor ich meine Meinung ändere“ denke ich mir, bereue meinen Gedanken aber sofort. Nein, das meinte ich nicht ernst. "Ich wollte Dir nicht weiter zur Last fallen. Du liebst ja diesen Jungen Ali und hast nichts für mich übrig." Und Koja hat Tränen in den Augen. "Ich muss mich entschuldigen" stammle ich. "Ich habe mich Dir gegenüber wirklich unfair benommen. Und doch möchte ich zwischen uns eine richtige Freundschaft entwickeln. Ich bin einfach in Liebe entbrannt zu Dir und ich hoffe, einmal wirst Du Dich an mich gewöhnt haben. Machen wir etwas ab.  Jetzt bist Du zu krank um in den Strassen zu lungern. Bleibe bei mir, bis Du nicht mehr krank bist. Nachher kannst Du wieder tun wie Du willst. Das Geld lasse ich bei Dir, Du kannst dann ohne Skrupel mir einfach Adieu sagen, wenn es Dir nicht mehr passt." Und legt noch eine Tausender Note zyu den Dreihunder Franken von Gestern. Junge, hat der Geld! denkt Koja, doch ihm ist nicht geheuer. Auch für ihn, der sonst wenig Skrupel hat, geht das zu weit. Er ist beleidigt in seiner Ehre, und glaubt bald nicht mehr daran dass Ramon noch bei Trost ist. Er fühlt sich nicht wohl, denn dieser Tolpatsch wird es sicher bereuen. Er stammelt hastig: "Bitte, bitte, ich muss anschaffen gehen, wenn ich noch viel länger wegbleibe, werden sie mich schlagen,." "So schlimm werden die nicht sein, so wie Du jetzt dreinschaust, kannst Du nicht anschaffen. Und da wollen sie Dich, wie mir scheint, überhaupt nicht haben. Du bleibst wirklich besser bei mir, denn ich will Dich behalten.“ Jetzt kommt der Junge in Panik. Er fühlt sich in einer Falle und war noch nie so gefangen. "Nein bitte nicht, sonst holen sie mich noch ab und ich muss mit Dir in die Klapsmühle." Mir geht der Geduldsfaden fast aus. Ich lache nervös. Erkläre: "Später können wir reden und abklären, was Du machen willst. Drink jetzt bitte wieder den Tee, den ich Dir bereitet habe." Und ich messe ihm das Fieber. Immer noch über 40°. Nach all diesem unruhigen Gehabe. Wieder Essigwickel um das Fieber  hinabzuzwingen! Und: "Ich möchte einen Arzt kommen lassen" Der Junge nickt ab mit dem Kopf, resolut, nein. Ich lenke ein: "Gut, warten wir noch, doch Du darfst nicht mehr aufstehen, sonst muss ich Dich einschliessen. Dazu kommt, dass Koja wieder zittert am ganzen Körper. „Da, nimm noch ein Treupel.“ Schon ist Koja wieder aufgestanden, er hat Kopfweh, Schmerzen am ganzen Körper. Doch so will er nicht behandelt werden. Will nicht gefangen sein und Medikamente die er nicht kennt schlucken. Ich halte ihn zurück. "Ich habe es nicht böse gemeint, ich weiss nicht genau was ich machen soll mit Dir. Ich weiss nicht, wie ich Dich behandeln soll, Koja. Du willst nicht auf meine Argumente hören, bist immer noch nicht ganz überzeugt dass dies der rechte Weg ist und vor allem, Koja, Du bist so schnell beleidigt. Ich habe gehört, oder ehrlicher gesagt, ich selbst habe es erlebt, dass man so nervös ist, wenn man gerade aus einem Rausch durch Einnahme von Drogen erwacht ist.  Aber ich habe natürlich nichts mehr hier, kann es mir nicht leisten, um nicht wieder süchtig zu werden. Doch warte, ich geh schauen ob ich Heroin  kaufen kann. Du nimmst ja alles, sagtest Du mir. "Aber,"„sage ich, „ Du musst mir schwören, dass Du nicht wieder ausreisst. Glaube mir, ich will Dir helfen, und ich werde Dich niemandem verraten." Ich ziehe meine Jacke an. Nach gründlicher Überlegung schliesse ich noch die Haustüre, denn diesem Jungen vertraue ich nicht. Er ist zu misstrauisch und offensichtlich durch Erfahrung.   Diesen Jungen möchte ich nicht wieder so suchen müssen, wie ich Nicos suchen musste.  Doch ich irre durch die Strassen, suche, aber traue einfach keinem dieser Händler. Sicher verkaufen die wieder schlechte Ware. Und wie ist es mit der Krankheit des Jungen, kann er gesund werden, wenn er gleichzeitig dieses Gift nimmt. Ich will richtig handeln, weiss nicht mehr was das richtige ist und will etwas tun, was dem Jungen wirklich hilft. Ich kenne einen Arzt, Alain, mein guter Freund von Bari. Der ist seit kurzem in der Schweiz und arbeitet als Hilfspfleger im Spital, weil er Matur und Arztdiplom nachholen will. Der kennt diese Probleme. Und er wird Koja nicht der Fremdenpolizei angeben. Der Freund hat auch viel zu tun, doch er liebt mich. Nachdem ich Alain den Sachverhalt erklärt habe, kommt er mit mir heim. Die Wohnung ist wieder ganz ruhig. Und es gibt schon wieder eine Überraschung. Wie ich die Türe öffne ist alles so ruhig. „Ah“, er schläft,„ denke ich mir.“ Doch ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich gehe ins Schlafzimmer. Niemand ist dort. Vielleicht hatte er Hunger oder wollte sich Tee machen und ging in die Küche. Niemand in der Küche. Doch die Pfanne mit kaltem Wasser steht auf dem Herd. Zur Sicherheit blicke ich in den Wohnraum. Nichts. Doch dort liegt auf dem Tisch ein amtlicher Brief der Fremdenpolizei. Es war eine Antwort auf eine Anfrage über den Verbleib des Bruders von Ali, der einmal in der Schweiz war, und jetzt irgendwo in einem anderen Land weilt. Sie hatten ihn jedoch nicht finden können. Ich verstehe nichts. Und plötzlich dämmert es mir. Ich schaue überall nach. Wenn der Junge sich nur nichts angetan hat. Er ist ja so misstrauisch. Sicher hat er den Brief missverstanden. Wie hatte er gesagt: "Sonst schicken sie mich zurück." Er hat keine Ahnung über das Schweizer Rechtssystem und hat vielleicht angenommen, dass ich ihn der Polizei angegeben habe. Offensichtlich meint er, dass er sofort ausgeschafft werden könnte. Jetzt ist er in Panik. Wenn sich Koja nur nichts angetan hat. Ich renne zum Badezimmer. Will die Tür aufmachen. Doch die ist fest geschlossen. Zu zweit drücken wir darauf bis sie aufbricht. Drin hat es überall Blutspuren. Der Junge liegt im Blut am Boden: er hat ein Zahnglas gebrochen und sich mit den Splittern die Venen aufgeschnitten. Sofort nimmt Alain ein Nastuch und bindet es oben am Arm fest zu, um den Blutstrom zu stoppen. Gottseidank, wir sind noch gerade rechtzeitig gekommen, es scheint, dass er noch nicht viel geblutet hat.  Trotzdem möchte ihn Alain  sofort ins Spital bringen, besonders wie er sieht, dass der Junge sonst noch sehr schlecht dran ist. Doch ich bitte ihn, das nicht zu machen. "Ich kann den Jungen nicht noch mehr enttäuschen, er ist so misstrauisch und glaubt mir nicht." Alain tut es, obgleich es für seine Karriere gefährlich ist. Denn er darf ja nicht ärztlich tätig sein. In der ganzen EG schon, aber nicht im Paradies Schweiz. Er tut es nur mir zuliebe. Flucht, dass ich ihn nicht allein lassen kann.  Fühlt den Puls. Das Herz schlägt noch schwach. "Gut, weil  Du es bist. Ich glaube ich kann es riskieren, weil er noch nicht viel Blut verloren hat. Ich gebe ihm eine Spritze damit sein Körper selbst Blut bildet. Doch Du sollst auf ihn aufpassen, während ich die Blutkonserven und das Equipment bei mir hole. Etwas was ich mir bereits in Italien gekauft hatte. Kontrolliere seinen Blutdruck, wenn er abfällt, musst Du ihn selbst sofort ins Spital bringen und mich mit dem Handy benachrichtigen." Ich erlebe eine schwierige Zeit, wache am Bett beim bewusstlosen Jungen. Doch es geht gottseidank besser. Endlich wacht er auf. Er schaut mich verwundert an. Sofort sage ich: „Ja, Du bist noch am Leben. Hast du gemeint, dass der Brief der Fremdenpolizei wegen Dir war. Er ist es nicht. Es geht um den Bruder von Ali. Ich würde Dich nie gegen Deinen Willen denunzieren und du siehst es, denn ich habe Dich nicht ins Spital gebracht. Doch, ohne Arzt getraue ich mir nichts mehr zu machen. Du kannst beruhigt sein, er wird Dich nicht angeben, er ist ein sicherer Freund von mir. Und auch Ausländer wie Du. Und in der Schweiz nur geduldet weil ein Afrikaner." Habe ich richtig gesehen, hat der Junge etwas von Vertrauen in dem Blick seiner grünblauen Augen, mit denen er mich unverwandt anschaut? Doch erschöpft schläft er wieder ein. Auf jeden Fall habe ich gelernt. Ich kann Koja nie mehr allein lassen. Wie Alain zurückkommt, konsultiert er den Jungen. Es ist wie ich befürchtete, eine Lungenentzündung.  Gegen die Lungenentzündung hat Alain Medikamente. Ausserdem ist Koja stark gefährdet, da die Rauschgiftunabhängigkeit stark fortgeschritten ist. Doch Heroin will Alain nicht liefern. Doch er hat Methadon. Er gibt etwas, aber auch wieder nicht zuviel. Denn sonst macht er sich noch mehr unnötig strafbar. Und handelt gegen sein Berufsethos. Doch der Kleine gefällt ihm und er möchte ihm und mir helfen, sagt er. Wir machen einen Bluttransfer wie man ihn ihm Sudan oder sonstwo in Afrika auch nicht besser machen kann.  Und kaum dass es ihm besser geht, reden wir mit ihm, lange, mit schwankendem Erfolg, bis wir ihn zu einer Entwöhnungskur überzeugen können. Es dauert einige Monate bis Koja wieder einigermassen gesund ist. Es ist eine ganz schlimme Zeit für Koja und ich habe oft Angst um ihn. Immer stehe  ich ihm zur Seite, wenn er seine Schmerzen hat, ich versuche auch, ihm zu helfen, seine vielen negativen Erfahrungen abzubauen. „Du hast schlimme Erfahrungen gemacht in Deiner Kindheit" sage ich ihm, im Schlaf hast Du immer zu Deinem Vater um Verzeihung gebeten. Erzähl mir doch etwas von Deinem Vater. War er böse, hat er Dich geschlagen?“

Doch Koja schämt sich, er will nicht böse reden von seinem Vater. Insbesondere weil ich so ungläubig reagierte als er mir im ersten Fieberwahn die Wahrheit sagte. Denn die fremden Leute hier verstehen es nicht. Er sagt sich: Obwohl ich viel gelitten habe unter meinem Vater und meiner Mutter, ich will sein wie alle anderen, will stolz sein auf meine Eltern. Ich, Koja, sage: "Mein Vater war der Beste in der Fabrik, auch der schnellste beim Velorennen. Und im Fussball war er der beste Stürmer." Fies fragt er: "Und jetzt, wo ist er, Dein Supervater. Wo Du ihn brauchen würdest." Ich schweige. "Ganz sicher kann er nicht helfen, er hat so viele Sorgen."

Ich Ramon, will nicht weiter drängen. Einmal wird der Junge von selbst kommen und ich werde warten bis dann. Ich komme mich fies vor, wie ich ihm seinen Vater, seinen Helden, den er sich gebaut hat, vermaselt habe. Doch es wäre gut für den Jungen, wenn er sein Vaterbild zerstören würde, damit er endlich seine Jugend verarbeiten könnte. Ich sage mir: „Ich beschränke mich darauf, ihm zuzuhören.“ Und die ersten Tage und Nächte sind für Koja sehr schlimm. Der Schweiss perlt ihm auf der Stirn. Unruhig wälzt er sich von links nach rechts, verkrampft sich. Der Bauch tut ihm weh, er hat so Fieber. Alain und ich lösen einander ab um über ihn zu wachen. Doch man kann ihm nicht mehr Medikamente geben als er schon hat. Ich bin Alain dankbar, dass er neben der vielen Arbeit die er hat, noch Freizeit drangibt mir zu helfen. Dies besonders da unsere Beziehung nicht mehr so fest ist wie auch schon, respektive nie war. Alain ist mit einem anderen in die Schweiz gekommen. Die Lungenentzündung, das Fieber, die Entziehungskur, alles zehrt an Koja, das Herz schlägt pochend schnell. Doch langsam wird es besser. Am fünften Tag  ist das Fieber zurückgegangen. Endlich konnte der Junge einschlafen. Alain hatte Dienst. Als ich merke, dass der Junge endlich ruhig schläft, begebe ich mich ins Gästezimmer, liege ab und schlafe ein.  Ich schlafe nicht gut. Ich träume von meiner Jugend, meinem Vater. Doch mitten in der Nacht erwache ich. Koja hat geschrien. „Nein, Vater, bitte nicht. Bitte hänge mich nicht so auf an meinen Armen. Nein, bitte nicht schlagen, nicht bitte. Mama bitte hilf mir.“ Dann: „Bitte durchdringe mich nicht wieder, es tut so weh.“ Und dann gibt’s plötzlich einen lauten Knall. Ich bin sofort aufgestanden und renne ins Schlafzimmer. Koja liegt am Boden. Ist vom Bett auf den Boden gefallen. Atmet wie besessen. Ich knie neben ihm nieder, fühle ihm über die Stirne. Der Junge ist nass von Schweissperlen. Ich umarme ihn, hebe ihn auf und lege ihn aufs Bett. „Bitte, Koja, beruhige Dich, Du bist doch bei mir. Weit weg von Deinem Vater.  Es kann Dir nichts passieren." Und streichle ihm über den Kopf und küsse ihn. Endlich beruhigt sich Koja. Bald wieder hört man sein stossweises Atmen. Er schläft wieder. Ich bedecke ihn mit der Decke und liege neben ihn ab. Ich  umarme ihn, ungewollt weinend. Solche Hypotheken aus der Vergangenheit hat Koja und bringt es nicht übers Herz sie mir zu erzählen. Wenn er nur endlich auf die Vergöttlichung seines Vaters verzichten würde. Und mir seine von ihm erlittenen Qualen erzählen könnte. Es würde ihm helfen. Doch am nächsten Morgen beginnt der Junge endlich mehr Vertrauen zu mir zu fassen. Er sagt: „War Dein Vater auch ohne Arbeit. Schlief bis zum Mittag. Ging anschliessend weg und kam am Abend spät heim. Schmeckte nach Schnaps, Wodka. Und Mutter daheim, schimpfte, und trank auch Schnaps.“ Und die Tränen laufen ihm über die Wangen. „Ich wollte ihr helfen,  machte die Betten, den Haushalt, kochte, halt so gut wie ich ohne Anleitung konnte. Einmal wollte ich Arbeit suchen. Und fand auch welche in einer Fabrik. Doch die Polizei ist gekommen an die Arbeitsstelle und hat mich mitgenommen. Weil ich zu jung sei.  Das Geld langte aber auch nirgends. Nur am ersten Tag des Monats wenn die Sozialeistungen bezahlt wurden, gab‘s zu essen. Wir mussten vorerst die Schulden bezahlen im Laden. Ich wollte,  was übrigblieb für den nächsten Tag behalten. Versteckte es. Doch der Vater schlug mich und zerschlug alle Möbel bis er es fand, nahm‘s und ging ins Restaurant. Ich hatte noch welches Geld an einem anderen Ort versteckt. Am nächsten Abend zwang er mich es ihm zu geben. Nahm meine Mutter als Geisel und schlug sie bis ich einlenkte und es ihm gab. Und wir hatten wieder kein Essen und Vater kam noch fröhlicher heim. Essen mochte Mutter nicht. Ich kochte. Nur Kohl gab es, Kohlsuppe. Doch Mutter ass nie etwas. Plötzlich kam sie in eine komische Laune. Nahm mich und streichelte mich. Ich sagte: „Nein, bitte nicht.“ Und schreckte zurück. Doch sie kniete und machte Sachen die mich damals ekelten. Weil sie von ihr, meiner Mutter, kamen. Und weil das meiner Ehre zuwiderlief. Es war so widerlich. Ich hätte ihr einen Faustschlag geben können. Und getraute mich nicht.“ Hier weint Koja, die Tränen laufen ihm über die Wangen. Schnell sage ich:" Du musst Dir keine Vorwürfe machen weil Du Dich gegen Deine Mutter wehren wolltest. Besonders nachdem sie das getan hat. Du hast es zu Deiner Verteidigung gemacht. Und damit Du bei Trost bleiben konntest." Ich nehme ein Taschentuch hervor und wische ihm die Tränen ab. Ich muss noch sagen: „Nein, Koja, so schlimm hatte ich es nicht. Jeder hat es anders im Leben und das Leben ist so ungerecht.“ Ich küsse Koja. Und mir gefällt dieser Junge immer besser. Koja spricht weiter: "Und der Vater kommt heim, Ich wollte endlich einschlafen, hatte mich einige Male gedreht im Bett. Er kommt in unsere Wohnung (wir haben nur ein Zimmer) zündet alle Lampen an macht einen Heidenkrach, singt das Lied vom Mütterchen Russland. Ich muss auch aufstehen, in Habachtstellung, muss singen. Endlich kann ich ins Bett. Vater und Mutter trinken noch was in der Küche. Doch nachts um 12 gibt‘s einen Heidenkrach. Ich wache wieder auf. Mutter und Vater streiten sich und plötzlich geht Mutter zu mir ins Zimmer, nimmt mich aus dem Bett, zieht mich an und geht aus dem Haus. Wir laufen in den Strassen herum, versuchen im Wartesaal im Bahnhof zu schlafen. Meine Mutter ist total besoffen, sie schlägt mich, weil ich zu wenig schnell gehe. Es gibt Krach mit Passanten und schliesslich bringt uns die Polizei heim. Daheim schlagen sich zuerst Vater und Mutter, dann schlägt mich Vater weil ich mit Mutter gegangen bin. Bis in die frühen Morgenstunden dauert das an. Dann sind Vater und Mutter total müde und schlafen ein und schlafen bis Zwölf Uhr. Ich kann nicht mehr einschlafen. Endlich schlafe ich ein und verschlafe mich am Morgen. In der Schule kann ich mich vor lauter Müdigkeit nicht konzentrieren. Der Lehrer straft mich und schickt mich hinaus. Und dann kam ich mit den schlechten Noten nach Hause. Und wieder begann es. Der Vater war ganz wild. Hiess mich, mich abziehen. Peitschte mich aus und sagte: „Sag das Einmaleins.“ Denn das war alles was er konnte. Und Nachts kommt der Vater wieder besoffen heim und ich muss ganz verschlafen von Mütterchen Russland singen und es tönt: „ Kannst Du nicht besser singen, lauter, schöner, Mütterchen Russland hat nicht so einen faulen Kerl wie Du verdient. Steh gerader! „und nimmt mich an den Armknöchel, bindet mich mit zwei Seilen an zwei Schrauben an der Decke an, nimmt eine Peitsche...“ Koja kann nicht mehr weiter, die Tränen fliessen über seine Wangen. "Einige Male war ich so verwundet, dass mich meine Mutter in den Spital brachte. Und dann kam die Polizei und nahm mich weg, steckte mich in ein Kinderheim. Dort war es noch schlimmer als daheim, und der Aufseher wollte mich dauernd ficken und ich hatte so Heimweh, dass ich ausriss. Doch daheim wollten sie mich nicht mehr. Vater war jetzt immer komplett weg und Mutter immer total besoffen und sie schimpften über mich, dass ich als Schmarotzer ihr Arbeitslosengeld wegfrässe. Ich hielt es nicht aus und ging nicht mehr heim. Dann war ich dauernd auf der Flucht vor der Polizei, Arbeit fand ich keine, oder dann nur für sehr kurze Zeit die dreckigste Arbeit. Denn ich musste schwarz arbeiten. Sobald die Polizei Stichproben machte, musste ich wegrennen, verlor was ich noch verdient hatte und konnte mich dort nicht mehr blicken lassen. Dann fand ich, dass ich mit Betteln mehr verdienen konnte." Ein ganz trauriges Schicksal. Ich weine. Wieder versuche ich ihn zu beruhigen, indem ich ihm die Hand halte und damit Solidarität bekunde. Komme wir vor wie ein Voyeur und komme mit meinen schlechten Erfahrungen nicht an seine Kniekehlen. Und Koja fährt fort: "Auf der Strasse war es ruhiger. Ich hatte Kameraden, die das gleiche erlebt haben. Aber wir hatten keinen festen warmen und trockenen Platz zum Schlafen, nichts zum Essen. Wenn wir bettelten gab es Geld und mit dem konnten wir uns Suppe besorgen an der Suppenanstalt. Und schliefen am Eingang der U-Bahn, dort wo auch ältere Herren schliefen, die schön besoffen waren. Ich konnte nicht richtig schlafen, denn manchmal kamen sie hinüber, versuchten mich im Schlaf zu vergewaltigen. Und dann lernte ich einen Kollegen kennen. Der hatte mit Hasch gehandelt und hatte genug Geld. Und nahm mich auch mit. Ich begann auch, mit den anderen, Hasch und später Heroin zu rauchen und später zu injizieren. Wenn ich kein Geld hatte, schnüffelten wir auch Leim. Wenn man einige Züge genommen hatte, war die kalte, nasse Strasse plötzlich schön warm und wir vergassen alle unsere Sorgen. Ich bat ihn, mich auch in seinen Job einzuführen. Und ich verdiente auch gut. Doch dann wurde der Kollege von der Polizei gefunden, gejagt und sie begannen mich zu jagen. Ich musste weg. Ein Kamerad sagte mir, in Deutschland sei es wie im Paradies. Man musste nur mit dem Schiff schwarz nach Lübeck fahren und dann weiter bis nach Berlin. Doch ich landete in Dresden. Und von dort ging's weiter nach München. Schon viel vorher hatte ich gemerkt, dass es sich mit Freier besser leben liess. Man konnte ihnen was abkröpfen und sie bestehlen weil sie es meist nicht wagten, Anzeige zu erstatten. Doch das Geld war bald weg. Man musste es mit den Kamaraden teilen und mit Zuhälter und brauchte Unmengen Heroin um über den Ekel hinwegzukommen. Und die Schmerzen die die Freier einem zufügten, weil es sie so besser anregte. Bald wurde ich auch dort von der Polizei gesucht und musste in eine andere Stadt fliehen. Nirgends wurde ich reich und glücklich. Nirgends konnte ich leben ohne immer Angst zu haben, dass ich die nächste Nacht nicht überstehen würde. Ich bin ein solcher Versager. Ramon. Mit mir hast Du kein Glück.“ Doch ich  reagiere nicht auf dieses Selbstmitleid. „Und dann bist Du immer weiter westwärts gegangen und bist in unserer Stadt gelandet. Das Geld für die Drogen hast Du Dich mit Betteln, gelegentlichem Handel mit Rauschgift und dem Verkauf Deines Körpers verdient.“ Koja zuckt zusammen. „Nein. Nein. Bitte verurteile mich nicht.“ „Das will ich nicht. Du hattest keine andere Chance. Glaub mir endlich, Koja, ich bin kein Zyniker, wenn ich sage, ich verstehe und liebe Dich, dann stimmt es. Ich werde auch immer bei Dir stehen und Dir helfen, was Du auch immer tust. Glaub mir. Denn ich liebe Dich. Einmal habe ich Ali geliebt. Auch er war ein glückloser Sucher nach dem Glück. Wie Du und auch ich. Du bist anders, aber Du bist auch so ein lieber wertvoller Mensch. Vertraue mir endlich. Und verlange von mir nicht, dass ich bei Deinen masochistischen Spielen mitmache.“ Rufe ich aus, weil ich es nicht mehr anders kann. „Jeder Mensch ist anders. Koja. Ich bin nicht  Dein Vater und auch nicht Deine Mutter. Noch weniger kann ich sie ersetzen. Ich bin schon seit langem auf der Suche nach meiner richtigen Mutter und meinem richtigen Vater. Habe die falschen schon unzählige Male ermordet. Doch immer wieder sind sie erneut als Falschspieler auferstanden. Jetzt weiss ich, ich werde sie nie finden. Bitte Koja verstehe und begnüge Dich mit jemandem wie mir. Nicht als Vater oder Mutter aber als Freund der Dir hilft. Bitte. Versuch nicht wieder, Dir das Leben zu nehmen. Denn ich und auch Alain wären sehr traurig. Viel trauriger als Du glaubst. Wenn Du Deine Probleme hast, erzähle sie uns, aber glaube nicht, dass wir Dir Deine Probleme wegnehmen können. Aber es ist schon schön, wenn man sie jemandem erzählen kann.“ Ich höre auf. Koja schaut mich mit grossen verwunderten  Augen an. Und ich verstumme. Ich habe wahrscheinlich zuviel gesagt, hoffentlich habe ich den Jungen nicht wieder verunsichert.. Ich sage. "Trink Deinen Tee, Koja und schlafe. Ich werde bei Dir wachen." Aber Koja muss noch etwas weiteres sagen. Er sagt: "Und jetzt bin ich hier in dieser Stadt. Bereits in München bin ich in die Fänge der Mafia geraten. Sie haben mich jetzt hierhin gebracht, weil sie besonders auf diesem Pflaster viel Geld verdienen. Ich muss Drogen verkaufen und mich prostituieren wie viele andere Papierlose Emmigranten aus verschiedenen Länder. Jeden Tag muss ich Geld abliefern. Muss auch bei Diebstehlen mithelfen. Da ich keine Papiere habe, können sie mich jederzeit der Fremdenpolizei angeben und ich werde rausgeschmissen. Wenn ich einige Tage nichts abliefere, werden sie mich suchen und ich weiss nicht, ob sie nicht auch Dich verfolgen werden. Und schlimmer noch. Ich habe den Stoff, den sie mir liehen um ihn zu verkaufen sollte, nicht mehr. Als ich letzthin meine Jeanstaschen durchsuchte, war er nicht mehr da. Was soll ich nur. Wenn ich nicht den Stoff oder das Geld zurückbringe, werden sie mich zu Tode prügeln." Ich lache, nervös.  Fasse mich. „Das Heroin habe ich weggenommen und sicherheitshalber gleich verbrannt. Um Dir den Rückweg zu Deinen Banditen zu erschweren und damit Du nicht heimlich nimmst. Natürlich habe ich bereits einen Drohbrief von diesen Banditen erhalten. Doch glaube mir. Koja. So schnell wirst Du aus der Schweiz nicht gejagt. Wir haben Menschenrechte hier, obgleich die SVP uns zu einem Drittweltstaat machen möchte. Und ich und meine Freunde werden sich für Dich einsetzen. Ich bin nicht so unschuldig und schwach wie Du glaubst. Ich habe den Bürgerkrieg im Sudan überstanden. Und Ali und ich waren ständig im Schussfeuer. Dann hat mich des langen schwarze Abdullah in die Guerillakriegsführung  eingeführt, ich überlebte und wurde in seine Einheit aufgenommen. Das ist einer der gefürchtesten dort unten. Ich bin kein ungebranntes Feuer. Wenn es etwas gibt, kann ich mich wehren. Sicher habe ich nicht die gleichen Erfahrungen mit der hiesigen Mafia wie Du, aber auch so genug davon. Und wenn wir zusammenstehen sind wir doppelt so stark.“ "Komm,“ sage ich, "Du hast sicher Hunger. Ich werde Dir was kochen. Einen Bouillon mit Ei. Denn Du hast schon so lange nichts mehr gegessen. Aber gottseidank gehts Dir wieder besser." Doch Koja schmiegt sich an mich. Ich merke, er möchte mehr von mir. Ich fühle mich hingezogen zu ihm.  Küsse ihn auf den Mund, küsse ihm den ganzen Körper. Und dann drücke ich einen Kuss auf seine Eichel. Koja zuckt zusammen.  Ich gehe ins Badezimmer, hole Salbe. "Willst Du Dich einstreichen? Musst nichts sagen, das waren alles offenbar Schweine, die Dich benützt haben, Du bist bis jetzt noch nicht erholt davon." Koja schmiegt seinen Körper an den meinen, aber sagt nichts. Jetzt gehe ich in die Küche und bereite einen Bouillon. Koja trinkt den Bouillon. Ich habe keinen Hunger. Ich trinke auch von der Bouillon. Aber Koja ist so müde, dass er sich sofort auf die andere Seite dreht und schläft. Am nächsten Tag geht es wieder schlechter. Ich telephoniere Alain. Doch der untersucht den Jungen und sagt: „Es geht besser. Aber bis der Körper sich gewöhnt haben wird, dass er ohne Drogen auskommt, wird es noch einige Zeit schlecht gehen. Koja braucht einfach noch Schlaf und Wärme." Und er schaut mich schmunzelnd an: Und vielleicht weniger Übung.“ „Was Du nicht alles denkst von mir“ wehre  ich mich,“wir waren enthaltsam wie die irischen Mönche. Doch Koja hat sich emotional aufgeregt, weil er von seiner Kindheit erzählte.“ Alain schaut den Jungen fest an. Er lässt sich nichts anmerken, vielleicht stimmt es, was ihm da Ramon auftischt. Doch der wendet sich wieder dem Jungen zu. „Willst Du etwas essen, Koja?“ frage ich, Ramon. Der Junge schüttelt den Kopf. Er hat keinen Hunger. "So lade ich Dich zu einem feinen Hummerschwanz ein, Alain.„ Sage ich. "Ich habe einen wirklich feinen  Pouilly Fuissé 1980. Und Du kannst mir etwas sagen.“ Es hilft mir, etwas über die Krankenpflegerfunktion hinwegzukommen und wir haben wirklich ein feines Nachtessen miteinander. Nach einem Espresso und einem feinen Calvados ziehen wir uns ins Wohnzimmer zurück. Ich habe eine schöne Einspielung der „Ariadne auf Naxos.“ Doch ich habe plötzlich Lust auf den Körper Alains. Ein schöner, schlanker, schwarzer Körper, krauselige schwarze Haare und blaue Augen. Von woher mögen die wohl kommen? Da kann man bloss raten, denn Alain behautet, er sei 100% Afrikaner und habe baues Prinzenblut der Könige von Naumey in den Andern. Wir streicheln einander, küssen einander, und ziehen einander ab. Dann liegen wir auf die Couch in der neunundsechziger Stellung und saugen einander gegenseitig am Schwanz bis Alains Schwanz schön steif und gross ist. Ich lechze nach Alains Schwanz und möchte ihn so gerne in mir verspüren. Ich kniee an den Rand der Couch und halte hin und spüre, wie mein After ganz ausgefüllt wird vom Schwanz des geliebten Alain. So schön habe ich’s schon lange nicht mehr gehabt. Doch dann ruft mich die Pflicht, ich muss wieder zurück zu Koja. Der Junge wird wieder nervös. Hat wahrscheinlich wieder Albträume. Alain hat noch zu tun im Spital. Doch Koja ist nicht glücklich. „Was hast Du jetzt gemacht“ sagt er. Ramon lacht. „Bist Du bereits eifersüchtig?  Aber Koja, glaub mir, ich liebe Dich,aber Du hast mich nicht allein. Ich bin verheiratet. Meine Frau ist zwar weit weg mit einer Freundin in Neuseeland. Doch wir verstehen uns sehr gut. Und auch mit Dir möchte ich es so halten. Ausserdem, wer weiss, vielleicht willst Du es bald mit jemand anderem versuchen, vielleicht mit einer Frau? Du bist noch jung.“ „Nein, niemals,“ sagt Koja. „Frauen sind mir gleich. Dich liebe ich und habe bis jetzt niemanden so wie Dich gefunden.“ Ich werde wieder seriös. „Natürlich, liebe ich Dich und möchte auch, dass Du immer bei mir bleibst. Doch menschliche Partnerschaften sind wankelhaft.“ Der Junge ist wirklich furchtbar gereizt und nervös. Er regt sich auf, steht auf, will die Kleider anziehen. Ich muss ihn wieder beruhigen. „Ich werde ganz sicher immer mit Dir bleiben, wenn Du es willst. Und Du hast noch viel Zeit vor Dir und ich möchte, dass Du einen Beruf erlernen kannst, der Dir gefällt. Und werde Dich dabei unterstützen.“ Ich nehme ihn bei den Armen, umarme und küsse ihn. „Bitte liege jetzt wieder ab und ich werde mich auch wieder abziehen und neben Dich liegen.“ „Zieh ich  Dich an, wie Dich Alain anzieht?“ fragt er sehr direkt. "Das habe ich gespürt, das Knistern zwischen Euch. Nie war es so zwischen uns!" Eifersüchtig? Ich kann ihm nicht helfen. „Ich liebe Dich viel inniger als Alain.“ sage ich und es stimmt. Er beruhigt sich wieder. Wir streicheln einander. „Aber ich möchte Dich in mir verspüren.“ Sage ich plötzlich weil mich der Teufel reitet. Ich vergesse, dass ich gerade noch Alain versichert habe, dass wir wie irische Mönche zusammenleben. Ich streichle Koja‘s Schwanz, dann sauge ich mit der Zunge daran und verspüre mit Freude, dass er schön dick und stark geworden ist. Dann kehre ich mich auf die andere Seite und verspüre wie Koja’s Schwanz in mich eindringt und mich ausfüllt. Ich weine vor Freude, Koja stöhnt. Und ich spüre wie die feinen Finger Koja’s an meinem Schwanz streicheln bis auch er ganz erregt ist. Und dann spüre ich seinen nassen Samen. So schön ist es. Ich drehe mich um und auch Koja wartet auf mich. Mein Schwanz dringt in ihn. Und wir umarmen uns gegenseitig während wir uns abkühlen. Koja flüstert: „Bitte verlasse mich nie wieder. So schön ist es mit Dir. Noch nie hatte ich es so schön. Meistens durfte ich nur herhalten. Ich hatte nicht einmal weh, als Du in mir eindrangst. Und dies tut mir immer so weh, seitdem mein Vater es das erstemal mit mir tat.“ Die Tränen fliessen ihm über die Wangen.  Ich bin so gerührt. Ich ziehe meinen Siegelring ab. Den, den er seinerzeit von Ali erhalten hatte. Und ziehe ihn über Koja’s Mittelfinger. Und sage: „Das soll das Pfand sein. Nie werde ich Dich im Stiche lassen. Und Du sollst mich auch nie vergessen.“ Koja hat nichts, das er mir geben könnte. Ich habe seine Skrupel gesehen. „Auch wenn Du nichts hast, Du hast Dich, und Du hast mich schon genug beschenkt. Der Ring soll ein Zeichen unserer ewigen Freundschaft sein. Bitte gib ihn nicht weg.“ Wir haben es immer schöner miteinander. Wenn Ali Koja kennen würde, sage ich mir, er würde unsere Freundschaft nicht verübeln und er würde auch Koja lieben wie ich ihn liebe.

Koja hat sich doch zu sehr angestrengt. Die nächsten Tage ist er wieder schlafend und fast unberührt im Bett und ich kriege wieder Angst. Doch er schaut mich so liebevoll an, dass es mir warm im Herz wird. Natürlich bekomme ich dauernd Telefone von Ramirez und seinen Banditen.  Die Polizei will ich nicht einschalten, weil Koja nichts davon merken soll. Das ekelhafteste Erlebnis ist, dass mich zwei solcher bärtiger ungewaschener Waschbären daheim besuchen. Doch ich habe Waffen zuhause. Ich stelle die beiden ziemlich abrupt vor die Tür.

Und anschliessend finde ich, dass ich woanders hin zügeln muss, da es um unsere Sicherheit geht. Ich miete mir eine Wohnung in den Bergen. „Gut auch für Koja," sage ich mir, denn die Bergluft wird ihm gut tun. Es ist Frühling. Zwar immer noch nicht warm und Frühling in den Bergen. Doch wir bleiben dort bis in den Herbst. Denn eine lange Erholungspause braucht der Junge. Wir geben die Wohnung in der Stadt auf. Diese Zeit in den Bergen  ist eine der schönsten Zeiten, die ich hatte. Am Anfang können wir noch langlaufen. Und ich lehre Koja das Skifahren, für mich ist es eine Möglichkeit wieder meine Bretter hervorzuholen, die ich ja seit meiner Studienzeit nicht mehr gebrauchte. Für Koja miete ich ein paar ganz neumodische Scarving-skis. Doch der erste Morgen wird ein Fiasko. Meine Bretter sind schwer und altmodisch und ich kann kaum zehn Minuten aneinander fahren ohne umzufallen. Ausserdem ist mein Fahrstil furchtbar altmodisch und die Leute schauen nur kurz und dann diskret weg. Erst recht wenn es darum geht, dem Jungen anzuweisen wie er fahren soll, wird es lustig. Zuerst geht es gut, mit dem Sessellift an der Mittelsation angelangt, zeigt ich dem Jungen wie man die Dinger anschnallt und wie man auf ihnen steht. Dann läuft man ein kleineres Hügelchen hinauf und lässt sich dann hinuntergleiten. Das geht auf Anhieb gut, aber ich habe Mühe meine umständlichen alten Skis unter Kontrolle zu halten. Koja, der überhaupt nicht fahren kann, fährt mir um die Ohren. Wir wollen etwas interessanteres machen. Wir fahren mit dem Übungslift den Hang hinauf und stehen oben. Jetzt will ich Koja zeigen, wie er einen Christi machen kann. Doch beim Kehren fahren mir die Dinger fast davon. Nur durch absitzen kann ich stoppen. Koja lacht sich krumm, aber kann natürlich auch nicht bremsen und sitzt ab. Und fast wären wir ineinandergefahren. Beide sitzen wir einander gegenüber und starren uns böse an, bis Koja losprustet und ich auch mitmache. So kann es nicht weitergehen. Zwar ist es ein Klamauk und lustig, und ich amüsiere mich mehr als in einem De Funes Film, aber auf die Art wird man nie skifahren lernen. Jetzt fasse ich schweren Herzens einen Entschluss, der für mich nicht schmeichelhaft ist. "So kann es nicht weitergehen," sage ich. "komm Koja, wir fahren noch hinab zur Station und suchen uns dort einen Skilehrer. Allerdings erreichen wir die Station nur, indem wir auf dem Hinter hinabgleiten, Ich möchte am liebsten die Dinger abschnallen und hinablaufen, doch beim Laufen breche ich knietief ein und gebe bald auf. Doch was für eine Mühe bis ich die Dinger wieder angeschnallt habe. Wenn ich nicht aus persönlichem Ehrgeiz wegen Koja ausharren würde, ich hätte das Skifahren aufgegeben. Wir können am Nachmittag beim Skilehrer anfangen. Aber wie der meine Skiausrüstung sieht muss er losprusten. So beschliessen wir zusammen mit dem Skilehrer neue Skier zu kaufen. Ich kaufe mir auch Carvingskis und gleich noch einen neuen modischen Anzug. Am nächsten Nachmittag werden wir mit dem Untericht anfangen. Am Morgen aber lehre ich Koja Rechnen und Deutsch. Nehme mit ihm auch Geschichte durch. Und der Junge ist sehr gescheit und auch sehr lernbegierig. Ich habe auch hier meine helle Freude. So geht es die ersten zwei Monaten. Koja macht auch Freundschaft mit einem gleichaltrigen Nachbarjungen der in der Lehre ist und die Ferien ausnahmsweise bei den Eltern verbringt und sie sind viel miteinanander. Ich freue mich dass der Junge endlich beginnt normal zu leben. Vielleicht zu früh? Ich denke, erst so wird er sich entwickeln können. Ich ziehe mich immer mehr zurück aus Kojas Leben. Lasse die beiden allein. Und sie unternehmen viel miteinander. Koja kann nach einigen Lektionen leidig skifahren und lehrt auch bei Oliver viel. Ich fahre nur noch ab und zu zusammen mit ihm. So kann ich mich vermehrt meinen historischen Untersuchungen und einem neuen Roman, den ich schreiben will, widmen. Abends allerdings kriecht der Junge noch gerne unter meine Bettdecke, denn sein früheres Leben, seine bösen Erlebnisse gehen ihm immer nach, besonders wenn es draussen stürmt. So vergeht der Frühling, dann der Sommer. Der Junge arbeitet wieder, sie schreiben sich sporadisch. Ich unternehme mit Koja ausgedehnte Wanderschaften um die Berge und die Gegend auszukundschaften. Im Juli plane ich eine einwöchige Tour über einige Pässe. Ich besteige auch zusammen mit einem Bergsteiger und ihm einen Viertausender. Im Dorf bin ich immer bekannter als ein schrulliger Rentner der mit einem Neffen zusammen lebt. Doch solange ich unauffällig lebe und gut zahle fragt niemand weiter. Natürlich haben die neuen Kamaraden Kojas verschiedene Fragen an ihn. Doch ich sage ihm, er solle einfach sagen er lebe zusammen mit seinem Onkel der nicht mehr arbeiten müsse um sein Leben zu verdienen. Und der Onkel sei Lehrer und übernehme die Erziehung selbst. Dank meinem Beziehungen konnte ich dem Jungen einen Deutschen Pass verschaffen als Sohn einer unehelichen Tochter meines Vaters. Die Frau brauchte Geld und war gegen Entgelt bereit dazu zu stehen. Dann kamen Pro-Forma Nachfragen wo der Junge in die Schule ginge. Man wollte mich zwingen einen Privatlehrer zu engagieren. Doch als sie erfuhren, wer ich war, ein emerittierter Professor internationaler Renommé, gaben sie mir die Dispens für die eigene Ausbildung Kojas. Ich arbeitete mit Koja zusammen, mit dem Ziel, dass dieser die Matur auf dem zweiten Bildungsweg besteht damit er später studieren kann. Denn der Lehreifer des Jungen macht mir Freude und er ist sicher sehr intelligent. So schnell hat er die Sprache gelehrt. Doch meine Beziehung mit Koja ist keine Onkel Neffe Beziehung. Koja liebt mich nicht nur als Mentor und wir haben wirklich schöne Stunden miteinander. Koja glaubt immer noch mir alles zu verdanken. Ich aber versuche den Jungen zu animieren woanders zu suchen. Denn Koja ist nun persönlich weit gereift und ich glaube er sollte sich von mir lösen. Ich bin gar nicht sicher, dass der Junge wirklich Glücklich ist unter gleichgeschlechtlichen. Und das verdanke ich natürlich den mir eingeimpften Vorurteilen. Ich finde, dass Koja auch für das weibliche Geschlecht attraktiv ist, und das weibliche Geschlecht auch attraktiv findet, doch der Junge ist einfach zu fest mit mir verbunden. Ich finde es schön zusammen mit Koja und möchte den Jungen nicht missen. Doch ich liebe ihn so sehr, dass ich möchte, dass er sich von mir loslösen kann. Deshalb unterstützte ich seine Freundschaft mit Oliver. Endlich eines Abends fragt Koja: "Darf ich mit Oliver ins Dorf in ein Dancing." Oliver war wieder in den Ferien, meiner Meinung kommt er zu oft hierhin, wahrscheinlich mehr wegen Koja als weger seiner Eltern. In dieser Gegend gibt es keine Schwulendiskos. Noch nicht, vielleicht kommen die bald. Es ist nichts gefährliches und ich sage freudig ja. Und freue mich diebisch als Koja am nächsten Morgen mit ganz verliebten Augen in die Welt schaut. Koja ist jetzt kerngesund und ich glaube, fälschlicherweise wie sich später herausstellen wird. dass er über dem Hügel ist. Dass er sein vergangenes Leben überwunden hat. Ich lasse ihn jetzt zu viel los, um ihm ja keine Bindungen aufzuoktruieren. Denn die beiden Verliebten, Koja und Clara, sind jetzt immer mehr zusammen. Und sie gehen mit anderen Gleichaltrigen aus. Und wenn ich glaubte, dass man in einem Bergdorf gesünder lebt als in der Stadt, werde ich jetzt eines Besseren belehrt. Es beginnt damit, dass ich an Koja Symptome sehe, die von Rauschgift herrühren könnten. Ich passe besser auf und als Koja wieder weggeht, durchsuche ich sein Zimmer. Alte Joints sind dort und sogar eine Spritze. Wie Koja heimkommt und in sein Zimmer geht. kommt er sofort wieder in einer Aufregung hinaus. "Was hast Du in meinem Zimmer zu suchen" ruft er aus. Wir sind zusammen im Wohnzimmer. Ich antworte nicht, ich nehme die beiden Arme Kojas, schiebe den Pullover hinauf und untersuche Kojas Innenarme. Einige Stiche in die Venen sind zu sehen. Gottseidank noch nicht zu viele. Ich schaue Koja in die Augen,  habe Mühe, meine Tränen zurückzuhalten. "Koja" sage ich, mit gebrochenener Stimme, "Koja. Denk doch daran was wir für Mühe hatten, zusammen Deine Sucht zu bekämpfen. Du bist so gescheit Koja, wir wollten doch zusammen eine Ausbildung anfangen. Bitte, bitte mein Schatz, Koja, fange nicht wieder von vorne an." Doch der Junge schaut mich böse an: "Ich bin nicht Dein Schatz, ich bin Dir einfach nicht mehr hörig. Du hast mir nichts zu sagen." Antwortet er trotzig. Ich flehe ihn an: "Sicher will ich Dir nicht mehr befehlen, doch bitten kann ich Dich noch. Besonders wenn es zu Deinem Guten ist." Doch Koja will nicht verstehen. "Ich will gegenüber Clara und ihren Kumpels nicht als ein Spielverderber dastehen. "überdies, "sagt er und verstummt. Er möchte mich nicht beleidigen. Doch ich will jetzt hart sein. "Ich verbiete Dir, diese Leute um Clara weiterhin zu sehen." "Du hast mir nichts zu verbieten. Du bist nur eine schwule Sau..Wenn Du mir etwas antust sag ichs der Polizei." Das hat gesssen, ich wollte ihm eine Ohrfeige geben, doch halte ich mich mit Mühe zurück. Ich reisse mich zusammen, schaue Koja in die Augen. "Wenn es so schlecht geworden ist. zwischen uns beiden," sage ich, will ich Dich nicht zurückhalten. Ich möchte nur nicht Zeuge werden wie es wieder abwärts geht mit Dir" Und ich ziehe mich zurück ins Zimmer um allein zu sein beim Weinen. Koja bereut seinen Ausspruch, kaum ist er ihm über die Lippen. Doch will er nicht als Schlappschwanz erscheinen. "Dem hab ichs mal gesagt," sagt er sich und sein Selbstbewusstsein steigt. Von diesem Moment an gehen wir uns aus dem Weg. Die Atmosphäre ist drückend geworden in der Wohnung. Koja kommt immer unregelmässiger heim, gibt sich keinen Zwang. sein Spritzen zu verbergen. Am Morgentisch packt er die Spritzen aus, lässt sie herumliegen. Ich halte es nicht länger aus, beschliesse, mit den Eltern von Clara Kontakt aufzunehmen. Doch die scheinen vom Himmel gefallen zu sein. Sie versprechen mir, mit Clara zu sprechen. Doch am nächsten Morgen, ich bin gerade aufgestanden, höre ich einen Lärm in Kojas Zimmer. Ich gehe dorthin. Koja ist am packen. "Was fällt dir ein," sagt er" Clara bei ihren Eltern zu verpfeiffen. Sie ist nun in der Wohnung der Alten eingeschlossen und ich kann sie nicht besuchen." Koja weint. "Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. wir fahren heute in die Stadt. Wir werden uns schon selbst durchschlagen können." Sagts und schliesst mir die Türe vor der Nase zu. Ich kann nichts mehr machen. In einer letzten Tat schreibe ich einen Brief: Koja. Du bist jetzt böse auf mich. Aber ich habe so gehandelt, wie ich handeln musste. Ich konnte nicht anders, denn ich fühle mich, so ganz anders Du vielleicht jetzt denkst, wie ein Vater. Eines Tages wirst Du anders denken. Doch mein Gespräch letzthin mit Dir zeigt mir, dass Du Dich geändert hast, dass ich mit Dir wie zu einem Fremden reden muss. Ich habe es nicht richtig getan und bereue es. Und ich versichere Dich, Koja, ich bin Dir nicht böse. Jetzt denkst Du vielleicht: Der Alte wie hast Du mich genannt "Schwule Sau" will den Spiess zu seinen Gunsten umkehren. Glaube mir, ich habe Dich immer geliebt und werde Dich immer lieben. Und meine Gefühle zu Dir waren immer aufrichtig, ich wollte Dich nie ausnützen oder Gewalt oder Macht über Dich ausüben. Wie Du weisst habe ich nun mal auch Neigungen zu meinem Geschlecht. Ich habe das lange zu unterdrücken versucht, bildete eine normale Familie, habe eine Frau, einen Sohn. Meine Frau hat mich nun verlassen und lebt mit einer anderen Frau im Urwald in Neuguinea. Sie will dort herausfinden, wieso wir technisch Zivilisierten uns das Leben vergiften, während die Indianer im Urwald so viel glücklicher leben. So hat sie's mir wenigstens letzthin erklärt. Ich bin nun mal Historiker und glaube gezwungenermassen an den Segen der Zivilisation und muss annehmen, dass die Gesetze, auch wenn sie manchmal unverständlich sind und so gemacht sind, dass der ganze Kopf abgerissen wird wenn es darum geht, einen Zahn zu flicken. Ich habe Dich ausdrücklich in Deiner Selbstfindung unterstützt und ermuntert, deine Partner frei zu suchen und dich nicht daran gehindert. Wenn das Gesetz es einfach unter einem gewissen Alter verbietet, dass man sich lieben kann, schüttet es, wie man so sagt, das Kind mit dem Bade aus. Wenn ein 23 jähriger eine Zwanzigjährige liebt, ist es natürlich aber wenn ein Achtzehnjähriger eine Sechszehnjährige liebt, ist es strafbar und das ist ganz einfach lächerlich. Wenn ein Dreiundfünfzigjähriger eine Zwanzigjährige liebt und heiratet wird das geduldet und sogar bewundert, wenn aber ein Vierzigjähriger eine oder einen vierzehnjährigen liebt gilt das als pervers. Das ist lächerlich, Andre Gide war kein Perverser und alle die Denker und Philosophen aus der Griechenzeit darf man nicht als Pervers bezeichnen. Sokrates, Kaiser Hadrian, Alxander der Grosse alles wären Perverse gewesen? Nun ich möchte ganz sicher später einmal, wenn ich Dich wieder sehe, mit Dir über dies reden und werde, wenn Du der Ansicht bist, dass ich nicht richtig handelte an Dir, dafür Sühne tun. Jetzt möchte ich Dich nur um einen Gefallen bitten: Wenn Du mal ganz dick in der Tinte bist, bitte zögere nicht zu mir zurückzukommen, bevor Du Dir etwas antust. Bitte Koja, denn Du bist mir zu kostbar, dass Du Dich einfach wegwirfst. Meine Freunde Alain, Frank und Franco wissen immer wo ich bin. Unten noch ihre genauen Adressen. Ich selbst werde vereisen, Meine Untersuchungen über  die Mafia vorerst in Berlin und dann im  weiteren Ausland weiterverfolgen. Denn jetzt sind sie gerade so weit fortgeschritten, dass ich dorthin gehen muss.

Den Brief schiebe ich unter die Tür in Kojas Zimmer.

Um mich zu beruhigen und um Koja nicht unnötig zu frustrieren, begebe ich mich auf einen längeren Spaziergang. Wie ich zurückkomme, ist Koja weg und hat alle seine Sachen mitgenommen.

Ich hatte damit angefangen zu recherchieren über die Guerillamafia. Wichtiges Material dazu befindet sich in München und Berlin. Clara hat auch getürmt und ihre Eltern wollen mich unbegreiflicherweise nicht mehr sehen. Da man im Dorf sowieso über mich zu munkeln beginnt, räume ich die Wohnung. Koja sieht man nicht mehr im Dorf. Ich gehe zurück in die Stadt. Wie mir meine Freunde mitteilen, wurde Koja zusammen mit einem Mädchen in der Stadt gesichtet. Er bewegt sich im Drogenmilieux. Ich befürchte, dass die beiden über kurz oder lang wieder im Netz der Mafia verstrickt sein werden. Doch ich kann nichts mehr machen, Koja hört nicht mehr auf mich.

Doch für mich nimmt die Attraktivität der Stadt immer mehr ab. Ich bin auch nicht mehr auf einen Arbeitsplatz angewiesen. Die Polizei belästigt mich wegen meiner eigenen Recherchen im Milieu und wegen meiner unkonventionellen Lebensführung immer öfter. Meine Frau ist in Papua Neuguinea im Urwald und mein Sohn hat sich in Harvard fest installiert. Er spricht von einer Karriere in den USA, die er zu seiner Heimat machen möchte. Ich erschauere bis in die Knochen. Bei den Yankees, in ihrem frömmelnden, hypermoralisierenden Milieu das Sexualdelikte hervorbringt wie nirgendwo sonst. Doch momentan verstehe ich Simon nicht mehr, der macht mir moralisierende Vorwürfe und will einfach anders sein als ich. Deshalb begebe ich mich nach Berlin. Ich behalte den regelmässigen Kontakt mit einen Freunden in der Heimat aufrecht. Einige Monate nachdem ich weggereist bin, werde ich kontaktiert von den Eltern Claras, mit der Koja zusammen war. Die beiden ware zusammen, haben ihren Lebensunterhalt mit Betteln und weil das in ihrem Alter nicht mehr viel einbrachte, durch hehlen und stehlen, durch huren auch bestritten . Für mich nichts überraschendes. Doch die beiden wurden bald einvernahmt von den herrschenden Mafiabande der Ausländer. Das Mädchen scheint ihn verlassen zu haben. Koja und das Mädchen wurden polizeilich gesucht. Die Polizei hat dann die beiden an einem missglückten Einfall verhaftet. Doch Koja konnte fliehen, aus der Untersuchungshaft und Claras Eltern, die Meyer, teilen mir mit, dass man Koja auch unter den Drogenhändlern und Strichjungen, bei denen er sich in letzter Zeit befand, nicht mehr gefunden hat. Doch soll ich ihnen helfen, ihr Mädchen aus der Untersuchungshaft zu befreien, indem ich der Polizei mitteile, dass ihr Mädchen von Koja verführt wurde und dass sie unschuldig ist. Koja sei sowieso schon aus dem Milieu, deshalb als Sündenbock predisponiert. Ich traue meinen Ohren nicht. Wieso schlagen sie mir das vor? Nehmen sie an, dass ich so dumm bin, meinen Koja zu  verraten? Doch ich nehme einen grossen Atemzug Luft um mich nicht aufzuregen. Ich lade Meyers zu einem Nachtessen in einem guten Restaurant ein. Und hier merke ich, was los ist. Die Leute sind am letzten Anschlag, furchtbar nervös, wissen nicht mehr was tun und würden vor nichts zurückschrecken um ihre geliebte Tochter wieder herauszuschlagen aus der furchtbaren Situation in der sie sich befindet. Ich schaue auf die Frau, das Rouge ist zu zu stark aufgetragen, der Lippenstift zu dunkel, die Haare nur sehr oberflächlich gekämmt und unter den roten Augen sind Ringe. Ich schaue auf den Mann, wie er nervös eine Zigarette nach der anderen anzündet. Immerhin waren wir mal gute Freunde in den Bergen, haben uns einige Male zum Fondue getroffen, haben realisiert gleiche politische Gedanken zu haben. „Geben sie doch zu, Ihr Koja ist ein Stricherjunge, nicht widerstandsfähig und drogensüchtig. Wir haben beide Augen zugedrückt, ihretwegen, Ihrem professoralen  Hintergrund zuliebe, als dieser Kerl mit unserer Tochter ausging. Wollten ihm auch eine Chance einräumen. Doch bei diesen Leuten ist alles was man ihnen als Chance bietet, für die Katze.“ Sicher sind die jetzt auch Wähler von der SVP, wo sie sich früher stolz zur SP und für mehr Verständnis zu den Randgruppen bekannten. Irgendwie möchte ich ihnen  doch nicht zu hart begegnen. Ich glaube immer noch an Koja, den ich noch liebe, aber verstehe selbst nicht, wieso sich dieser nicht meldet und, ehrlich gesagt, das trotzige Schweigen des Jungen verletzt mich. Ich sage mir aber, dass dazu ein Grund vorhanden sein muss. Lange schaue ich die Leute an, wie sie versuchen, mich zu etwas zu überreden, was sie mir in einer anderen Situation, und wenn sie wirklich so an seine Humanität glauben würden, wie sie es mir seinerzeit immer wieder erzählten, sich überhaupt nicht getraut hätten, mir zuzutrauen.  Sie haben wegen ihrer Angst ihre Integrität vollends verloren. Ich habe Mitleid mit ihnen. Endlich sage ich:“ Ich werde alles daran setzen, ihre Tochter wieder loszubekommen. doch erwartet nicht von mir, dass ich deshalb den Ruf Koja‘s beschädigen werde. Ihre Tochter ist nicht so unschuldig wie Sie annehmen.“ Das nehmen mir die guten Leute übel, frostig verabschieden sie sich von mir. Am nächsten Tag habe ich ein Gespräch mit dem Polizeidirektor der Stadt. Der ist ein guter Freund von mir und kennt mich und schätzt mich wegen meiner Arbeit in der Untersuchung der Mafiakreise in der Stadt. „Die beiden sind uns schon seit langem ein Dorn im Auge gewesen und keineswegs nur der Junge, die junge Frau hat sich auch kriminell benommen und war keineswegs unter den Fittichen des Jungen. Dir zuliebe haben wir zugewartet, bevor wir sie verhafteten. Doch Du weisst, der politische Druck, der auf uns ausgeübt wird, ist riesig und wir mussten eingreifen.“ „Ich bin gekommen, um für die Freilassung der jungen Frau zu bitten. Ihre Eltern sind am Anschlag und sie führen alles auf den Jungen zurück.“ „OK, wenn Du es wünscht, doch das Mädchen wird ihren Eltern noch viele Sorgen bereiten.“ Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenigstens können sie mir dann keine Vorwürfe mehr machen, dass ich mich nicht für sie einsetzte. Sie werden allerdings sagen, ich habe ihre Tochter verunglimpft weil sie nicht dankbar sein können. Doch der andere fährt fort: „Dich sehe ich schon lange nicht mehr in unserer Stadt, bist Du umgezogen.“ „Ich brauche eine Luftveränderung und verlege meinen Wohnsitz. Wegen meiner Untersuchungen lebe ich nun in Berlin und pendle zwischen Berlin und München.“ „Wie ich höre, ist Dein Roman ein riesiger Erfolg und Du bist wohl nicht mehr von einem festen Arbeitsplatz abhängig. Hast auch einen ziemlich unverständlichen Lebenswandel, wenn ich es so sagen darf, ziemlich unverblümt, und ich könnte Deinen Lebenswandel vor gewissen Kreisen die politisch gerade ein Hoch erleben, nicht verteidigen.“ „Wirst Du auch nicht müssen, mein lieber Fritz, ich werde definitiv nicht mehr in dieser Stadt oder diesem Land Wohnsitz beziehen, denn die Atmosphäre hier ist mir zu eng.“ Jetzt ist der andere, wie es mir scheint, fast beleidigt. „Ja nun, „sagt er „Du warst uns mit Deiner freiwilligen Mitarbeit in der Ergründung gewisser krimineller Praktiken eine sehr grosse Hilfe. Deshalb werde ich Deinen hochnäsigen Kommentar nicht gehört haben. Und deshalb werde ich auch Dir entgegenkommen und die junge Frau auf Bewährung frei lassen." "Danke!" Mechanisch ist mir das entrutscht. Ich schaue Fritz Ehrismann gut an. Ich kenne ihn schon lange, irgend etwas will er mir noch sagen. Er wartet. Und endlich kommt‘s. Fritz sagt‘s mit einem zynischen Lächeln auf den Lippen:" Doch das muss ich Dir sagen: Dein Koja wird steckbrieflich gesucht wegen versuchten Mordes, leider muss ich Dir sagen, wenn er verhaftet werden sollte, kann ich Ihn auch Dir zuliebe nicht besonders behandeln." Ich fällt vom Himmel, Koja ein Mörder! "Glaube mir, ich habe den Jungen kennengelernt, als wir zusammen waren, aber ein Mörder ist er nicht.“ Fritz schaut mich durchdringend an. er merkt wie ich mich im Innern aufregt, doch mich zusammennehme. Ich darf mich nicht zu sehr aufregen, schon  Koja's willen. Sonst würde ich ihm nur schaden. "Wer kümmert sich denn um den Fall, und um was geht es." Es geht um versuchten Mord an Chribl Blam. Diese Sache hat politische Dimensionen angenommen. Der Regierungsrat selbst kümmert sich darum und hat einen jungen Detektiv aus seiner Partei damit beauftragt. Der muss noch seine Sporen abverdienen und ist besonders tüchtig. Der Staatsanwalt Rubli kümmert sich um  den Fall persönlich, und seitdem er mit diesem Stimmenmehr gewählt wurde, ist er besonders arrogant. Sie haben so ein Dokument gefunden bei dem Blam, dass Dich belasten soll. Allerdings ist komisch dass sie tun als ob er tot sei, dass er oder ein Konterfei von ihm aber in der Karibik gesehen wurde. Doch kann ich Dir nichts mehr sagen. Mich haben sie von der Aufgabe befreit, denn ich sei mit Dir zu sehr befreundet und deshalb befangen."Er fährt fort: „Ich wollte es Dir nur zu Deiner Information sagen. Obwohl ehrlich gesagt: So überheblich wie Du Dich jetzt benimmst, kann sich nur ein solches Denkmal wie Dürrenmatt oder Frisch benehmen. Ich muss zugeben, ich bin überrumpelt durch Dein forsches Auftreten, aber ich schätze Dich aus unserer Kollegenzeit und Schulzeit.“ „Wenn Du mich überheblich findest, ist das Dein Problem. Ich will Dich nicht persönlich treffen. Doch Du musst selber zugeben, dass die heutige politische Landschaft nicht sehr ansprechend ist. Natürlich verstehe ich, dass Du dich anpassen musst, wenn Du Deine Stellung behalten willst. Doch ich, und das freut mich, bin nicht mehr von der Schweizer Politik abhängig. Meine Beziehungen sind in der ganzen Welt.“ Dann fahre ich weiter. Den Schmid denn Du mir als Detektiv angibst werde ich nicht kontaktieren. Der bringt nichts. Doch ich werde sofort etwas abmachen mit dem Rubli, Willy. Denn der kann mich informieren.“ Nehme mein Handy hervor und wähle. Es läutet. „Ja“. „Ja, auch,“ antwortet Ramon, ist da die Nummer soundso. Ich möchte mit Herrn Willy Rubli sprechen.“ Am Apparat, wer ist hier.“ Ramon Gandarian. Ich läute an, um mit Ihnen heute Mittag im Baur au Lac zu mittag zu essen. Um Zwölf am Tisch den ich auf Ihren Namen reserviere.“ Es ist eine lange Pause am anderen Ende. Dann frage ich: „Sind Sie noch da.“ „Ja, eigentlich passt es mir heute nicht.“ "C’est à prendre ou à laisser,“ antworte ich.“ Ich bin ein schwer erreichbarer Mann und auch wenn  der französische Präsident mit mir abmachen will , nimmt er Rücksicht auf meine Termine. Erst recht so ein kleiner Schweizer Politiker. Mit Namen Willly Rubli, der an der Freudenstrasse 20 ein Studio hat, wo es manchmal recht lustig zu und her geht.“ Am anderen Ende wird die Luft eingezogen. „Vater, wer ist es?“ ruft eine Mädchenstimme. Der andere ruft meinen Namen. „Was? der Schriftsteller vom Ali. Ich möchte unbedingt ein Autogramm von ihm.“ Und dann wird die Handmuschel über den Hörer gelegt und ich höre nichts mehr. Dann: „Hören Sie, ich kann Sie am Freitag mittag treffen.“ OK“ sage ich, „Ich freue mich Sie zu sehen.“ Fritz schaut mich dauernd mit grossen Augen und offenem Mund an. Was bedeutet dieses Studio an einer Strasse im einschlägigen Stricherquartier der Stadt. Ich lache. „So muss man arrogante Typen behandeln, sonst behandeln diese Dich wie Dreck. Glaub mir, der hat jetzt eine Ehrfurcht vor mir...! Ich werde jetzt meinen Anwalt kontaktieren und der wird Koja’s Verteidigung übernehmen, sobald ich ihn gefunden habe. Denn das ist ja das Problem. Er ist verschwunden, und ich weiss jetzt wieso. Sicher hat das Dokument über mich etwas damit zu tun.“ 

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Und schon wieder bin ich am Anfang. Ich habe alle meine hängenden Arbeiten fallengelassen, um den armen Jungen zu suchen. Ich irrte diese letzten Tage durch die Strassen und suchte Koja und fand ihn nirgends. Allerdings ist der Boss der Drogenmafia auch nicht mehr aufzufinden. Er sei ins Ausland getürmt, wird mir von meinem Informanden mitgeteilt. Bei erneutem Suchen und Umherfragen erfahre ich quasi nebenbei, dass der Boss jetzt in Brasilien ist, quasi in die höheren Gefilden der Organisation vorgedrungen. Ich sende Photos via e-mail an  meine Freunde in Südamerika  und diese teilen mir mit, ihn auf der Cochacabana gesehen zu haben, wie er mit reichen Touristinnen scharwänzelte. Punkt zwölf Uhr am Freitag, einem dreizehten, mein Glückstag, sitze ich am Tisch im  Baur au Lac. Rubli kommt überraschenderweise pünktlich. Er bringt eine Ausgabe meines Ali mit. Offensichtlich mit grossem Aufwand sagt er: „Meine Tochter ist offensichtlich ein grosser Fan von Ihnen. Können Sie ihr das Buch autogrammieren. „Wie heisst Ihre Tochter: „Irene“ Ich nehme das Buch sofort entgegen und schreibe auf den Innendeckel An Irene Huber: Es freut mich dass auch Du Ali’s Lehren schätzt. Wenn wir so Rücksicht nehmen können aufeinander, wird die Welt besser werden.“ Dann gebe ich  das Buch Rubli zurück und schaue ihn  an. Er hat eine schwarze Krawatte und einen Traueranzug. Er liest meine Widmung und schaut mich aus bösen Augen an: „Sowas passt zu so einem linken und netten wie Sie sind. Was haben Sie für ein Anliegen.“ „Oho, „ denke ich mir, dass ist ein ganz agressiver Typ. Aber nicht mehr lange. Ich sage: „Wie man mir mitteilt, haben Sie ein Verfahren eingeleitet gegen meinen Mündel Koja. Er soll die Ermordung Chribli Blams auf dem Gewissen haben. Was haben Sie für Beweise dazu?“ Der andere schaut mich aus kleinen Augen an. „Der Mörder hat sehr überstürzt gehandelt, er hat das Mordwerkzeug fallen gelassen und ein Dokument, dass Sie sehr belastet. Die Fingerabdrücke sind auf dem Mordwerkzeug und auf dem Dokument. Es besteht kein Zweifel, dass Ihr Mündel der Täter war. „“Können Sie mir das Dokument zeigen. „ „Nur vor dem Gericht“ antwortet der andere. Aha, er ist agressiv und versucht Angst zu machen, sage ich mir und beschliesse sofort, meine Breitseite abzuschiessen. Ich nehme einen Zettel hervor mit einer Kontonummer und zeige ihn dem anderen. Sofort wird dieser bleich, dann rot. Woher wi....“ Dann „Was soll ich mit dem zu tun haben.“ Ich antworte: "Glauben Sie nur nicht, dass die Machenschaften Ihres Mentors und seines Helfers uns nicht bekannt sind. Wir haben genug Beweise über die Beziehungen, die Blam mit diesem Ring pflegte. Und wir können die Geldströme, notabene unversteuert, nachweisen die an Blam und seinen Helfer Rubli gegangen sind. Und meine Freunde haben die Weisung, diese sofort der Polizei mitzuteilen, wenn mir etwas geschieht. Sie sind so oder so fertig. Sobald der Gerichtstermin da ist, hat mein Anwalt die Aufgabe, mit diesem Sie belastenden Material herauszurücken.“ Der andere ist ganz bleich geworden. „Ich schlage Ihnen vor, ich lasse die Sache im Sand verlaufen und sie geben mir Ihr Material.“ sagt er. Ich lache. „Zeigen Sie mir zuerst mal das mich belastende Dokument." Es ist ein maschinengeschriebenes Dokument, wo beschrieben steht, dass ich mit Jungen unter 16 Jahren Liebe machen soll. Dann steht darunter: Ich bestätige, dass die Angaben korrekt sind, und habe diesen Ramon, der mich selbst missbraucht hat, selbst dabei zugeschaut. Zürich, x.x.xx." Ich sehe nun, was hier gegangen ist. Koja war offensichtlich am letzten Zacken und hat sich von Blam als Freier unterhalten lassen. Dieser hat ihn offensichtlich gezwungen, ihm von seiner Beziehung zu mir zu erzählen und wollte ihn zwingen, das Dokument zu unterschreiben. „Oh Koja,“ sage ich mir, „wie hast Du wegen mir gelitten.“ Dann wende ich mich an Rubli: „Ich sehe, die Unterschrift ist stümperhaft gefälscht. Und soweit wertlos. Natürlich verleugne ich alles was hier steht, das ist alles durch Sie oder diesem Blam erstunken und erlogen. Sie können mir sicher sagen, was wirklich passiert ist?“ Und wie der andere zögert zu antworten, ziehe ich ein Photo aus der Tasche und zeige es ihm. „Im Gegensatz zu ihrem wertlosen Dokument, ist dies ein eindeutiger Beweis.“ Das Photo zeigt den feinen Herrn in unmissverständlichen Kleidern, wie er den Stricherjungen an einer Kette, die an seinen Hoden befestigt ist, durch die Strassen zieht. Dann zeige ich ihm ein anderes Foto, hier ist Willy Rubli, Chribli Blam in eindeutiger Pose, und in Gottes schönen Kleidern und ein Junge wird von ihnen mit Peitschenschlägen traktiert, während er ihre Schwänze leckt. Huber regt sich auf: „Dieser Koja hat versucht, Blam mit einem solchen Photo zu erpressen, und wir haben reagiert und...“ Er beisst sich auf die Lippen, schon hat er zuviel gesagt. Ich lächle. „Sie haben ihn mit Gewalt gezwungen, eine Beichte abzulegen. Doch der Junge hat nicht unterschrieben, sie haben ihn drangsaliert, und er hat aus Notwehr mit einem Gegenstand auf Blam geschlagen. Auch Sie hat er getroffen, man sieht es ja noch an der Beule auf Ihrer Stirn. Das ist nicht das einzige Beweisstück vom moralischen Sonderleben, das Sie und notabene auch ihr Saubermann der Nation führte, das wir haben, auch nicht das Beste. Diese Fotos haben genug gekostet. Aber alle sind in sicherem Gewahrsam und mein Anwalt weiss davon.“ Mit Bedacht habe ich dieses öffentliche Lokal für die Besprechung ausgewählt. Der andere kann nichts tun. Ich fahre fort: „Ich schlage Ihnen vor, dass Sie mit mir zusammenarbeiten. Sie werden den Fall als das behandeln was er ist, nämlich Notwehr eines Einzelnen gegen zwei andere. Ich bin nicht an Ihnen oder an diesem Blam interessiert. Ich will die ganze Organisation treffen. Und auch das FBI ist daran interessiert. „ Der andere macht grosse Augen, er realisiert endlich, der ist ja vom FBI. Ich fahre fort: “Und Sie werden mit mir zusammen arbeiten, um den richtigen Boss dieser Organisation, der sich jetzt in Brasilien befindet, zu überführen.“ Dann nehme ich mein Handy hervor: „ Und jetzt rufen Sie dem Direktor an, und machen ein sofortiges Rendez-vous ab, um eine Beichte über den Fall abzulegen, denn Sie haben zugegeben, dass Sie auch ein Komplize waren.“ Der andere will sich noch wehren, noch etwas herausholen. „Ich will, dass die Beweismittel sofort zerstört werden.“ Sagt er. Ich lächle, winke ab. „Tz, Tz, „sage ich, “Sie werden mir vertrauen. Wir sind keine Babies. Das heutige Gespräch ist auf Videoband festgehalten die Kamera haben meine Freunde an der Decke hier oben befestigt zu weit oben als dass sie hinauflangen könnten." "Und die Dokumente die wir haben, behalten wir als Pfand für Ihre Loyalität zu uns. Entweder wir arbeiten zusammen auf Vertrauensbasis oder Ihre Karriere ist zerstört. Denn mich können Sie nicht packen. Sie haben nur Gerüchte, die nicht stimmen. Und wenn die Sache vor Gericht kommt, wird man über die, wie man so sagt, dunklen Seiten von Ihnen und Ihrem Mentor viel zu spekulieren und zu schreiben haben. Ihre politische Karriere wird dann beendet sein.  Ich gebe Ihnen nun 2 Minuten Zeit um zu telefonieren, sonst geht die Sache ihren Lauf und mein Anwalt sieht Sie wieder vor Gericht.„ Ich habe die Nummer des Polizeidirektoriums eingestellt und es läutet. Huber fühlt sich ganz in der Falle. Denn jetzt ist natürlich seine politische, geschäftliche Karriere im Eimer, denn nie wird er als Vorgesetzter im Regierungsrat sitzen können. Wie Fritz antwortet, sagt er: „Hallo, Fritz, Herr Willy Rubli, Dein Vorgesetzter, möchte Dich heute Nachmittag um Drei sehen, mit mir zusammen und mit Dir etwas besprechen.“ Er merkt, wie der andere impulsiv den Atem einzieht. „Ich gebe ihn Dir, damit er das bestätigen kann.„ Ich gebe Rubli das Handy indem ich ihm gleichzeitig die Photographie vor den Augen halte. Widerwillig bestätigt er ihm die Abmachung. Jetzt lenke ich ein. Da Rubli zwar widerwillig aber theoretisch jetzt mein Mitarbeiter ist, ist es natürlich in meinem Interesse, dass er an wichtiger Stelle in der Regierung sitzt. Damit er mir interessante Informationen liefert. „Besprechen wir jetzt, was Sie vor Ihrem Direktor sagen werden.  Denken Sie daran, wenn Sie sich nicht an die Absprache halten, geht die Sache ihren natürlichen Lauf und Ihre Karriere ist im Eimer. Ich würde Ihnen vorschlagen, sofort ein volles Geständnis abzulegen, dass sie anwesend waren, wie Blam versuchte, den Jungen zu einem falschen Geständnis zu bewegen. Wie dieser es nicht tun wollte und er ihn mit Gewalt zu zwingen versuchte. Und wie Koja sich dann aus Notwehr mit einem Gegenstand wehrte. Wenn Sie es fertigbringen, dass die Sache ohne Konsequenzen für Koja abläuft, werde ich nichts sagen, wenn Sie ihre dunklen sexuellen Praktiken nicht ans Licht bringen wollen.“ Eigentlich müsste es Rubli wurst sein denn seine Karriere ist sowieso im Eimer. Doch als wirklich schleimiger Füdlibürger klammert er sich weiterhin am schön Bekannten fest. „Muss ich das wirklich sagen, dass ich anwesend war.“ Nun muss ich herzhaft lachen. „Es ist eine Freude zu erleben, wie sie versuchen, sich herauszuwinden. Ich beharre darauf, denn sonst gehen Sie zu wenig weit.“

Am übernächsten  Tag kommt ein Telefon von Berlin. Man hat dort ein Dokument gefunden, dass für meine Untersuchungen sehr wichtig ist. In dieser Stadt kann ich nichts mehr machen, ich muss meine Zeit nicht mehr länger hier verlieren, ich reise sofort dorthin. Und wie er dort am Abend unter den Linden ausgehe, wen treffe ich da. Koja, in Kauerstellung in Bettelpose. Also haben sie ihn schon wieder zerstört. Ist der Junge vielleicht nach Berlin gekommen um mich zu suchen? Und ich war nicht da als er mich brauchte? Ich mache mir Vorwürfe. Knie nieder, schaue ihm in die Augen. Doch die schönen grünblauen Augen schauen ganz teilnahmslos an mir vorbei. Koja erkennt mich nicht mehr. Den Ring aber hat er noch am Finger. Ich rede ihn an: „Koja, höre auf mich. Ich habe alles gehört. Du bist unschuldig, Koja. Der ..." Doch es hat keinen Sinn, weiter zu reden. Koja ist zu weit weg.  Ich will ihn aufheben. Er ist wieder zum abgemergelten Fliegengewicht geworden. Doch ein schwerer Gegenstand prallt an meinen Kopf.  Ich höre  noch Schüsse, bevor ich ohnmächtig werde, sehe oder spüre noch wie Koja seitwärts zu Boden fällt. Erst später wache ich auf, allein auf einem Trottoir einer Nebenstrasse. Ich stehe auf und gehe zur Strasse wo Koja kauerte. Ein ganzes Knäuel Passanten ist noch versammelt. Polizisten verhören die Passanten. Mit brummendem Kopf frage ich einen Passanten was passiert ist. "Man hat auf einen Bettlerjungen geschossen. Die Ambulanz hat ihn ins Spital gebracht.“ Der Passant schaut auf mich, hört überrascht auf: „Aber Sie sind auch dort gewesen....“ Laut. Ein Polizist kommt auf mich zu. Schnell verschwinde ich, will nicht auffallen.  Ich besuche dann alle Spitäler der Stadt, bis ich den Spital finde, wohin sie Koja gebracht haben.  Doch natürlich kenne ich niemanden in diesem Spital. Da ich keinen Verwandtschaftsgrad mit dem Jungen nachweisen kann, lassen  sie mich nicht zu Koja.

Ich lasse nicht locker.  Erwirke bei einem Beamten, einem der doch bestechlichen unbestechlichen Deutschen Beamten, einen Passierschein und gehe zurück zum Spital. Die Leute im Spital erklären mir, dass die Verwandten Koja‘s benachrichtigt wurden und ihn abholten. Sie können mir die Adresse angeben und ich reise nach Riga. Doch als ich dort ankomme, teilen mir die Nachbarn mit, dass die Eltern Koja’s mit Koja weggezogen sind, von Lettland zurück in die Heimat ihrer Eltern in Russland. Es ist keine Adresse vorhanden und die Letten zeigen sich erfreut, dass wieder einige Russen weniger bei ihnen sind. Ich habe keine Möglichkeit, in Russland zu suchen. Ausserdem ist Russland gross und man nimmt es dort mit Schriften und Niederlassungsbewilligungen nicht so genau, weil man auch keine genaue Übersicht hat. Doch ich lasse nicht locker. Ich sende eine Kopie einer Photo des Jungen an die Studienkollegen und die Leute, mit denen ich durch meine Recherchen in Kontakt bin. Ich kann nur noch auf einen Zufall hoffen.