Kolja : Auszüge

Kolja

Ramón Gandarian ist zurück von der Wärme des Sudan und der Liebe Alis, zurück in der Kälte des materialistischen Zürich.

Wird er sich erholen können vom Verlust Alis?

Zürich, an einem nebligen kalten Januartag

Ramon

Zurück von St Tropez lebe ich wieder in der Grossstadt. Ich bin seelisch in einem Tief. Ich lebe nun seit einigen Jahren getrennt von Francine, meiner ersten Liebe. Nachdem, wie ich meine Francine behandelt habe, als ich im Clinch war in Italien wegen Nicos, während dieser denkwürdigen Nacht in Umbrien als ich den Jungen suchte, glaube ich kaum, dass sie mir je wieder verzeihen wird. Ali, den Jungen den ich im Sudan kennenlernte und liebte, ist jetzt tot, zerfetzt von einer Bombe irgendwelcher Freischärler. Dann traf ich Nicos, ein schwieriger Junge, habe eine Odyssee hinter ihm her gehetzt, während der ich versuchte, ihn vor der Gefangennahme in Italien zu retten, und jetzt ist der verschwunden, weg. In Saint Tropez habe ich Nicos' Erinnerungen fertig niedergeschrieben und sie in Zusammenarbeit mit Franco publiziert. Nicos hat durch meine Beziehungen einen italienischen Pass erhalten. Leider verschwand Nicos ist, noch als wir in Saint Tropez waren, zusammen mit Yves, den ich dort aufgegabelt hatte. Seitdem suche ich ihn, ohne Erfolg. Ich befürchte, dass die beiden Jungs sich in irgendwelche dunkle Geschäfte verstrickt haben. Muss ich ja schliesslich wissen, denn ich habe genug Beziehungen aus der Zeit meines Vaters und die haben mir schon diverses davon ins Ohr geflüstert. Doch vorerst habe ich nichts geahnt, die Arbeit an meinem Buch und später die Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit meinem Ali voll in Beschlag genommen. Ich hatte keine Zeit an persönliche Probleme überhaupt zu denken. Jetzt hat sich alles beruhigt. Meine Frau Francine ist wieder zurück in Neuseeland, die Ferien hat sie ohne mich mit Doris in Arles verbracht und hat sich entschlossen diesmal definitiv mit mir zu brechen. Sie wolle mit mir nichts mehr zu tun haben, sagt sie. Wahrscheinlich, denke ich, weil man sogar bei den Maoris an jedem Kiosk wieder von mir liest, seitdem ich in der Kandidatenliste für den Nobelpreis figuriere! Die arme Frau kommt ja  nicht weg von mir! Da ist die knochentrockene Doris halt ein mickriger Ersatz für mich. Mich, der schöne Ramon, immer auf Abenteuer aus, immer mit lustigen Witzen bereit! Und überhaupt, wer will sich heute von einer langweiligen Schwärmerin die Ohren vollstopfen lassen über die sogenannte Glückseligkeit der Maoris, die nackt und wie die Affen und ohne von irgendwelchen zivilisatorischen Entwicklungen zu profitieren im Urwald leben und deshalb wie diese Schwärmerin behauptet, im Sinne von Rousseau besser zusammenleben können! Francine ist intelligent, das sollte ich wissen. Sogar ich halte nichts von solchen Behauptungen und wie sollte Francine daran glauben. Heute weiss es jedermann dass es diese Unschuld der Maori gar nicht gibt, dass dies nur erfunden wurde durch irgendwelche Anthropologen, die für Schlagzeilen sorgen mussten um Karriere zu machen! Doris schwatzt die ganze Zeit über diese primitiven Urwäldler, sie kennt gar kein anderes Thema. Schon als sie noch bei uns verkehrte hat sie mich damit gelangweiligt, bis ich im Schlafzimmer verschwand und Doris mit Francine allein liess; und zu was dies geführt hat, ist mir erst kürzlich voll eingefahren! Ich habe mich von dieser alternativen Zwetschge, nicht mein Bier, mit ihren handgestrickten altmodischen Pullover, ihren gestrickten farbigen Socken, ihren Pulswärmer! Jetzt sind die Memoiren Nicos geschrieben und verlegt, wurden in der Presse hochgejubelt und bringen jeden Monat ansehnliche Tantiemen ein, die ich auf ein Konto auf den Namen Nicos einzahle. Die Journalisten haben über anderes als über meinen „Ali“ zu schreiben und ich habe wieder Zeit allein mit mir selbst, um nachzudenken. Ich weiss dass ich in meinem Leben an einer Weggabelung angelangt bin, aber wohin ich meine Schritte in Zukunft lenken will, das ist mir noch nicht klar.
 
Ich spaziere durch die Strassen des Stadtteils von Zürich, der bei den seriösen Bürger nicht im besten Rufe steht. Er ist bewohnt von randständigen Leuten, Ausländern, Drogendealern, Strichern und Huren. Natürlich hat es mich unbewusst in diese Region getrieben, im Stillen hoffte ich wahrscheinlich, ohne dass ich es mir zugestehen will, irgendwie eine neue Beziehung anknüpfen zu können und wieder Wärme und Liebe in mein Leben zu bringen, die mir in letzter Zeit fehlen. Meine neue Wohnung habe ich bewusst in diesem Quartier gemietet. Ali und überhaupt die leichtere und emotionalere Art zu leben, wie sie im Sudan gepflegt wird, hatte mir die Augen für die andere Seite meiner Persönlichkeit geöffnet, die immer ein bisschen im Schatten meiner arbeitssamen und stressreichen Erfolgsseite blieb. Jetzt bin ich zurück im westlichen Europa, dort wo die Wirtschaft im Leben die Hauptrolle spielt und wo ich meine erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn befolgte. Aber auch wieder nicht auf der Sonnenseite unserer erfolgreichen Schweizer Stadt, nein, dort, wo sich die gescheiterten Existenzen unserer erfolgreichen Wirtschaft aufhalten. Es ist nicht warm in meiner Umgebung, der Luxus und der Wohlstand fehlt. Ich fühle mich nicht wohl. Ehrlich gesagt ist mir nach den vielen Jahren die ich in Entwicklungsländern verbracht habe, im materiell reichen und oberflächlichen Geflecht unserer Schweiz nicht mehr wohl. Ich spüre die emotionale Kälte der nach materiellem Erfolg, nach Luxus und Wohlstand strebenden Schweizer. Und dazu noch ist es draussen Winter, die letzten Tage hat es geschneit, heute türmen sich am Strassenrand und auf den Trottoirs  Schneehaufen und es regnet darauf, ich friere und fühle mich elend. Mit nichts um mich herum kann ich mich befreunden! Ich gebe es zu, mein Vater hat seinen Wohlstand in diesem Nährboden gebildet und davon profitiere ich jetzt natürlich als sein einziger Erbe. Doch diese sich offerierenden Körper der Huren, die nur ans Geld denken, der Freier, die nur an den schnellen, nicht bindenden Sex denken, stossen mich ab. Alles ist oberflächlich, sie lachen und benehmen sich gefühllos, doch ich weiss, sie sind frustriert. Als ich den schnellen Sex mit einem der Stricher versuchte, gab es nur den Sexualakt in der öffentlichen Toilette, schnell und gefühllos, dann Zahlen und Feilschen dazwischen. Und keine Freude dabei, eher ein schales Gefühl hinterher. Als ich versuchte, persönlichere Aspekte hineinzubringen, in meine Beziehung zum Jungen, hat mich der Junge, der mich emotional stark anzog, abgeblockt. Es handle sich hier um einen reinen Geschäftsakt, erklärte er mir, und er wolle privates mit geschäftlichem nicht vermischen. So stelle ich es mir nicht vor, das ausgefüllte Leben! Ich suche nun auf eine andere Art nach einem neuen Sinn im Leben. Nach einem Jungen, den ich liebe kann, der mich liebt und nicht einfach mein Geld zum überleben braucht, dem ich aber wieder auf die Beine helfen kann in diesem Leben. Ich weiss, das ist ein Dualismus und wenn ich realistisch denke, sollte ich darauf verzichten. Natürlich klammere ich mich an meine Erlebnisse, mit Ali, mit Nicos; doch eigentlich ist es klar, dass ich als der reiche Freier, dem ich jedem Stricher hier erscheinen muss, nicht glaubhaft erscheinen kann. Ich komme an einem Zeitungskasten eines Boulevardblattes vorbei. "Patty ist wieder sackschwach". Lautet die führende Zeile dieses Blattes. Patty? Das ist doch die bekannte Tennisspielerin, die jeder Schweizer, auch der Sportmuffel jetzt kennt, nachdem ihr Name so oft in den Zeitungen erschien. Wie hiess es gestern noch: "Patty bringt uns eine Goldmedaille." Es geht hier nur um Macht, da mache ich mir nichts vor, die Ohnmächtigen wollen sich im Sonnenschein der Mächtigen Sportgrössen sonnen, andere wieder wollen davon reich werden, eigentlich ist aller nicht anders als im Bürgerkrieg im Sudan. Nur ein bisschen weniger blutig natürlich. Und dann die vielen kleinen Gadgets in den Schaufenstern, die man sich kaufen kann, um diese Gefühle der Ohnmacht, die man als eigentliche Verlierer des  Überlebenskampfes unweigerlich bekommt, zu verdrängen. Ich spüre, ich hänge gefährlichen Gedanken nach, ich bin wieder am äusserten Limit angekommen, es braucht nicht viel und ich werde in tiefste Depression fallen. Werde ich mir, wie dies meine Mutter verschiedene Male versuchte, den Selbstmord proben? Bis anhin in meinem Leben, muss ich sagen, konnte ich solchen Gefühlen der Ohnmacht ausweichen, ich steckte immer tief in der Arbeit und hatte Erfolg und viel Kontakte. Doch gegenwärtig bin ich zu wenig beschäftigt und die Leute, die ich während meiner Kindheit kannte, habe ich aus meinem Blickwinkel verloren. Ich habe zu viel Zeit, um über Sachen zu brüten über die ich bis anhin überhaupt nicht gedacht habe. Natürlich will ich das, ich will nicht wieder in meine Geschäftigkeit verfallen, die zum Zerfall meiner Ehe führte. Ich will Zeit haben, über mich nachzudenken und nicht alles verdrängen! Ich brauche einen Menschen, zu dem ich einen intensiveren Kontakt haben kann, dem ich besonders vertrauen kann. Francine? Nein, die ist bei ihrer Doris. Sie hat mich verlassen, seinerzeit. Sie hat mich stehen gelassen. Eine andere Frau? Ich seufze. „Nein.“ Sage ich mir. „Nein, Frauen enttäuschen mich. Francine hat mir nicht das gebracht, was ich eigentlich im Inneren suchte. Sie hat mich verlassen, unerwartet und später hat es mir Ali gebracht, das was ich suche. Dannzumal bin wieder zurückgekehrt, da wo ich in meiner Lebenskarriere mal anfing, bei einer Männerbekanntschaft, nachdem ich in meinem zartesten Alter mit David türmte, weg von meinem Vater und seinen Geschäftsfreunden, denen er mich auslieh! Nach dem was ich jetzt erlebt habe, an tiefer Liebe, mit Ali und später, mit Nicos, will ich nicht wieder zurück in ein Eheleben.“ Und dann: Ich möchte wieder schreiben, an einem neuen Bestseller sozusagen. Doch die Ideen dazu fehlen mir. Die Themen meiner Bücher sind eher tiefgründig, ganz anders, als es meine Persönlichkeit erahnen lassen würde. Ich kann nicht über Oberflächliches schreiben. Denn jetzt, ich merke es intuitiv, bin ich zu tief hinab getaucht in die unergründlichen Tiefen meiner unbewussten Seele, ich brauche Abwechslung von meinem dunklen Ich! Ich steuere heim zu meiner Wohnung, wo ich die Möglichkeit habe, in meinem heimeligen Wohnzimmer die Kantaten von Bach zu hören.  Wie könnte ich es überleben ohne diese Musik, die ich erst kürzlich entdeckte, in dieser Leere; unweigerlich würde ich daran denken, dem ein Ende zu setzen.
Während ich heim zu strebe und so nachdenke, komme ich an einem Jungen vorbei, der auf Zehenspitzen kauert und bettelt. Ich erschrecke. „Nicht alle können sich auch in diesem reichen Land diese Verdrängungsgadgets leisten“, denke  ich mir. „So resigniert ist dieser Junge hier, ganz anders als die anderen, die an mir vorbeihetzen!“ „Im Sudan konnten sich die wenigsten die teuren Gadgets leisten, die man hier in jedem zweiten Schaufenster sieht, aber die Leute, glaube ich, brauchten sie nicht, weil alles menschlicher, natürlicher lebten. Vielleicht auch nur, weil die menschlichen Regungen dort unverhüllter zu Tage traten, weil es von Bomben hagelte und man an jedem Abend froh war, den Tag unbehelligt überstanden zu haben?“ Ich schau mir diesen Jungen genauer an. Er scheint als Bettler keinen grossen Erfolg zu haben. Der Hut ist leer, die Passanten hasten an ihm vorbei und keiner macht schon nur Anstalten zu halten um Geld hervor kramen und es in seinen Hut zu werfen. Ich krame eine Note hervor und werfe sie dem kauernden jungen Bettler hin. Doch kaum bin ich vorbeigelaufen, bekomme ich Gewissensbisse. Der Junge hier, sage ich mir, braucht nicht nur Geld, er braucht auch meine fürsorgliche Hilfe! Ich halte, drehe ich mich um, werfe einen Blick zurück. Das Geld ist neben dem Hut auf den Boden gefallen, der Junge hat es nicht beachtet, er zittert und scheint nicht zu spüren was um ihn herum vorgeht. Die Leute hasten vorbei und haben keine Zeit. Ich gehe zurück, kauere vor dem Jungen, um ihm in die Augen zu sehen, ihm zu fragen, was los ist. Er ist blond, ganz ausgemergelt und seine schönen grünen Augen schauen an mir vorbei, scheinen mich nicht zu beachten. Schweiss perlt auf seiner Stirn, der Körper zittert. Er ist sicher krank, hat hoch Fieber. Ich lege die Hände auf seine Schultern, schüttle ihn, doch er reagiert fast nicht. Er kauert, in zerrissenen Jeans, einem verknitterten und dreckigem Lumber, leichten Turnschuhe tragend, mitten im Winter, auf den Zehenspitzen, wahrscheinlich weil ihn seine löchrigen Turnschuhe nicht vor der Kälte des Bodens schützen. Obwohl es regnet, fühlt man eine durchdringende Kälte. „Er kann nicht weiter draussen bleiben, sonst bekommt er eine Lungenentzündung " denke ich und fahre ihm ohne zu denken, über die kurzen blonden Haare. Der Junge weicht zurück. "Du bist krank, Du musst sofort heim und Dich pflegen." Sage ich ihm, indem ich ihm eindrücklich in die grünen Augen schaue. Doch der Junge schaut mich bloss an aus seinen weitgeöffneten Augen. "Wo wohnst Du." Frage ich jetzt. Keine Antwort. Ich bin nicht weit von meiner Wohnung entfernt, ich weiss, ich muss diesen Kranken heimnehmen um ihn zu pflegen!“ fährt es mir durch den Kopf. Ich denke vorerst gar nicht daran, welche Umtriebe ich mich durch ein solches Handeln einbrocken werde. Wie werden die Nachbarn reagieren, wenn ich einen Jungen, der so jung aussieht, in meiner Wohnung beherbe? Zürich ist nicht Karthum! Doch der Junge schaut mich jetzt herausfordernd an, mit seinen grossen grünblauen Augen die wieder zu Leben gekommen sind, wie wenn er mich als Freier aufgabeln möchte. Ich frage: „Willst Du heim zu mir gehen?“ Jetzt scheint er zum Leben erweckt. „Aha“ ruft er aus. „So einer bist Du! Willst etwas von mir, nicht wahr, für das, was Du mir gegeben hast! Aber natürlich, Alter, für solche, wie Du einer bist, habe ich viel auf Lager. Ich folge Dir, wohin Du willst. Ich habe keine grossen Bedürfnisse. Ich mache alles und dazu noch billig. Ich blasen Dir einen, so schön, wie Du es noch nie erlebt hast, Du kannst mich ficken, nur eines nicht, auf den Mund küssen.“ Letzteres sagt er aber eher nur zaghaft. Wahrscheinlich macht er es doch, wenn er unbedingt muss. Ich bin natürlich ein bisschen überrascht, diese Reaktion hätte ich nicht erwartet. Er fasst das auf, als müsse er noch mehr bieten. "Genügt Dir das nicht“ fährt er fort. „Ich bin auch zu mehr bereit. Wenn es Dich eher antörnt, kannst Du mich auch fesseln und schlagen. Ich bin auch daran gewöhnt. Mache Dir keine Probleme.“  Sagt er nun.  Ich fahre zurück. Für was hält mich der Junge. Da hat man's, wenn man hier in dieser Gegend menschliche Regungen zeigt. Der Junge blickt mich anziehend an, ziert sich wie eine Hure. „Du willst nur das. Gib es doch zu. Tu doch nicht, als ob Du mich nur aus Nächstenliebe ansprichst. Du willst nur Deinen Frust abreagieren, hier, mit einem Stricher, ohne Dich zu binden und sicher dazu noch halb gratis.“ Er lächelt zynisch. „Deine Alte wird das Portemonnaie fest geschlossen halten, nehme ich an wie es bei allen anderen der Fall ist. Und sie gibt Dir das Taschengeld. Wie willst Du das, was Du von mir willst, ihr erklären?“ Und er lacht nervös. Wieder bleiben mir die Worte im Mund stecken.  Jetzt dreht er voll auf, sicher hat er Angst, dass der Fisch nicht anbeisst. „Du hast doch einfach den Mumm nicht, zuzugeben, dass Du eigentlich nur SM willst!“ höhnt er, „Aber, hab keine Angst, ich kann Dir Deine Wünsche an Deinem Blick ablesen, bei mir kriegst du alles, was Dein Herz begehrst.“ Ich weiche zurück. Mache ich wirklich den Eindruck eines perversen sadistischen Freiers? Wie der Zahnarzt bohrt er weiter. "Wenn es wehtut, brauchst Du mir nur ein Schmerzmittel geben!“ fährt er fort. „Glaub mir, ich mache bei allen Deinen perversen Spielchen mit. Nur weg von dieser Kälte, diesem Regen, will ich. Sonst krepiere ich noch.“ „Jetzt sind wir dort, wo ich ursprünglich hin wollte“, sage ich mir. "Die überspitzte Reaktion des Jungen war nur auf  seine Angst zurückzuführen, dass ich ihm nicht folge.“ Es scheint, dass er doch ein Stricher ist. Doch ich  verspüre keine Lust mit einem ausgemergelten, dreckigen Jungen zu bumsen. Obwohl mich dieser attraktive blonde Kerl anzieht. Doch er ist zu direkt. Und so abgrundtief unmoralisch! Ich bin an sowas nicht gewöhnt. Ich stehe auf. Jetzt wo er merkt, dass ich ihn vielleicht doch nicht will, verliert der Junge seine Arroganz, er ist wieder zusammengeklappt, der Oberkörper berührt nun fast das Trottoir. Er schaut mir bittend an, flüstert kaum hörbar: "Hörst Du. Ich mache alles für Dich. Ich brauche Geld für Stoff und ich muss anschaffen. Bitte lass mich nicht im Stich." Bereits sind die Passanten auf uns aufmerksam geworden, halten und schauen neugierig zurück. Ich muss handeln. Ich kann nicht einfach wegschauen, wenn mich jemand mit solchen bittenden grünen Augen anschaut. Der Ladenbesitzer vom Sexladen hinten kommt heraus. „Wird's bald, “ ruft er aus, „habt ihr’s endlich ausgehandelt. Was glaubt ihr eigentlich Euch noch leisten zu können, hier vor meinem Laden. Ihr Schwulensäue! Ihr vertreibt mir meine Kundschaft mit Eurem perversen Getue und Balzen. Wenn ihr nicht bald abhaut, hol ich die Polizei, das kann ich Euch versichern.“ Ich habe aber Erbarmen mit dem Jungen. Ich bringe es nicht übers Herz einfach zu verduften. Und der Junge  scheint ernsthaft krank sein. Wieder kauere ich mich hinab aufs Trottoir und frage:„Soll ich Dich ins Spital bringen?“ Er schaut mich überrascht und plötzlich ängstlich an. „Nein, bitte nicht.“ antwortet er. „Ich habe kein Geld und keine Papiere. Sie werden mich ausschaffen. Bitte nimm mich mit und benütze mich, ganz wie Du willst. Bring mich nur irgendwohin wo es warm und trocken ist. Lass mich schlafen, wenn Du fertig bist mit mir. Ich mache es schon gratis!" Ich rufe aus: „Wenn Du weiterhin hier bleibst, wirst Du heute Abend tot sein. Ich bringe Dich zu mir heim.“ Dem Ladenbesitzer aber ist die Geduld endgültig ausgegangen, er wird nun eklig und nimmt sein Handy hervor. Ich fühle mich nicht wohl und unter Druck. Was soll ich tun? Ich weiss, ich weiss: Mein "Freund" Joachim Rindernatz, der sich mir aufdrängte, als ich mal in die Beiz ging, um die Gedanken zu ändern, würde einfach woanders hin schauen um nicht hineingezogen zu werden in etwas Unangenehmes. „Denk mal.“ flüsterte er mir letzthin auf einer gemeinsamen Beizentour zu in seiner hohen Fistelstimme. Ich wich zurück denn es roch nach billigem Wein, Zwiebeln und Brissago. „Diese Scherereien wenn sie doch nicht 18 sind wie sie es Dir sagen. Und wenn schon stimmt, dann hauen sie Dir eins übers Ohr und rauben die Wohnung aus bevor sie verduften…..Und das Theater mit der Alten daheim wenn sie draufkommt. Nein, heimnehmen würde ich sie gewiss nie mehr.“ Er seufzte, als könne er Bände erzählen darüber. „Claro,“ sagte er dann, nachdem er meine Überraschung im Gesicht gesehen hatte. „Dies Problem hast Du nicht. Die Deine ist zu den Maoris getürmt. Wenn‘s meine nur tun würde anstatt mir nur immer damit zu drohen. Ich würde gerne was zahlen wenn die Maori mir ihren geschrumpften Kopf zurückbringen würden.“ Er seufzte wieder und schaute zur Decke, als würde er zu Gott beten, dass dies zutrifft. Dann flüsterte er mir ins Ohr: "Komm doch mit mir. Bei der Klappe am Häberliplatz hat‘s Stricher haufenweise. Machen es sogar ohne Gummi. Billig. Du brauchst nichts befürchten. Du kompromittierst Dich nicht. Musst nur weglaufen und von nichts wissen, wenn sie Dir nicht gefallen oder wenn, Gott behüte, die Schmiere vorbeikommen sollte auf einer Tour." Doch Joachim ging allein zur Klappe am Häberliplatz an jenem Abend, fluchend über diesen schlechten Kameraden und seit diesem Gespräch kannte er mich nicht mehr wenn ich ihn auf der Strasse kreuzte. So etwas Gemeines kann ich einfach nicht machen, es ist einfach nicht meine Art. Ich bin blödsinnig aufrichtig, schon mein Vater ist an mir verzweifelt! Von wegen: Natürlich sind alle Zeichen auf Alarm bei mir, ich hätte weglaufen sollen von diesem Problem und von nichts wissen! Denn es könnte  eine Finte sein, dieser Junge könnte einer Bande angehören, könnte ein Köder sein, damit eine kriminelle Organisation bei mir einbrechen kann! Doch ich denke keinen Moment an so etwas. Ich denke wirklich nur an den kranken Jungen, der dringend Hilfe braucht. Ich habe auch keine Angst vor Überfällen und Ganoven, denn in der Bürgerkriegsregion Sudan musste man immer damit rechnen. Der lange starke Abdullah hat mich instruiert, damit ich mir in solchen Fällen selber helfen kann. Da kann einer noch so abgefeimt sein und Waffen tragen, gegen mich kommt er nicht an! Jetzt scheint der Junge das Bewusstsein verloren zu haben und döst nur so hin mit geschlossenen Augen. Schon nur, dass er mir diese Rede hielt, die von vorhin, scheint ihn überfordert zu haben. Ich kauere wieder nieder, fahre mit dem Arm unter seine Oberschenkel und hebe ihn  auf. Er ist ein Fliegengewicht. Und unter den bösen Blicken des Ladenbesitzers trage ich ihn weg. Über Umwegen, damit allzu Neugierige nicht darauf kommen, wo ich wohne, trage ich ihn heim. Das Fieber  schüttelt den Jungen am ganzen Körper, aber sonst ist er ganz ruhig und legt seinen Kopf an meine Brust. „Junge, Junge.“ Sage ich mir. „In was für ein Abenteuer hast Du Dich jetzt wieder gebracht! Du wirst es nie lernen.“ Doch ich bereue meine Handlung nicht. Solche Nervenkitzel halten mich jung und frisch. Obwohl es mir nicht ganz wohl ist dabei. Und obwohl es mir schleierhaft ist, was ich machen soll, da der Junge offensichtlich drogensüchtig ist und ich keine Kontakte mit Drogendealer möchte! Natürlich habe ich im Sudan mit Drogen viel zu tun gehabt. Jedermann in dieser Kriegsregion schien darauf angewiesen. Doch ich konnte mich heraushalten. Ich bin nicht süchtig geworden und weiss nicht, wie man es hier beschaffen kann. Wenn ich  logisch überlege, verstehe ich nicht, warum ich mich in dieses Abenteuer hereinziehen liess. Doch auch mein Sudan-Abenteuer mit Ali fing so an, und das hat mir unendlich viel gebracht. Ich habe die Tendenz, zuerst zu handeln und dann erst zu überlegen. Wenn ich im Nachhinein Bilanz ziehe, muss ich sagen, dass ich dies nie bereut hat, es hat mir mehr schöne Abenteuer gebracht hat als Scherereien, Und die Scherereien habe ich im Nachhinein alle vergessen. Doch das ist mein Leben. Seitdem ich ausgerissen bin mit 12 und im Regents Park David kennengelernt habe, habe ich immer nur intuitiv gehandelt und kam nie dazu, dies zu bereuen.

Ich lege den fast bewusstlosen Jungen auf mein Bett, denn das Bett vom Gästezimmer ist nicht angezogen und das Gästezimmer ist nicht geheizt. Ich gehe in die Küche und bereite einen heissen Instanttee zu und bringe ihn ihm ans Bett zusammen mit einem fieberhemmenden Medikament und einem Fiebermesser. Der Junge schläft, angezogen, er liegt auf der Seite, hat die Beine angewinkelt, wie wenn er sich verschliessen möchte. Ich fahre ihm mit der Hand über die Haare und lege die Hand auf seine Stirn:  er hat sicher hoch Fieber, da muss ich nicht lange messen. Der Junge erschrickt und erwacht sofort. Er sitzt auf, lässt sich vom Bett hinab gleiten, kniet sich vor mich hin und macht Anstalten, meine Hosen zu öffnen. Ich weiche zurück. Das will ich jetzt nicht, das geht mir zu schnell. Ich kauere hinab, nehme seinen Kopf in meine Arme und schaue ihm in die grünen Augen. "Nicht so hastig, “ sage ich. „Ich brauche Zeit und muss mich an Dich gewöhnen. Natürlich, das hast Du schon richtig bemerkt, ich bin so einer wie die, die Du sonst bedienst. Ein Lüstling, ein Perverser, ein Araber vom anderen Ufer, alles was Du willst! Aber ich habe noch nie gefreit und Geld bezahlt und will das auch nie machen.“ (Entschuldigt meine Notlüge natürlich war da dieser Stricher, den ich lieber vergesse würde!) Ich fahre fort. „Ich heisse Ramon, wie heisst Du?" "Kolja." Murmelt er indem er mich aus seinen verblassten grünen Augen anschaut. Ich fasse seine Hände und ziehe ihn zu mir hinauf. "Schöner Name, “ sage ich, „ist  das  russisch?“ Er nickt. „Aber Du redest ja gut Deutsch.“ Sage ich. Gar nicht wie ein Russe. Wie treuherzig die schönen grünen Augen mich anblicken. Ich fühle mich angezogen von diesem schönen Jungen. "Schön bist Du und ich liebte Dich schon beim ersten Anblick.“ Sage ich nun. „Darf ich dich küssen?“ frage ich, und wie er mir darauf nicht entgegnet, drücke ich ihn an mich, und lege ihm meine Lippen auf die seinen. Alsbald jedoch fahre ich zurück. Der Geruch, der in einem Schwall aus seinem Mund kommt! Bin ich mir nicht gewöhnt. Kolja putzt sich offenbar nie die Zähne. Nach dem wie es aus seinem Mund stinkt, könnte man meinen, dass er in letzter Zeit nur Abfälle gegessen hat.  Er erschrickt, dass ich so zurückschrecke. Schon ist er wieder auf den Knien und versucht wieder, mit seinen Händen meinen Hosenladen zu öffnen. „Nein. Nein.“ wehre ich ab. „Ich erwarte jetzt wirklich nichts von Dir. Sieh nur, wie Du zitterst und frierst! Zieh Dich nun endlich ab und leg Dich in mein Bett.“ Ich öffne den Kasten und ziehe saubere Betttücher  hervor. Die meinen ziehe ich vom Bett ab, während ich ihm sage: „Ich geh sofort hinaus, nachdem ich das Bett neu bezogen habe. Trink diesen Tee und nimm dieses Medikament und nimm den Fiebermesser unter die Achselhöhlen. Du hast, glaube ich, sehr hoch Fieber, Kolja, und ich möchte zuerst, dass Du gesund wirst. Du bleibst hier bei mir, bis Du wieder ganz gesund bist und nachher werden wir weiter sehen.

Moskau

Natürlich bin ich im Dilemma.  Wenn man seine Liebe so verzettelt auslebt, wie ich das momentan mache, ist das normal. Ich begnüge mich nicht mit einem einzigen Schatz, wie die meisten. Nein, ich liebe Nicos, José, Kolja und wenn Alain noch leben würde, und habe immer das Gefühl, sie alle bräuchten mich. Wo bleibt da noch Simon. Er ist der einzige, der mir nie Sorgen macht. Er lebt sein Leben, arbeitet, erholt sich und nie muss ich mich um ihn kümmern. Francine, die jahrelang meine einzige Liebe war, lass ich endgültig auf der Seite, seitdem sie mich mit dieser Doris verraten hat. Nun, so ist es eben. Ich bin zerrissen zwischen den Verpflichtungen, die ich mir aufgelegt habe. Ich muss in Russland bleiben, bis Kolja wieder auf freiem Fuss ist. José, der nette Junge, den ich in Mexico auflas, braucht aber auch meine Hilfe. Ich kann mich aber nicht teilen. Kolja wird als erster Hilfe erhalten. José ist vorerst verschwunden. Ich vereinbare einen Termin mit meinem Anwalt. Ich weiss nun alle relevanten Daten und teile sie ihm mit. Da er wie mein Anwalt informiert wurde bei einer Drogen-Schmuggel-Bande mitmachte und da offensichtlich noch Mordverdacht vorliegt, wird es schwierig sein, teilt er mir mit, ihn auch gegen eine ansehnliche Kaution  loszukriegen. Er muss an eine Verhandlung und vertröstet mich auf später. Ich kehre zurück ins Hotelzimmer. Ich schliesse sämtliche Läden, sitze auf den Couch und denke nach über die Lage, in der ich mich wieder befinde.  Ich fühle mich verantwortlich für José und für Kolja, habe das beiden immer wieder versprochen, dass ich sie nie im Stiche lassen werde. Doch wie soll ich meinem Verpflichtungen nachkommen? Kolja ist hier in Moskau und hat sich dismal sehr fest in die Nessel gesetzt. Es sieht nicht danach aus, dass ihn mein Anwalt schnell aus dem Gefängnis befreien kann. José verhungert auf der Strasse in Mexiko-City. Ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen, das muss ich sagen, obwohl ich ihn eigentlich nur kurze Zeit kenne. Die Angelegenheit ist kompliziert und ich sehe keine Lösung. Wie immer in solchen Situationen wo ich nicht mehr weiter weiss, konsultiere ich das Tarot. Meine Grossmutter, die Zigeunerin, hat mich recht gut in diese Wahrsagemethode eingeführt. Das Desk, das sie brauchte, hat sie mir bei ihrem Tode vermacht. Es ist von ihr selbst gezeichnet und gemalt nach den alten Karten, die auch ihre Grossmutter, damals noch in Rumänien, brauchte. Meine Grossmutter war nämlich aus einem Klan der in der Umgebung von Sibiu oder Hermannstadt  umherzog. Heute ist nicht mehr viel von der Familie meiner Grossmutter übrig. Viele sind während des Weltkriegs von den Nazis in Umerziehungslager gesteckt worden und viele die überlebten sind dann nachher während der Regierungszeit Ceausescus ausgewandert. Ich habe diese Gegend später Mal besucht weil ich wissen wollte, wo Grossmutter herkam. Ich habe einen Flug nach Hermannstadt gebucht und bin dort durch die malerischen Gässchen gewandert und habe das Bruckenthal-Museum besucht, wo ich besonders die nackten Brüste der Procuresse von Bronckhorst bewunderte und mir anschliessend bei der Betrachtung eines Gemäldes von Pontius Pilatus von Bramer so gewissermassen die Hände in Unschuld wusch. Dann bin ich mit der Strassenbahn, die ausnahmsweise Mal fuhr ins malerische Hirtendorf Rasinari gefahren. Eine alte Frau die strickte und mir vom herrlichen Geisskäse anbot, den sie im Markt von Sibiu verkauft hatte und der ihr noch übrig geblieben war erzählte mir, dass der verstorbene Bischof von Hermannstadt der in Rasinari aufgewachsen war, diese Strassenbahn bauen liess, damit er seine Eltern besuchen konnte. „Se non e vero e ben trovate!” dachte ich mir, sagte es aber der alten Marktfrau nicht, um sie nicht zu beleidigen, denn alte Leute darf man nicht unnötigerweise beleidigen, hat mir meine Grossmutter immer gesagt! Ich erzählte dieser Dame, dass ich von Zigeuner aus dieser Umgebung stammte und sie sah mich danach misstrauisch an. Wie mir scheint, sind Zigeuner bei den Rumänischen Einwohnern nicht sehr beliebt und das habe ich in Rasinari feststellen können, denn alle Häuser sind mit hohen Mauern umgeben und alle Fenster und Türen zur Strasse hin sind immer geschlossen und verriegelt. Ja nun, mich stört’s nicht, ich selbst bin kaum mehr ein Zigeuner, mein Vater ist Schweizer, meine Mutter eine Zürcherin! Und mit den Zigeunern, die noch in Rumänien leben kann ich nicht viel anfangen, in einem Zigeunerdorf nicht weit von Rasinari entfernt leben, sie sind eher degeneriert, vom Kulturgut, das sie mitgebracht haben und wovon mir von meine Grossmutter an langen Winterabenden erzählte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sie leben auch nicht mehr in ihren schönen Wohnwagen und ausser Betteln haben sie offensichtlich keine Möglichkeit mehr ihr Leben zu verdienen. Ich liess mir zwar erzählen, dass die Zigeuner noch gute mit Metallen umgehen können, Pfannen gibt es kaum noch welche, die sie flicken können; doch sie sind scheint’s die Spezialisten, wenn es darum geht, die schönen Bleidächer der Kirchen zu erneuern oder zu flicken. Auch Hirten traf ich nicht viele an in Rasimari. Eine Kirche allerdings imponierte mir, sie ist verziert mit wunderschönen Fresken die auf der Aussenfassade gemalt sind.
Ich mische die Karten und lege ein spezielles Tuch auf den Boden. Dies Tuch ist aus Seide, mit reichbestickten Bordüren und wurde mir auch von meiner Grossmutter geschenkt. Grossmutter hatte einen grossen Ruf als Wahrsagerin, sie hat vielen namhaften Politikern und Firmenchef beraten und wurde reich dabei. Einiges von ihrem grossen Wissen hat sie mir weiter gegeben, obwohl ich eigentlich von diesem alten Zeugs in meiner Jugend nichts wissen wollte. Ich war ein moderner aufgeklärter Mensch, der auf die Wissenschaft und die Technik vertraute, von verstaubtem und irrationalem Zeugs wie Handleserei, Tarot etc. nichts hielt. Heute habe ich gemerkt, dass ich zu hochmütig war. An anderer Stelle wird von mir geschrieben, dass ich ganz kaltblütig reagierte, als Francine auszog und einfach selbst die Wohnung auflöste und nach dem Sudan zog um nach der kretischen Streitaxt zu suchen. Natürlich lief das nicht so glimpflich ab. Ich fiel in eine tiefe Depression, machte einen Versuch, mir das Leben zu nehmen, wurde in die Klinik eingewiesen und später zur psychologischen Betreuung. Dr. Müller, eigentlich Oliver, war ein Jungianer. Deshalb kam ich dazu auch über die Bücher von Jung zu reden und sie zu lesen. Oliver glaubte an das kollektive Unterbewusste und ich nahm wieder die Karten meiner Grossmutter zur Hand. Heute habe ich nicht die Karten meiner Grossmutter mitgenommen, die sind mir zu kostbar. Ich habe ein gekauftes Set, die Karten gezeichnet von Frieda Harris nach Angaben von Crowley. Dieser Crowley hat mir immer imponiert, ich habe mich mit seinem Leben beschafft. Allerdings möchte ich mich nicht auf Geister verlassen um zu Geld zu kommen, da ich ja genügend geerbt habe, und mache deshalb einen grossen Bogen um seine Magik. Ich werfe die Karten mit dem Rücken nach oben aufs Tuch, mische sie mit den Händen und nehme aufs gerate wohl eine Karte – es ist das 10 der Kelche - 10 volle Kelche (ob Wein, irgend ein anderes Wässerlein oder Wasser sei dahingestellt) die aufgereicht sind vor einem blutig roten Hintergrund! Vielleicht ist dies die hintere Haut der Gebärmutter! Eine Geburt sagt die Zahl 10 ja immer voraus! Die neun ersten Pokale in den unteren Rängen sind überfüllt und die Flüssigkeit tritt über die Ränder und fliesst gegen unten in die unteren Pokale. Auch aus dem ersten Pokal tritt Flüssigkeit. Oder ist es Flüssigkeit, die aus Kether nach Binah und Malkuth fliesst oder ist es und ein Tuch das aus Kether steigt um die Sephira der magischen Dreiheit zu bedecken. Zehn ist ja immer eine vollständige Zahl. Das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen Ära. Der Beginn eines Umsturzes im Leben! Ich sage, ich bin leicht überrascht über dieses Resultat meiner Nachfrage. Was für ein Umsturz erwartet mich, frage ich mich? Nein, ich bin weder glücklich noch zufrieden mit dem Resultat. Wäre ich nur ein Anfänger, ich würde aufgeben, mein Schicksal mit den Karten zu erfragen. Das letzte, was ich erwarte, ist eine Änderung des Status quo in meinem Leben. Niemand liebt eine solche Änderung, nein. So wie es ist, ist es gut. Aber ich bin kein Anfänger. Ich weiss, dass der Tarot viele Gesichter hat und das nur die Korrelation der einzelnen Karten zueinander zählt in der Auslegung. Ich nehme mir eine zweite Karte. Diesmal ist’s der Hohepriester. Die Angelegenheit ist in guter Hand und entwickelt sich wie sie sich entwickeln muss, trotz meiner Vorbehalte. Diese Erkenntnis ist eindeutig und stösst mich deshalb ab. Was heisst, „wie es sich entwickeln muss.“ Nichts, das mich in meiner jetzigen bangen Situation beruhigt. Aber klar, wenn ich mich meinem inneren Führer zuwende, wird er mir die Lösung meines jetzigen Problems aufzeigen. Ich kann mit meinem Verstand nichts dazu beitragen. Ich muss warten, bis er es für richtig empfindet, mich aufzuklären. Ich kann nur sitzen und beten. Zu wem ich beten soll, das ist mir auch klar. Zu Sandalon, dem Erzengel, der die Sephira Malkuth bewohnt. Denn Malkuth ist die realistische Ebene des Baumes. Und um die realistische Ebene geht es hier. Eine halbe Stunde meditiere ich über Sandalon, folge dem Pfad, der von Netzach, der Sephira des Chaos‘ und des Neubeginns nach Malkuth führt. Gerade wie ich wieder ins Hier und Jetzt gelange, klingt das Telefon. Es ist mein Freund der sich hier in Moskau aufhält. Er lädt mich ein zum Abendessen. Ich sage zu, denn ich kann nichts tun, nur warten. Mein Anwalt erreicht mich ja sowieso. Es ist eine Möglichkeit, mich zu zerstreuen, meine Sorgen zu vergessen für einige Stunden und irgendetwas wird mir sicher einfallen, wenn ich nicht nur an dies denke, des bin ich mir sicher.

Wie ich zurück ins Hotel komme, nachdem ich einen angenehmen Abend mit meinen Freunden zusammen erlebt habe, liegt ein Fax meines Rechtsanwalts vor. Er hat es erreicht, dass das Gericht bereits morgen Mittag über Kolja tagt. Am nächsten Mittag beschliesst das Gericht, das Kolja gegen eine Kaution frei wird.

In San Franzisco

Seine Achtung für mich ist bedeutend gestiegen. Noch vor weniger als einer Stunde schätzte er mich ein als ein dummer Tourist und wollte mich um Hundert Dollar erleichtern. Jetzt sieht er Vorteile für sich. Wird er sich je in mich verlieben, so, wie ich es gerne möchte? Ich hoffe es ernsthaft. Wie wir vorbeifahren an den Villen ruft er aus: „How posh. Lebst Du schon lange hier.“ „Nein“, antworte ich. „Ich bin vorübergehend hier. Meine Jacht ist auf dem Weg hierhin. Ich lebe auf der Jacht, einem Schiff mit drei Decks und einem Swimming Pool. Das ist billiger. Da zahlt man keine Steuern, weil das zu keinem Land gehört! Natürlich habe ich so eine Villa in Saint Tropez, und eine in Acapulco und eine in Rüschlikon bei Zürich! Aber das Schiff gefällt mir besser.“ Jetzt frägt er: „Wer bist Du denn?“ Dumme Frage. Der Teufel hat auch keinen Namen hier auf Erden. Ich denke aber, er hat ein Recht zu wissen wer ich bin, der Chauffeur, denke ich mir, hat das schon lange erraten. Ich neige mich hinab und flüstere ihm meinen Namen ins Ohr, will es nicht laut sagen, vor diesem neugierigen Taxichauffeur, der die Ohren streckt, wie mir scheint. Aber nun habe ich die Neugier des Jungen geweckt. Er küsst mich, voll auf den Mund und flüstert mir zu, auch ins Ohr: „Du bist so schön. Auch ich will Dich. Küsse mich und streichle mich!“ Und fährt fort, „Ich bin nicht so unschuldig, wie ich es Dir vorhin sagte. Ich habe die Bilder von Dir gesehen in der Zeitung und Du gefällst mir! Und ich bin über 16.“ Wieso nur muss er mir das sagen. Mir ist das gleich. Ich habe nie daran gezweifelt, dass er mich lieben würde. Und ich bin Hals über Kopf in ihn verliebt. Nichts kann mich davon abhalten, dass zu tun, worauf ich Lust habe.
 
Ich lebe im Penthouse des Regisseurs Gandarachian in Los Angeles, dem ich meine Villa in Saint Tropez zur Verfügung gestellt habe. Hier ist es diskret. Paparazzi kommen hier nicht hinein. Ganze Heerscharen von privaten Securitymänner überwachen das Terrain und halten uns diese Schakale fern. Kaum bin ich eingetreten, in das Penthouse, schliesse ich die Tür. Ich lege eine CD mit dem Violinkonzert von Brahms in den Player. Ich fiebere darauf, mehr zu haben, von ihm. Ich gehe nieder auf die Knie vor ihm, öffne seinen Hosenladen und reiche hinein mit meiner Hand um das zu finden, was ich suche. Ich ziehe es hinaus mit meiner Hand, es vorsichtig haltend, wie ein fragiles Ei. Er lacht. Schon ist das Dings hart und steif geworden in meiner Hand und ich schiebe es in meinen Mund und schlecke daran.  Mir scheint es ist so schön, so sauber, so weiss, hat eine blaue Ader die hervorsticht! Aber auch bei mir regt es sich, will heraus. Mit der anderen Hand öffne ich meinen Hosenladen und ziehe es raus. Auch meines ist hart und steif geworden. Er zieht mich hinüber zur Couch, direkt unter dem offenen Fenster, mit Blick auf Los Angeles. Er neigt sich hinab zu mir, er, der wunderschöne Jüngling mit den langen blonden Haaren und den blauen Augen und schleckt nun mit seiner weichen Zunge an meinem Ding. Gandarachian ist ein Ästhet. Er liebt es nicht so sehr, auf der Couch zu sitzen und die Aussicht zu geniessen. Er zieht es vor, mit dem Rücken zum Fenster und der Sicht auf den Renoir, der Sicht auf die dicke nackte Lucie mit den riesigen Brüsten, die ich ihm schenkte, diese Weihnachten. Er ist ein Fan von Versailles und schwärmt alles funkelnde, vergoldete, eindrückliche, so wie weiland der gute König Ludwig XIV. Er hat in die Rückenwand des Raumes grosse Spiegel einbauen lassen, und davon nur eine Nische übriggelassen, wo mein Renoir hängt, damit er nach der Arbeit und bei Partys mit seinen Schauspielern und seinen Freundinnen hier sitzen kann und reden kann, im Kreis um die Tische und gleichzeitig die Aussicht geniessen kann. Mir ist’s auch recht, denn ich sehe meinen schönen Adonis inmitten der ganzen Aussicht, nackt, ohne dass niemand anders dies sieht. Wunderschön, pompös und atemberaubend. Ich bin ganz hin und nehme Alec’s Haut und Duft ein mit allen meinen Sinnen während meine Ohren den lebhaften Klängen meines José horchen. Denn dies ist natürlich das Konzert von Brahms gespielt von José, das von allen Kritikern hoch gelobt wurde, seinerzeit, als es herauskam und während er noch studiert. Alec hat es genau gleich pressant wie ich. Er zieht seine Schuhe und Strümpfe aus und seine nackten Zehen streicheln nun meine Hoden. Ich bin über ihn gebeugt und schlecke und küsse seinen Penis, seine Hoden und seinen Schoss. Fieberig wie ich bin, stehe ich auf und ziehe mich ganz ab. Ich küsse ihn und meine Finger streicheln sein langes blondes seidenes Haar und wieder presse ich meine Lippen auf seinen Mund und dringe mit meiner Zunge in seinen Rachen. Mit meinen Fingern suche ich nach weiteren Plätzen, wo ich ihn streicheln kann, fahre über seinen Körper Eins nach dem anderen öffne ich die Knöpfe seines Hemdes, spüre gleichzeitig seine nackten Zehen die wieder über meinen Schoss und seine schönen Hände die über meinen Körper und über meine Hinterbacken streichen. Endlich offenbart sich mir sein ganzer schneeweisser Körper (wie bringt er das auch fertig, so schneeweiss zu bleiben, unter der stechenden Sonne von Los Angeles!). Meine Finger gleiten über seine sanfte Haut und hinten die Backen herab, schlängeln sich zwischen seine Beine, streicheln seine Hoden und, von vorne, diesmal, gleiten in den Spalt seines Hintern, … um, ganz plötzlich, innezuhalten. Ich erschaudere. Ich fühle wie seine Backen ganz bedeckt sind von Narben und spüre plötzlich wie eine warme Flüssigkeit über meine Hände fliesst. Es ist Blut. Seine Narben haben sich unter den Karessen meiner Finger offensichtlich geöffnet. Ich denke an das Sofa von Gandarachian, ich will es nicht mit Blut verflecken, dass man fast nicht wegputzen kann. Er bewegt sich nicht. Ich kann mir gut vorstellen, wie es aussieht auf seinem Hintern. Kann mir auch vorstellen, wie weh es tun muss. Zur Sicherheit reiche ich hinüber zum kleinen Salontischlein aus Onyx und ziehe das Tuch ab, das darüberliegt. Ich lege es übers Sofa und schäme mich, dass ich an so kleine Sachen gedacht zu haben. „Du bist verwundet“ rufe ich aus, natürlich überflüssigerweise. Wieso hast Du nichts davon gesagt davon, im Taxi muss es Dir ja besonders weh getan haben.“ Ich küsse ihn wieder, wie er da liegt, unter mir und schaue ihn genau an. Das weisse der Augen ist ganz rot geädert! Und um seine Augen sind dunkle Ringe. Ich bemerke auch das komische Glitzern in seinen Augen, die ganz starr gerichtet sind. Jetzt verstehe ich es, wieso er immer so schwitzte im Taxi und wieso sein Körper immer so gezittert hat. „Hast Du Dich gedopt?“ rufe ich aus. Ich packe seine Augenbrauen, ziehe sie hinauf und schaue darunter. Es gibt keinen Zweifel daran, er steht unter dem Einfluss von Rauschgift! Dass ich das nicht schon viel früher gemerkt habe! Ganz plötzlich ist mein Eifer verlöscht. Es mit einem zu treiben, der vom Stoff ganz high ist. Nein, das ist pervers. Und doch schäme ich mich, so harsch reagiert zu haben. Er weint. Und kniet plötzlich vor mir, flehend: „Bitte, Ramon, nimm mich. Du hast mich so heiss gemacht, nimm mich, bitte, lasse mich allein in dieser Regung. Wahrscheinlich schaue ich ihn immer noch abweisend an. „Bitte“, fleht er jetzt. „Bitte schick mich nicht weg. Ich habe kein Geld und weiss nicht wo schlafen, heute Nacht.“ Ich überlege wie die Situation ist. Ich glaubte, er liebe mich und eigentlich hat er es nur so gemacht unter Einfluss von Rauschgift. Er ist ganz sicher kein ungeschriebenes Blatt. Und ich hasse es, Liebe mit Prostituierten zu machen. Ich habe mich in ihn verliebt, habe ihm das Blaue vom Himmel versprochen und kann nicht zurückkrebsen. Denn es ist nicht so, wie ich es erwartet habe. Ich freute mich schon, einen schönen Jungen verführt zu haben und merke plötzlich, dass ich derjenige bin, der erwischt wurde. Ich habe mich verliebt in einen Rauschgiftsüchtigen der alles tut, um sich den Stoff zu beschaffen. Und dessen Haut trotzdem so frisch ist, wie ich das ich nicht für möglich gehalten hätte. Zurückkrebsen jedoch kann ich nicht. Nicht wegen meiner Eitelkeit, nein, sondern weil ich mich, unsterblich in ihn verliebt habe in der Zwischenzeit. Es geht mir nicht mehr nur um ein Erlebnis, nein, ich realisiere es ich liebe ihn bereits unsäglich und könnte es mir nicht vorstellen, ohne ihn leben zu müssen! Nein, mein Entschluss ist gefasst. Ich knie auf den Boden und umfasse ihn mit beiden Händen und bitte ihn darum, mir zu verzeihen. Sage ihm, dass ich ihn liebe, unsterblich in ihn verliebt bin, ohne ihn keine Sekunde mehr leben kann. Ich bitte ihn kniend vor ihm, aufzuhören zu weinen und wische ihm die Tränen vom Gesicht mit einer Ecke des Tuches. Ich trage ihn ins Schlafzimmer, er ist leicht in meinen Armen, und lege ihn auf den Bauch und betrachte die Wunden an seinem Hintern. „Mein Gott“, sage ich. „Du bist aber verwundet. Wer hat Dir dies angetan! Ich könnte ihn durchpeitschen, diesen Sauhund!“ Und weine und umarme ihn. Er weint lautlos, ohne zu antworten. „Nein, “ sage ich, „ich werfe Dich nicht hinaus. Nein, das kann ich nicht über mich bringen.“ Wenn ich mich verliebe, vergesse ich mich wohl ganz. „Du kannst bei mir bleiben, solange Du willst und ich hoffe, dass Du für immer bleiben wirst. Aber Kiffen oder Heroin spritzen wirst Du bei mir nicht, dass kann ich Dir versichern. Das akzeptiere ich nicht. Anständige Leute tun das nicht!“ Ich denke gar nicht daran, dass ich ihn verwunden könnte und gehe zurück um in seinen Taschen nach Stoff zu suchen. Ich finde welchen. Wie ich ins Schlafzimmer zurückkomme, ist er eingeschlafen, wacht jedoch wieder auf.  Er sieht, dass ich das Gift in der Hand halte und springt auf mich zu, um es mir wegzunehmen. Aber ich bin stärker. Obwohl er sich an meinen Hals klammert, und gleichzeitig versucht, mir das Säckchen aus der Hand zu nehmen, in der ich es habe, gelingt es ihm nicht. Ich schüttle ihn ab und er fällt unsanft auf  den  Boden. Er weint. Er ist auf den Hintern gefallen und es tut ihm sehr weh. Ich kann es nachfühlen. Ich knie hinab um ihn zu trösten, er aber schubst mich weg. Nun stehe ich aufrecht über ihm, seine Augen sind wieder voll Tränen und er blickt mich flehend an. Ich kann es nicht aushalten. Doch ich will ihm ganz bestimmt nichts mehr geben. Ich hebe ihn auf und lege ihn aufs Bett. Ich geh hinaus auf die Toilette, werfe das Beutelchen mit dem Stoff in die Schüssel und betätige die Spülung. Irgendwie hätte ich es nicht tun sollen, merke ich dann. Denn wie ich zurückkomme, schläft er endlich, tief und fest. Ich habe es mir vorgenommen, ihn zu befreien. Doch ich habe keine Erfahrung mit Drogensüchtigen die keine Drogen mehr haben. Mitten in der Nacht wacht er auf und schreit und schlägt um sich und ich verbringe eine schlechte Nacht. Denn jetzt liege ich neben ihm und bin ganz erregt von seiner warmen Haut. Ich bin kein Heiliger und kann nicht verzichten, das muss ich zugeben. Wenn ich Alec ganz nackt neben mir habe, seinen Körper sehe und rieche, bin ich wieder ganz erregt, knie neben ihm, die Knie weit gespreizt und fühle wie sein steifes Glied meinen Bauch streichelt. Ich stosse ihn ein bisschen zurück, bis der Penis hinabrutscht, zwischen meine Beine, schliesse meine Beine und streichle ihn mit meinen Innenschenkeln. Nun kann er nicht mehr Widerstand leisten, er lacht und bewegt seinen Körper im Rhythmus. Er zittert wieder vor lauter Erregung. Ich umschlinge seinen Kopf mit meinen Armen, küsse ihn überall und am Schluss auf seinen Lippen und meine Innenschenkel reiben seinen Penis. Dann neige ich mich hinab und schlecke seinen Penis während ich seinen ganzen Körper mit beiden Händen streichle. Er rutscht näher zu mir, bewegt sein Glied damit es sich noch mehr errege in meinem Mund und kommt, in meinem Mund. Ich schlucke seinen Samen herab und weine aus Freude.

Doch jetzt bin ich wieder ruhig. Ich streichle über seine Hinterbacken. Ich muss einen Wundumschlag machen darüber. Ich sage: „Warte, ich hole Merfen, Wundsalbe und Wundpflaster, um Deine Wunden zu behandeln.“  Ich gehe ins Badezimmer, wo Gandarachian, nehme ich an, einige Pflaster und Medikamente hält.  Nach dem dritten Kasten, den ich öffne, werde ich fündig. Dort sind Präservative, Gleitsalben und andere komische Sexsachen. Aber hinten dran ist Merfen, eine Wundsalbe und Pflaster. Einige Zeit habe ich aber verloren, indem ich danach suche und wenn ich zurückkomme, steht er nicht mehr im Zimmer, steht mitten im Wohnzimmer wo wir unsere Kleider gelassen haben und versucht, seine Jeans anzuziehen. Ich fühle es an mir selbst, wie er das Gesicht verzieht, was für Schmerzen es ihm bereitet, die engen Röhren seiner Jeans über die schmerzenden Wunden am Hintern anzuziehen.  
Wieder stehe ich hinter ihn, umschlinge seinen Körper mit meinen Armen und versuche ihn aufzuheben um ihn zurückzubefördern ins Schlafzimmer. Er versucht, sich aus meinem Griff zu winden. Er ist verärgert. Plötzlich dreht er sich um und hat ein kleines Messer in der Hand. Er will mir das Messer in den Bauch stossen, aber es prallt an meiner Hand, die ich rechtzeitig schützend vor den Bauch hielt, ab. „Keine Bewegung mehr, “ zischt er „Gib mir Dein Portemonnaie und lass mich laufen.“ Ich bin überrascht. Aber ich bin nackt, blute und habe kein Portemonnaie. Das ist in meinen Jeans, die noch am Boden liegen. Ich sag es ihm und er versetzt mir mit seiner Faust einen Hieb auf den Kopf, dass ich hintenüberfalle. Er greift in die Taschen meiner Jeans, rennt zum Ausgang, schlägt die Türe hinter sich zu beim Herausgehen. Er schlägt sie aber zu stark zu, sie schlägt gegen den Rahmen und  und sie öffnet sich wieder. Ich höre wie er die Treppe gleich zwei oder drei Schritte aufs Mal hinunterrennt. Dann höre ich einen lauten Knall und ein Fluchen und weiss, jetzt ist er die Treppen hinabgefallen. Ich liege am Boden, bin noch ganz benommen.  Alles tut mir weh, besonders die Lenden wo das Blut herausfliesst und mein Kinn, wo mich seine Faust traf. Das Messer hat nur meinen Handrücken aufgeschürft und keine gefährliche Wunde hinterlassen. Ich bin ganz benommen und stehe mühsam auf.  Vorerst stehe ich recht unsicher auf den Beinen. Da klopft‘s an der  Türe und herein kommt der Wächter, ein riesiger Kleiderschrank und hat Alec’s Körper über die Schultern geworfen. Wie er sieht dass ich nackt dastehe und blute, will er zum Ausgang zurück. Er sagt indem er Alec auf den Boden stellt: „Dieser ist die Treppe heruntergefallen und direkt in meine Arme. Er behauptet er sei bei Ihnen gewesen. Er war offensichtlich auf der Flucht. Hat er ihnen was gestohlen? Hat er sie angegriffen? Soll ich die Polizei rufen?“ Ich packe Alec, der wankend vor mir steht, bei den Armen und winke ab. „Lassen sie ihn hier“, sage ich, „und schliessen Sie die Türe.“ Und fahre weiter. „Nein, Alec ist mein Gast. Er ist der Sohn meiner ersten Frau. Hat mir Vorwürfe gemacht, es ist zu einem Streit gekommen und er hat mich aus Protest verlassen. Ich habe nichts. Aber es ist in der Familie und ich will nicht, dass sich die Polizei dreinmischt.“ „Aber“ entgegnet er, „Sie haben eine gefährliche Wunde, es blutet. Soll ich die Sanität benachrichtigen.“ Ich antworte. „Es ist nur ein Kratzer, nichts, dass ich nicht selbst verbinden könnte.“ Ich nehme das Portemonnaie aus Alecs Hand und gebe ihm Fünfzig Dollar. „Danke für Ihre Mühe, aber ich werde mich selbst um den Rest kümmern.“ Sage ich ihm. Er dankt, will noch fragen, was denn wirklich sei, lässt es aber sein, wie ich ihn einfach nur fix anschaue. Er packt die Fünfzig Dollar ein, dreht sich um und geht hinaus, die Türe laut knallend hinter sich schliessend. Ich hoffe, er wird die Polizei nicht benachrichtigen.

Ich ziehe Alec hinter mir her zum Schlafzimmer. Er humpelt und hinkt mit dem linken Fuss. Hat er sich beim Sturz den Knöchel verstaucht oder etwa gebrochen? Ich unterstütze ihn und werfe ihn, im Schlafzimmer angekommen, mit dem Rücken aufs Bett. Ziehe ihm die Schuhe und die Kleider ab. Er zittert. Ich fühle seinen linken Knöchel. Gottseidank, es ist kein Bruch, es ist verstaucht. Die Sanität möchte ich nicht noch zu mir kommen lassen. Ich weiss zwar, dass es bei Nike manchmal auch hoch hergeht und auch Frauen- und Jungenbesuche gibt, abe es ist trotzdem nicht nötig, dass er von meinem Vorfall mit Alec hört. Alec scheint, ausser dass er Kratzer abgekommen hat und ziemlich hergenommen ist, gesund. Ich sprühe Merfen auf die Wunde auf meinem Handrücken und klebe Pflaster darauf. Es ist wirklich nichts tiefes, hat nur ein bisschen stark geblutet, vorhin. Ich reibe kühlende Kräutersalbe auf seine Schrammen und befestige einen Umschlag um seinen linken Knöchel. Schau ihn an. Er getraut sich nicht, mir in die Augen zu schauen. Ich lehne mich über ihn und verküsse ihm die Schultern und den Hals, presse dann meine Lippen lang und fest auf den Mund, reibe mich an seinen Körper. Alles wie gehabt. Wenn man meint, dass der kleine Raubüberfall, den er vorhin inszeniert hat, meine Liebe zu ihm irgendwie beeinträchtigt hätte, täuscht man sich.  Wenn schon, bin ich jetzt noch mehr entflammt zu ihm. Er lässt alles zu, stemmt sich nicht gegen mich, bleibt aber passiv. Mit der rechten Hand allerdings, versucht er meine heftigen Körperstösse abzuwehren, seine linke Hand aber ist am Körper fest und er hält etwas in der geschlossenen Faust. Ich versuche diese aufzubrechen und er wehrt sich nicht besonders dagegen. Raus kommt eine kleine Figur aus der ägyptischen Kollektion von Nike, ein Gott Thut, bezeichnenderweise. Das wäre schon ein bisschen blöder gewesen, wenn dies abhanden gekommen wäre, denn wahrscheinlich hätte ich Nike diese Figurine nicht so schnell ersetzen können und ich hätte ihm alles erzählen müssen und trotzdem die Polizei benachrichtigen müssen. Ich bin ein bisschen verärgert und sage ihm: „ Wenn es Dir bei mir schon nicht gefällt und Du wegrennen willst, notabene nachdem Du mich gebeten hast, Dich bei mir zu behalten, nimm meinetwegen mein Geld aber stehle nicht Gegenstände, die nicht mir gehören. Denn dann müsste ich die Polizei benachrichtigen und Du würdest im Gefängnis landen! Willst Du das?“ Ich spreche das extra langsam und hervorhebend aus und schau ihn gut an, um festzustellen, wie er daraufhin reagiert. Er zuckt zusammen und schaut mich um Entschuldigung heischend an. Das zeigt mir, dass er offensichtlich auch schon Erfahrung hat mit der Polizei, aber doch noch nicht so hartgesotten ist, dass ihm das gleich wäre. Er will sich entschuldigen, irgendeine Ausrede bringen, doch ich lasse ihn gar nicht reden. Ich fahre weiter: „Wie Du siehst, ist alles gut gesichert hier. Womöglich wurde direkt ein Alarm zu Polizei geschickt und die werden auftauchen. Das passt mir nicht, erstens weil das Zeugs nicht mir gehört und ich meine Geschäftsbeziehungen zum Regisseur, der mein Buch verfilmt, nicht vergiften will und zweitens, weil ich keine Probleme mit der Polizei haben will. Aber auch sonst, was hast Du Dir gedacht, dabei, bitte? Was willst Du anfangen, mit dieser Statuette? Sammelst Du solche Sachen? Weisst Du überhaupt, was das ist?“ Er schaut mich nur an, das ist mir Antwort genug. „Ja nun“, sage ich. „Das stammt aus Ägypten, aus der Pharaonenzeit, ist mindestens viertausend Jahre alt. Soviel ich weiss, hat Nike die grösste Sammlung aus dieser Kultur und da meiste, was Du hier siehst, ist überhaupt nicht mehr erhältlich. Eine solche Statuette kann gut und gern einige hunderttausend, wenn nicht millionen Dollar wert sein. Aber für Dich, wenn Du es verkaufen willst, bringt es nichts ein. Da jeder weiss, dass diese Sachen nur in Einzelexemplaren vorhanden sind, weiss jeder Händler, bei dem Du es wirst verkaufen können, dass es gestohlen ist, denn es gibt höchstens drei oder vier Sammler wie Nike. Er wird Dir dafür nichts zahlen, ausser eben vielleicht einigen Krückstücken. Und er wird Dich höchstwahrscheinlich auch der Polizei angeben.“ Alec reagiert überhaupt nicht und lacht nur blöde. Und wie, um meine schlimmsten Befürchtungen zu erfüllen, läutet es an der Türe. Ich bedeute Alec, unter dem Leintuch zu verschwinden und ganz ruhig zu bleiben. Den Bettüberzug lege ich darüber und schliesse die Schlafzimmertür. Die Figur stelle ich zurück in die Vitrine, bevor ich, betont ruhig, zum Eingang gehe. An der Schwelle stehen zwei uniformierte Polizisten, die wissen wollen, wieso ich in der Wohnung von Nike Gandarachian wohne und ob ich Besuch habe. Der Wächter hat es also doch gemeldet, trotz dem feudalen Trinkgeld, das er mir abgeluchst hat. Ich lasse sie eintreten. Sage ihnen, dass wir unsere Wohnungen geschwappt haben und dass sie Nike anrufen können, falls sie es nicht glauben. Doch dazu haben sie keine Eile. Sie schauen alles gut an. Schauen mich an, während sie an ihrem Kaffee nippen. Fragen mich geradeheraus: „Wollen Sie Ihre Milieuxerfahrungen in Los Angeles vertiefen? Wir kennen Sie, glauben Sie uns. Nicht nur von wegen der Skandalfotos, die um die Welt gingen. Da ist doch so irgendein Junge bei Ihnen, sagte man uns, wo ist er?“ Die frechen Kerle. Sind nur von der tiefsten Sorte, und kommen mir auf diese Art! Ich serviere sie ab, kaltschnäuzig und schnell, wie ich es eben mit Leute ihres Schlages tue, ziehe meinen CIA-Badge hervor, aus dem mein hoher Rang in dieser Organisation hervorgeht und teile Ihnen mit, falls sie noch irgendetwas wissen wollen, über mich, könnten sie ruhig dem „Special Service“ anrufen. Doch ich sei sehr busy, habe keine Zeit, um mit ihnen über Gerüchte zu palavern. Im übrigen sei ich mit Captain anzureden, in Zukunft! Sie scheinen jetzt schon weniger selbstsicher, fragen sich, was stimmt in dem was ich ihnen sage. Ich aber nehme mein Handy hervor, stelle die Nummer ein von Billy, meinem Vorgesetzten und teile ihm mit, dass ich bei der Arbeit von irgendwelchen Typen. Der ist natürlich überrascht, dass ich mich in den Staaten aufhalte, da ich ihm aber immer sehr nützliche Hinweise gegeben habe, in seinen Reserchen bei der Mafia in Mexiko und eine wichtige Abklärung noch gemacht werden muss, unterstützt er mich. Er ist bereit, mit den beiden zu reden. Ich übergebe ihnen das Handy und nach ein, zwei Sätzen werden die beiden bleich, sehen sich gegenseitig an. Sie reichen mir das Handy zurück und Billy scherzt noch ein bisschen mit mir, fragt mich auch, wie weit meine Abklärungen gediehen seien. Das sage ich ihm nicht so, über eine ungesicherte Linie. Er soll mir auf das sichere Handy anrufen, heute Abend und ich werde ihm noch einige interessante Hinweise geben können. Das Problem ist, dass ich in letzter Zeit nicht weitergekommen bin, in dieser Angelegenheit. Ich werde ihm halt was vorgaukeln müssen und verlasse mich in dieser Hinsicht auf meine Fantasie. Die beiden Polizisten aber, sind ruhig geworden. Sie stehen auf und entschuldigen sich, noch und noch, dass sie mich gestört haben, es sei ein falscher Alarm und der Kerl, der telefoniert habe, werde noch was hören von ihnen. Ja nun, sage ich mir, der hat das verdient, dafür habe ich ihn reichlich entschädigt. Ich begleite sie hinaus.
 
Wie ich zurückkomme, ihn Schlafzimmer, ist Alec eingeschlafen. Ich lasse ihn schlafen. Wie er aber aufwacht, nach Stunden eines erholsamen Schlafs, während dem er aber offensichtlich von Albträumen heimgesucht wird, denn er ruft aus, dass man ihm nichts tun solle, dass er nichts dafür können (wofür finde ich nicht heraus), dass er das, was die anderen von ihm wollen, sofort machen werde, habe ich ihm seine Kleider bereitgelegt. Er schaut mich fragend an. Ich nehme mein Portemonnaie hervor, ziehe daraus das Kleingeld heraus, dass noch darin ist, drei Hundertdollarnoten sind es und einige Krückenstücke und gebe sie ihm, zusammen mit einer Visitenkarte von mir in seine Hand. Er schaut mich womöglich noch fragender an.  Ich sage: „Du brauchst mich nicht zu zwingen, Dir Geld zu geben, wie Du es vorhin gemacht hast. Das alles war noch im Portemonnaie, nachdem Du Dich bereits bedient hast, vorhin, als Du mich mit dem Messer gedroht hast. Nimm das. Offensichtlich willst Du nichts wissen von mir, obwohl ich Dich liebe und es Dir weiss Gott, genug gezeigt habe. Aber natürlich will ich, dass Du Dich von Deinem Drogenabhängigkeit freimachst und das scheint Dich zuviel Mühe zu bereiten. Ich will keinen Drogensüchtigen, da ich nicht glaube, dass diese mich lieben können aus einem anderen Grund als dem, dass sie es einfacher haben wenn sie so tun, als ob sie mich liebten. Geh zu Deinen anderen Freunden, die Dich nur ausnützen wollen! Aber wenn Du trotzdem Probleme bekommen solltest, und das scheint mir programmiert, wenn ich dem glaube, was Du im Schlafe gesagt hast, komme zu mir zurück bevor Du etwas tust, was Du später bereuen wirst!“ Nun folgt eine lange Pause. Dann fahre ich fort: „Und renne nicht so davon, wie Du es vorhin getan hast. Das Haus wimmelt nur so von Sicherheitskräften und die schiessen scharf und das ist gefährlich für Dich, glaube mir. Zieh Dich an und ich werde Dich hirausbegleiten und wenn möglich auch dorthin, wo Du hinwillst!“ Er schaut ganz überrascht drein. „Aber“, sagt er. „Wenn es Dich beleidigt, dass ich gerade ein Hold-Up auf Dich verübte, wieso hast Du es denn nicht dem Hauswart und der Polizei gemeldet, als sie just vorbeikamen?“ Er meint,  indem er das sagt, habe er einen Erfolg verbucht! Denn eigentlich bin ich in einem gewissen Sinne ein Komplize. Das weiss ich auch und das werde ich bei Jimmy noch ausbügeln müssen, das weiss ich. Doch eigentlich liebt er mich allzusehr. Ich würde es nicht übers Herz bringen. Ich schau hinaus in den Wohnraum. Das Messer liegt immer noch am Boden und die Polizei hat es nicht gemerkt. Ich antworte. „Klar und machen wir uns nichts vor, es war kein Coup eines hartgesottenen Banditen. Du bist einfach kein Bandit und das würde ich mir gut überlegen, bevor Du zurückkehrst zu Deinen Freunden.“ Jetzt merkt er auf. Und ich, ehrlich gesagt, habe etwas gesagt, das mich verkauft. Ich bin, denke ich, als Erzieher auch nicht viel wert. Jetzt hat er gemerkt, das meine Aufforderung, auszuziehen, eigentlich gar nicht ernst gemeint war. Hat er es gemerkt? Das ist mir nicht klar. Er zittert und schaut mich flehend an. „Bitte, “ sagt er. „Ich will mich bessern. Bitte, jage mich nicht raus.“ Ich habe ein weiches Herz, ja, und ich bin ein schlechter Schauspieler. Wie ich nicht handle, nimmt er die Kleider zur Hand und beginnt, sich anzuziehen und jetzt bin ich es, der zu ihm rennt, mich vor ihm hinkniet, seine Beine umfasst wie es vor Dreitausendjahren der Priamos vor einem ähnlich schönen Jüngling tat und ihn anfleht, nicht zu gehen. Jetzt lächelt er und hat Recht, zu lächeln. „Aber Ramon“, sage ich mir, „wenn Du Simon auch so erzogen hättest, was wäre aus ihm geworden? Kein Professor, nehme ich an!“ „Aber hier geht es ja auch um etwas anderes“, sage ich mir weiter, um mich zu entschuldigen vor meinem schlechten Gewissen, quasi, „ich liebe Alec und kann ohne ihn nicht leben.“ Dann überlege ich es mir nochmals. „Wenn liebe ich“, frage ich mich, ist es nun Kolja, oder José, oder David. „Ja, in meinem Herz hat es Platz für alle schönen Jünglinge der Welt. Jünglinge? Und was ist mit Francine, mit Valeria, mit Maria, Ilge, Grete etc. etc. Ich weiss gar nicht mehr, mit wie vielen. In meinem Herzen ist Platz für alle schönen Jünglinge und Jungfrauen der Welt, mein Herz ist gross und meine Augen sind noch grösser.“ Aber ich vergesse mich. Denn immer noch steht er hier und schaut verwundert auf mich. Ich muss mich fassen. Ich habe mich ja sowieso schon ihm gegenüber gedemütigt und jetzt kann er von mir profitieren und wird es wahrscheinlich auch, wenn ich denke, aus was für einem Milieu er kommt. Ich stehe auf und stammle, schon nur um meinen Kopf schon nur  einigermassen aus der Schlinge zu ziehen mit einem Anflug von Strenge: „Ja nun, heute können wir es sein lassen. Ich will Dir verzeihen. Bleib bei mir.“ Ist es ein Anflug eines herablassenden Lächelns, was ich nun ausmache, in seinem Gesicht? Ich beschliesse, es nicht als das anzusehen, sondern als das Lächeln eines Verliebten. Denn ich bin verliebt, hoffnungslos verloren, verkauft. Und ich muss hoffen, dass er nicht so schlimm ist, wie er sein könnte. Dann streichle ich seine Beine, seinen Schoss, seine Hinterbacken, mit meinen Händen und mit dem Mund… und so weiter, und so weiter und ich bewahre Dich, lieber Leser, vor dem weiteren Erzählen denn Du brauchst nur zurückzublättern und kannst es nachlesen. Und finde es so schön, hinaufzuschauen, in sein Engelsgesicht, ich armer Sünder, quasi von der Hölle hinauf auf die Engel Gottes (falls er das ist und das möchte ich doch bezweifeln – doch Achtung, Gott straft die Geschöpfe, die nicht keusch und unschuldig sind und sich so ihre Gedanken machen über seine Engel!) Ich spüre die sanfte Haut seiner Hinterbacken, greife in den Spalt und fühle wie es dort feucht wird. Sehe auch, indem ich seine Hoden streichle, wie sein Glied hart und steif wird und spüre (und da erröte ich, ob ihr es mir glaubt oder nicht) dass mein Glied auch steif wird und sich nach oben wölbt. Nein, ich kann mich nicht zurückhalten und muss es Dir singen, lieber Leser, auch auf die Gefahr hin, dass Du das Buch zutust und wegwirfst ob all dieser Pornografie, ich küsse seinen schneeweissen, unschuldigen Hüften,  meine Hände tasten seine Beine ab vom Schoss bis hinunter zu den Füssen, meine Zunge leckt ihm die Füsse, die sauber sind, natürlich und auch schneeweiss und packen seine Hoden und pressen sie zusammen, aus lauter Leidenschaft, sodass er laut aufschreit, und ich weiss jetzt, sofort muss ich ihn fühlen, wie er in mich eindringt! Und während ich aufstehe und mich drehe und meinen Hintern ihm zuwende, rufe ich aus, mit einer sich überbordenden, kreischenden Stimme: „Bitte Alec, nimm mich, wie ein Weib, das ich eben bin, durchbohre mich mit Deiner Lanzenspitze wie weiland der gute Parzival den kranken Amfortas!“ Das ist es nun, mein Laster, ich bin, wie es mir ein erboster Leser mal schrieb, ein passiver Schwuler, ein Ekel, der hinhält und saugt und der sich überhaupt nicht schämt, dabei! Und dabei muss ich dauernd klugscheissende sogenannt kultivierte Sprüche von mir geben!